,

Bodega

ca. 8 Minu­ten

Die Band Bodega ist im Stadt­teil Brook­lyn in New York zu Hause. 2018 erschien ihr Debüt­al­bum ​„End­less Scroll“, das von Aus­tin Brown, dem Sän­ger ihrer Label-Mates Par­quet Courts auf­ge­nom­men und pro­du­ziert wurde. Sän­ger und Gitar­rist Ben Hozie sowie Sän­ge­rin Nikki Bel­figlio for­mier­ten eine Band, die sich am klas­si­schen 80er-Jahre Post-Punk von Bands wie The Fall und Gang Of Four ori­en­tiert, ohne dabei irgend­wie nach Retro zu klin­gen. Bodega ver­dich­tet das Ganze zu einem groo­vi­gen Post­punk­sound, der sich musi­ka­lisch und text­lich unver­kenn­bar im 21. Jahr­hun­dert behaup­tet. Mit ​„Bro­ken Equip­ment” (2022) und ​„Our Brand Could Be Yr Life” (2024) ent­wi­ckel­ten sie ihren Sound wei­ter, wur­den melo­di­scher und lie­ßen neben den ner­vö­sen Post-Punk-Rhyth­men zuneh­mend ein­gän­gige Gitar­ren­riffs zu. Auf ihrem vier­ten Album ​„All Inside Aqua­rium” (2026) gehen sie die­sen Weg kon­se­quent wei­ter. Musi­ka­lisch könnte man Bodega auch mit den jun­gen Tal­king Heads, LCD Sound­sys­tem, den B‑52s und einer Prise Lou Reed ver­glei­chen. Aber, um ehr­lich zu sein: Man sollte es gar nicht erst ver­su­chen. Bodega haben längst ihren ganz eige­nen Sound.

Bodega
All Inside Aquarium

Ver­öf­fent­licht: 9. Okto­ber 2026
Label: Chry­sa­lis

Inside Aqua­rium — Album Review

She said, ​„Boy, without a doubt
Have to quit your mess and straighten out
You could die down here, be just another accident statistic„
Textausschnitt aus ​„Slow Train (Bob Dylan)”

Bodega schei­nen keine Lust zu haben, Erwar­tun­gen zu erfül­len. Auf ihrem vier­ten Album ​„All Inside Aqua­rium“ bre­chen die New Yor­ker jeden­falls mit ihrem kan­ti­gen Post-Punk. ​„Lasst uns zu melo­di­schen Stü­cken zurück­keh­ren, lasst uns mehr eine rich­tige Rock­band sein“, war laut Sän­ger und Gitar­rist Ben Hozie die Ansage. Und so beschwö­ren sie auf dem neuen Album ver­stärkt den Sound der spä­ten 80er- und frü­hen 90er-Jahre, mit ein­gän­gi­gen Riffs und Gitar­ren­soli. Hozies Lieb­lings­band aus die­ser Zeit, Jane’s Addic­tion, scheint dabei immer wie­der durch. ​„Die Art, wie wir Musik hören, ist so viel­sei­tig, und genau so sind wir auch an die­ses Album her­an­ge­gan­gen“, ergänzt Band­kol­le­gein Nikki Bel­figlio. Und wei­ter: ​„Man kann einen Hard­core-Song neben einem Folk-Song haben, denn es ste­hen keine Punks an der Ecke, die dar­auf war­ten, einen zu ver­prü­geln.“
So wun­dert es auch nicht, dass das Album eine radi­kale Neu­in­ter­pre­ta­tion von Bob Dylans ​„Slow Train“ ent­hält. Der Song war auf dem 1979 erschie­ne­nen Album ​„Slow Train Coming“ zu fin­den. Wäh­rend Bodega den Ori­gi­nal­text des Klas­si­kers über­neh­men, ver­pas­sen sie dem Stück musi­ka­lisch eine gründ­li­che Frisch­zel­len­kur. Ent­stan­den ist ein wun­der­ba­rer Rock­song klas­si­scher Mach­art, mit einem durch­ge­hen­den Riff, über das sich immer wie­der schöne Gitar­ren­li­nien legen.

Eingängige Melodien statt nervöser Kanten

Das Album selbst beginnt mit dem leicht schram­me­li­gen Titel­track, der mit sei­ner ein­gän­gi­gen Melo­die und dem ​„Nana“-Refrain eine eupho­ri­sche Läs­sig­keit ver­sprüht. Auch ​„Wea­ther Me“ ver­bin­det die ner­vöse Ener­gie frü­he­rer Tage mit deut­lich zugäng­li­che­rem Gitar­ren­pop. Hier tritt ein Groove her­vor, der ent­fernt an Tal­king Heads oder Tom Tom Club erin­nert. ​„Pick Up The Check“ schiebt sich mit sat­tem Groove und ordent­lich Rock’n’Roll nach vorn. Und mit ​„Astro Night Ride“ gönnt sich die Band einen gera­dezu rausch­haf­ten Aus­flug, der zwi­schen Alter­na­tive-Rock-Eupho­rie und psy­che­de­li­scher Schwe­re­lo­sig­keit pen­delt. Es muss eben nicht immer tief­schür­fend sein. Ein­fach mal die Melo­die lau­fen lassen.

Fröhliche Melodien auch zu schweren Themen

Auf ​„Fear not the fear“ wer­den die Melo­dien­li­nien von sach­tem Gitar­ren-Noise unter­mau­ert, ​„Com­bus­ti­ble“ gefällt mit Power-Pop-Feed­back und ​„Pile dri­ver“ ent­puppt sich als ent­schlack­ter Rap-Song mit trei­ben­dem Bass. Ganz ver­ab­schie­det haben sich Bodega von ihren schrä­gen Sei­ten aller­dings nicht. ​„Lite­rary World“ beschäf­tigt sich mit der Rolle der Kunst in einer Gesell­schaft, die alles nach Ver­wert­bar­keit und per­sön­li­cher Marke sor­tiert. Das passt zu einer Band, die schon frü­her den digi­ta­len Selbst­op­ti­mie­rungs­wahn und die Absur­di­tä­ten des Kapi­ta­lis­mus aufs Korn genom­men hat. Dies­mal ste­hen die gro­ßen gesell­schaft­li­chen Abrech­nun­gen aller­dings weni­ger im Vor­der­grund. Die Texte rich­ten den Blick stär­ker nach innen, auf Über­for­de­rung, Sehn­sucht und die Frage, wie man sich in einer Welt behaup­tet, die unab­läs­sig an der eige­nen Auf­merk­sam­keit zerrt. Im fol­ki­gen Clo­ser ​„Oli­via“ fragt Bel­figlio ​„Why did you have to die“ und begeg­net der Ver­gäng­lich­keit mit einer leich­ten, ent­waff­nen­den Offenheit.

Ein Kurswechsel, der gute Laune macht

Das macht ​„All Inside Aqua­rium“ nicht unbe­dingt bis­si­ger, aber offe­ner. Bodega las­sen ihren Songs mehr Platz, ohne gleich in Belie­big­keit abzu­rut­schen. Gerade ​„Back­bea­ten“ zeigt, wie gut ihnen diese neue Gelas­sen­heit steht: Die Num­mer ent­fal­tet ihre Wir­kung nicht durch hek­ti­sche Wen­dun­gen, son­dern durch ein Gespür für Melo­dien, die sich lang­sam fest­set­zen.
Schon der Vor­gän­ger ​„Our Brand Could Be Yr Life“ deu­tete eine Erwei­te­rung des engen Post-Punk-Käfigs an. Mit dem neuen Album öff­net sich das Quin­tett nun voll­ends einem stär­ker vom Pop beein­fluss­ten Alter­na­tive-Rock. Sollte man das bedau­ern? Sicher nicht. Es sind durch die Bank starke Songs mit mäch­ti­gen Melo­dien. Es bleibt stel­len­weise arty, ein wenig pun­kig und sorgt mit jeder Note für gute Laune. Dass dabei nicht jede Ecke so auf­re­gend ist wie frü­her, nimmt man gerne in Kauf. So ist die­ser Kurs­wech­sel wohl weni­ger eine Kapi­tu­la­tion vor dem Main­stream als viel­mehr der Ver­such, die eige­nen Mög­lich­kei­ten aus­zu­tes­ten. Ein gelun­ge­ner Ver­such, wie ich finde.

Nodega, Rot in Helvetica

Nodega
Rot In Helvetica

Ver­öf­fent­licht: 18. Juli 2025
Label: Chry­sa­lis

Rot In Hel­ve­tica — Album Review

Someone is in charge and the logo’s new
They want you to think that it’s not me or you
Someone is in charge but I can’t make out
All the tongues in my mouth
They all echo in doubt
Textausschnitt aus ​„Rot In Helvetica”

Für die furiose 18-Minu­ten-Kurz-EP ​„Rot in Hel­ve­tica“ hat sich die New Yor­ker Band Bodega ein Alter Ego zuge­legt: Nodega — und selbst­ver­ständ­lich haben auch die Musiker*innen ihr Alter Ego: Nodega Ben (Vocals, Gitarre), Agent Ryan (Gitarre), CCII (Schlag­zeug), The Pro­fes­sor (Bass) und Dead Kitty (Vocals, Per­cus­sion). So erlaubt sich das Quin­tett den Spaß, mit einer Mischung aus Old-School-Hard­core, Thrash, Skate-Punk und melo­di­schem Indie-Rock dem Sound alter Vor­bil­der zu hul­di­gen. Oder wie Gitar­rist und Sän­ger Ben Hozie es aus­drückt: ​„Last year Bodega put out a record cal­led ​„Our Brand Could Be Yr Life“, which was more or less a con­cept record about the cor­po­ra­tiza­tion of ​‘indie’ rock. While working on that record I revi­si­ted a lot of the cano­ni­cal Ame­ri­can indie bands (Dino­saur Jr., Pave­ment, Hüs­ker Dü, Sonic Youth, etc.) and was char­med to remem­ber that all of those groups have a very deep con­nec­tion to the ​’80–’84 hard­core boom in the U.S.“

Von Indie-Konzept zu Hardcore-Katharsis

Er sei über­rascht gewe­sen, so Hozie wei­ter, wie sehr er viele der Hardcore‑, Skate­punk- und Thrash-Plat­ten, die er als Teen­ager ver­schlun­gen hatte, immer noch ver­ehre. Aus dem Wunsch, in genau die­ser rot­zi­gen Glück­se­lig­keit wie­der zu thra­shen und zu jam­men, sei schließ­lich die­ses Mini-Album ent­stan­den – ein Ver­such, die Weis­heit, Dumm­heit und Freude des jugend­li­chen Geis­tes­zu­stands noch ein­mal her­auf­zu­be­schwö­ren. Dass auch das Art­work von ​„Rot in Hel­ve­tica“ vom Vor­gän­ger­al­bum inspi­riert wurde, über­rascht da kaum.

Kritik, Krach und Konfrontation

Und so feu­ert bereits der Ope­ner ​„Monthly Fol­lower“ ein raues State­ment gegen das stän­dige Zah­len-Che­cken, gegen Klick- und Strea­ming-Wahn. Eine schnelle Punk­num­mer wie anno 1970. ​„Quan­tify“ schließt da naht­los an, lässt inten­sive Elek­tro-Mosh-Riffs auf intel­li­gente Zei­len tref­fen: ​„Ever­y­thing you see it must be rated…“ Der Titel­track ​„Rot in Hel­ve­tica“ nutzt eine mini­ma­lis­ti­sche Schrift­ar­ten-Meta­pher, um den aktu­el­len Kon­for­mi­täts­druck fron­tal anzu­grei­fen: ​„It’s all man made /​To rot in Hel­ve­tica gra­ves“ – ein gna­den­lo­ser Kom­men­tar zur kul­tu­rel­len Gleichschaltung.

Drei-Minuten-Druckwellen mit Haltung

In nur drei Minu­ten haut die Band in ​„Coma­tose Cha­me­leon“ ein tie­fes psy­cho­so­zia­les State­ment raus: ​„Yr hate is con­ta­gion… The worst crime of all is you make the world feel so fuck­ing small“. ​„Net­work“ und ​„Show the Scaf­fol­ding“ füh­ren die Ana­lyse wei­ter: über die Schein­be­zie­hun­gen moder­ner Netz­werke und das Dasein als stän­dig im – meta­pho­ri­schen – Umbau befind­li­ches Wesen: ​„I’m under con­s­truc­tion, always under con­s­truc­tion“ Abschlie­ßend knallt ​„Gesta­tion Crate“ noch ein­mal in rot­zi­ger Punk-Manier: ein lyri­scher Schlag­ab­tausch über moderne Bar­ba­rei: ​„A new form of bar­ba­rity /​Con­cen­tra­tion camps… Pain is so uni­que… I’m top of the food chain that came from Chris­tia­nity“ – harte Kri­tik an aus­beu­te­ri­schen Sys­te­men mit reli­giös begrün­de­ter Machtlogik.

Laut, schnell, klug

Punk als direkte Fort­set­zung von frü­hem Rock’n’Roll – und die­ses Pro­jekt als Rück­kehr zum lau­ten Wider­stand: roh, schnell, gemein – aber mit Intel­lekt. Ein flam­men­der Funke inmit­ten des digi­ta­len Gleich­schal­tungs­feu­ers. Per­fekt für alle, die nicht nur zuhö­ren, son­dern auch mal laut auf­brül­len wol­len. Und für alle, die wie Hozie noch ihre jugend­li­che Pun­k­ener­gie spü­ren. Nodega fei­er­ten den Release der EP mit einer In-Store-Show bei Rough Trade NYC, gefolgt von zwei kos­ten­lo­sen Konzerten.


Bodega, ATM

Bodega
Our brand could be yr life

Ver­öf­fent­licht: 12. April 2024
Label: Chry­sa­lis

Our brand could be yr life — Album Review


When moving from Kingston to King’s County
I fell on city block in a snow fall scene
Represent the tide how did I murder?

Text­aus­schnitt aus ​„City Is Taken”

Alles zurück auf Anfang: Mit ihrem offi­zi­ell drit­ten Album ​„Our Brand Could Be Your Life” keh­ren Ben Hozie und Nikki Bel­figlio zu ihrem Out­put aus der Zeit vor ihrem offi­zi­el­len Debüt ​„End­less Scroll“ (2018) zurück, von dem laut Hozie nur ​„eine Hand­voll Leute in Bush­wick, Brook­lyn“ gehört haben. Damals, 2015, nah­men sie unter dem Namen Bodega Bay die Platte mit der Mac-Soft­ware Gara­ge­Band in ein Mac­Book-Mikro­fon auf. Jetzt haben sie das aus­ufernde 33-Track-Mani­fest in ein viel straf­fe­res 15-Track-Kon­zept­al­bum umge­wan­delt. Her­aus­ge­kom­men sind fun­kelnde, hook­las­tige und äußerst ein­gän­gige Tracks. Dabei spielt der Album­ti­tel nicht nur auf das Ursprungs­ma­te­rial an, son­dern auch auf den auto­bio­gra­fi­schen Song ​„History Les­son – Part II“ der DIY-Band Minu­temen aus dem Jahr 1984, unter dem glei­chen Titel ver­öf­fent­lichte Michael Azer­rad ein Buch über den ame­ri­ka­ni­schen Musik-Under­ground. Gleich­zei­tig fühlt sich die Band mit ihrem Vor­ge­hen in der Tra­di­tion eines Alfred Hitch­cocks, des­sen 1956er Film ​„Der Mann, der zuviel wusste“ auf einen bereits 1934 in Eng­land gedreh­ten Plot zurück­greift. Wie auch immer, die Neu­auf­lage von ​„Our Brand Could Be Your Life” ist recht rockig gera­te­nen, gibt sich dabei aber gewohnt kapi­ta­lis­mus­kri­tisch und hin­ter­fragt unser schi­zo­phre­nes Kon­sum­ver­hal­ten. Der musi­ka­li­sche Fokus hin­ge­gen hat sich etwas ver­scho­ben, man bedient sich nun­mehr bei der gan­zen Breite des Indie­rocks: Shoe­gaze, Psy­che­de­lia, Schram­mel­gi­tar­ren- und Col­lege-Rock. Tanz­bar bleibt man den­noch. ​„Dedi­ca­ted to The Dedi­ca­ted“ gibt im Sieb­zi­ger-Power-Pop & New Wave-Style einen guten Start in die­ses tolle Album und beinhal­tet die kryp­ti­sche, aber nicht min­der fas­zi­nie­rende Zeile ​„Dedi­ca­ted to the dedi­ca­ted, dedi­ca­ted to the vocal frus­tra­ted…“. Im fol­gen­den ​„G.N.D Daily“ über­nimmt über­wie­gend Schlag­zeu­ge­rin und Sän­ge­rin Nikki den Gesang und wirft einen hin­ter­grün­di­gen Blick auf die Sex­in­dus­trie. ​„Bodega Bait“ beginnt mit einer mecha­ni­schen Tele­fon­stimme, die fragt: ​„What is the dif­fe­rence bet­ween an artist and an adver­ti­ser?“, bevor es uner­war­tet in eine bril­lante, selbst­re­fe­ren­zie­rende Pop-Rock-Num­mer über­geht – sehr cat­chy. Bei ​„Tar­kov­ski“ leis­tet man sich sogar ein phä­no­me­na­les Gitar­ren­solo und erweckt Erin­ne­run­gen an frühe Pave­ment-Sounds. ​„Major Amber­son“ setzt dage­gen ganz auf wat­ti­gen Dre­am­pop, und ​„Stain Gaze“ ist dann wie­der unge­mein rockig mit schräg sägen­der Gitarre. Iro­nisch ver­tont man hier: ​„Mic check /​Ber­tolt Brecht /​Estab­lish dis­course bet­ween rock and pop and spec“. Im abschlie­ßen­den zar­ten und melo­di­schen ​„City Is Taken“ the­ma­ti­sie­ren die New Yor­ker die Gen­tri­fi­zie­rung ihrer Hei­mat­stadt und rät Hip­stern und Inves­to­ren: ​„Pack your bags and move to Detroit“. So ist das neue, alte Album extrem viel­sei­tig und unter­halt­sam und the­ma­ti­siert mit viel Witz die Ver­ein­nah­mung und Ver­mark­tung der Jugend­kul­tur durch Kon­zerne und deren Mar­ken. ​„I’m shou­ting lyrics in your ear /​good thing you’re wea­ring ear plugs /​I know all the ver­ses and the bridge /​I memo­ri­zed this whole album”, bemekt Hozie in ​„Webs­ter Hall“. Auch ich werde mich an die­ses Album erinnern.


Bodega, Broken Equipment

Bodega
Broken Equipment

Ver­öf­fent­licht: 1. April 2022
Label: What’s Your Rupture?

Bro­ken Equip­ment — Album Review


By freelance workers and merchants.
Liquidated by the whole English war fleet.
Then the dutch canal we call Broad street
was drained of its water and filled up with concrete.

Text­aus­schnitt aus ​„NYC (dis­am­bi­gua­tion)”

Bodega kom­men nicht nur aus Brook­lyn, son­dern set­zen sich auch text­lich immer wie­der kri­tisch mit ihrem Stadt­teil und des­sen Gen­tri­fi­zie­rung aus­ein­an­der – wie in dem wun­der­ba­ren ​„NYC (dis­am­bi­gua­tion)“. Über­haupt beschäf­tigt sich die Band mit kom­ple­xen Phi­lo­so­phien und kri­ti­schen Theo­rien, schließ­lich grün­dete sie im Vor­feld ihres zwei­ten Albums einen Buch­club und stellte einen Phi­lo­so­phie­pro­fes­sor als Bas­sis­ten ein. Das alles hört man den Songs nicht an. Sie sind weder ver­kopft noch ver­spult – sie sind so fluf­fig, melo­diös und schwung­voll, dass man unwill­kür­lich mit­wippt und tanzt. Auf dem drah­ti­gen, sprech­ge­sang­ar­ti­gen Post-Punk von ​„Doers“ the­ma­ti­siert Hozie das zeit­ge­nös­si­sche Doom-Scrol­ling („Ten minu­tes: Ted talk /​Ten minu­tes: Note­pad /​Ten minu­tes: Ama­zon /​Ten minu­tes : plan­ning my next ten minu­tes“) und eine Kul­tur, die zu Non-Stop-Arbeit ermu­tigt („Inno­va­tion waits for no man /​Unless I for­get my don­gle!“) – und ja, der moderne Lebens­stil macht einen ​„Bit­ter. Har­der. Fat­ter. Stres­sed out“ (ver­bit­tert, här­ter, fet­ter, gestresst). Neben Tex­ten über die Ent­frem­dung durch Social Media, selbst­kri­ti­schen femi­nis­ti­schen Betrach­tun­gen und einer ​„Vor­le­sung“ über den römi­schen Stoi­ker Seneca ent­hält das Album auch das erste Lie­bes­lied, das Hozie jemals für seine Part­ne­rin Bel­figlio geschrie­ben hat — ​„Pil­lar On The Bridge Of You“. Das Album endet mit ​„After Jane“, einem zar­ten, herz­zer­rei­ßen­den Akus­tik­stück, das als Gespräch zwi­schen Hozie und sei­ner ver­stor­be­nen Mut­ter geschrie­ben wurde, die etwa zur Zeit des ers­ten Albums der Band ver­starb. Diese kleine Pop-Bal­lade ist sicher­lich nicht das stärkste Stück auf dem Album, aber eine zarte und sehr intime Art ein Album zu been­den, das einen so gut unter­hal­ten hat.