Die Rockwelt trauert um eine Ikone

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Frontmann David Johansen, das letzte verbleibende Gründungsmitglied der New York Dolls, erlag seinem langjährigen Krebsleiden.

Der cha­ris­ma­ti­sche Front­mann der New York Dolls, David Johan­sen, ist im Alter von 75 Jah­ren ver­stor­ben. Er starb am 28. Februar 2025 in New York, umge­ben von sei­ner Fami­lie. Sein Tod folgt auf eine jah­re­lange Krank­heits­ge­schichte – zuletzt kämpfte er gegen Krebs und die Fol­gen eines schwe­ren Stur­zes. Mit den New York Dolls defi­nierte er den Sound und die Atti­tüde einer Gene­ra­tion neu. Die 1971 gegrün­dete Band war eine pro­vo­kante Mischung aus Glam, Gara­gen­rock und einer Prise deka­den­ter Selbst­zer­stö­rung. Ihre Alben New York Dolls“ (1973) und Too Much Too Soon“ (1974) gel­ten als Blau­pau­sen für Punk und beein­fluss­ten Gene­ra­tio­nen von Künstlern*innen – von den Ramo­nes bis zu Guns N’ Roses. Auch die bri­ti­sche Punk-Bewe­gung wurde stark von den Dolls geprägt. Mal­colm McLa­ren, der spä­ter als Mana­ger der Sex Pis­tols den bri­ti­schen Punk för­derte, managte zeit­weise auch die Band. Wäh­rend sie ihren Proto-Punk-Sound per­form­ten, tra­ten die New York Dolls – allen voran Johan­sen – in Klei­dern, High Heels, Schmuck und Make-up auf. Damit erschu­fen sie nicht nur den Glam-Punk, son­dern stell­ten auch früh starre Geschlech­ter­vor­stel­lun­gen infrage. In vie­ler­lei Hin­sicht waren sie ihrer Zeit weit voraus.

Zahlreiche Beileidsbekundungen

Die New York Dolls scho­ckier­ten mit andro­gy­nem Look, roher Ener­gie und exzes­si­ver Laut­stärke. Obwohl ihre Plat­ten Kult­sta­tus erreich­ten, blieb der große kom­mer­zi­elle Durch­bruch aus. Dro­gen und Chaos führ­ten zum frü­hen Ende – doch ihr Ein­fluss hallte nach. Tat­säch­lich trenn­ten sich die New York Dolls zwei­mal: das erste Mal 1976, das zweite Mal nach einer Reunion, die 2004 von Super­fan Mor­ris­sey initi­iert wurde. Zwi­schen­zeit­lich ver­öf­fent­lichte Johan­sen Musik unter sei­nem bür­ger­li­chen Namen sowie unter dem Alias Bus­ter Poin­dex­ter. Dabei zeigte er andere musi­ka­li­sche Facet­ten als bei den Dolls – etwa Pop, Salsa und Blues. Die Bus­ter-Poin­dex­ter-Ver­öf­fent­li­chung Hot, Hot, Hot“ wurde zu einem unfrei­wil­li­gen Party-Klas­si­ker. Im Zusam­men­hang mit einer Krebs­dia­gnose been­dete David Johan­sen 2020 seine Musik­kar­riere. 2022 wid­mete ihm Mar­tin Scor­sese den Film Per­so­na­lity Cri­sis“, benannt nach einem Song der Dolls aus dem Jahr 1973. Jetzt ist eine Ära end­gül­tig zu Ende. Zu Johan­sens Tod mel­de­ten sich bereits zahl­rei­che pro­mi­nente Stim­men aus der Musik­welt zu Wort, dar­un­ter Pearl Jam, Mor­ris­sey, Lol Tol­hurst, The Moun­tain Goats und die Nach­lass­ver­wal­ter von David Bowie.