Die Diskussion über diskriminierungsfreie Sprache läuft seit Jahren – und sie muss geführt werden. Es geht schließlich um soziale und politische Teilhabe. Gerade in Demokratien ist eine solche Auseinandersetzung zentral.
Kinderinhalte im besonderen Fokus
Besonders heftig wird über Inhalte für Kinder gestritten. Hier besteht die Sorge, dass diskriminierende Vorstellungen früh verankert und später gesellschaftlich zementiert werden. Entsprechend hart und emotional wird dieser Bereich verteidigt. Im Februar dieses Jahres sorgte der britische Puffin-Verlag für Aufsehen: Er veröffentlichte die beliebten Kinderbücher des 1990 verstorbenen Roald Dahl in komplett überarbeiteten Fassungen. Stereotypisierende Beschreibungen zu Gender, Hautfarbe oder Gewalt wurden gestrichen oder ersetzt – ein Schritt, der international hitzige Diskussionen auslöste.
Anpassungen in der Musikbranche: Queen und die sensiblen Texte
Auch im musikalischen Umfeld haben Debatten über diskriminierungsfreie Sprache längst Einzug gehalten. Universal Records kündigte an, dass auf der Wiederveröffentlichung des Queen-„Greatest Hits“-Albums der Song „Fat Bottomed Girls“ nicht mehr enthalten sein wird. Hintergrund ist dessen Bereitstellung auf der Audio-Plattform Yoto – einer Art digitaler Jukebox für Kinder. Andere Queen-Klassiker wie „Bohemian Rhapsody“ oder „We Will Rock You“ erscheinen dort mit Warnhinweisen, die auf Themen für Erwachsene, Gewalt oder Drogen verweisen. Konservative Medien machten die Verantwortlichen schnell aus: „Sprachnazis“ und „woke Cancel-Culture-Krieger“. Doch am Ende bleibt die Frage: Wer will solche Tracks eigentlich Kindern vorspielen?
ARD warnt vor diskriminierenden Inhalten
Auch die ARD versieht in ihrer Mediathek immer häufiger ältere Sendungen mit Hinweisen. Betroffen sind etwa Folgen der „Otto-Show“ oder der Comedy-Klassiker „Schmidteinander“. Vor dem Start erscheint ein Hinweis auf diskriminierende Sprache oder Elemente, die heute als problematisch wahrgenommen werden.
Selbst der „Tatort“ bleibt nicht unberührt
Sogar der „Tatort“ ist betroffen: Vor der Folge „Duisburg-Ruhrort“ mit Götz George alias Schimanski erscheint der Hinweis: „Das folgende fiktionale Programm wird, als Bestandteil der Fernsehgeschichte, in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Es enthält Passagen mit diskriminierender Sprache und Haltung.“ Der Rundfunk stellt zunehmend Retro-Content der 70er- und 80er-Jahre bereit – und Sprache ist immer auch ein Spiegel ihrer Zeit.
Sprachwandel ist unausweichlich – und sinnvoll
Sprache verändert sich, weil sich Gesellschaft verändert. Ein mündiger Zuschauer kann Inhalte zeitlich einordnen, und ein Alt-Herrenwitz wird auch durch einen Warnhinweis nicht besser. Andererseits: Sprache lenkt Wahrnehmung. Eine bewusste, genderneutrale und diskriminierungsfreie Sprache kann dazu beitragen, gesellschaftliche Vorstellungen positiv zu beeinflussen.
Für alle, die sich das nochmal antun wollen, hier der Song „Fat Bottomed Girls“ von Queen:

