Coole Dudes im Double Feature

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Odd Couple & Love Machine
21. August 2025 • VierLinden Open-Air, Düsseldorf

Ein Dou­ble Fea­ture im Vier­Lin­den Open-Air: Goldmu­cke prä­sen­tiert die Düs­sel­dor­fer Psy­che­de­lic-Rocker Love Machine und die Ber­li­ner Garage-Rocker Odd Cou­ple. Eine Paa­rung, die schon auf dem Papier nach einem auf­re­gen­den Abend klingt – und live alle Erwar­tun­gen erfüllt. Lau­war­mer Som­mer­abend über Düs­sel­dorf, Bier­be­cher in der Hand, Son­nen­un­ter­gang im Rücken. Neben mir Tom, musik­kri­ti­sche Beglei­tung mit schar­fem Blick für Details – passt.

Heimspiel im Rausch der Grooves

Den Anfang machen die Lokal­hel­den Love Machine. Schon beim eröff­nen­den Blue Eyes“ wird klar: Diese Band will nicht nur sup­porten, son­dern gleich ein klei­nes Hap­pe­ning los­tre­ten. Mit hyp­no­ti­schen Groo­ves, krau­ti­gen Rhyth­men und psy­che­de­lisch flir­ren­den Gitar­ren bauen sie Song für Song eine Klang­welt, die das Publi­kum unwei­ger­lich in die 70er Jahre beamt. Die fünf Düs­sel­dor­fer um den cha­ris­ma­ti­schen Sän­ger Mar­cel Rösche las­sen sich dabei auf kei­nen Stil fest­le­gen. Mal Kraut­rock, mal Psy­che­de­lia, dann fast schon Disco – immer aber getra­gen von pum­pen­dem Bass und trei­ben­der Per­cus­sion. Rösche gibt den coo­len Front­mann, zele­briert sämt­li­che Rock­po­sen, wan­dert durchs Publi­kum, stän­dig mit neuer Ziga­rette und neuem Bier in der Hand – stil­echt aus der Fla­sche, mit dem Feu­er­zeug auf­ge­macht. Tom merkt an: alko­hol­frei. Aber egal, die Ener­gie stimmt. Ich selbst trinke ein alko­hol­freies Uerige – und habe, wie alle hier, mäch­tig Spaß. Mit dem wil­den Ani­mal“ endet ihr Set – und Rösche ver­ab­schie­det sich mit den Wor­ten: Jetzt kommt eine Band, die ist fast noch gei­ler wie wir.“

Berliner Garage-Power unter freiem Himmel

Nach einer kur­zen Umbau­pause folgt ein etwas län­ge­rer Sound­check, den Gitar­rist Jascha Kreft mit einem lako­ni­schen We should start now, we just have one hour“ kom­men­tiert. Dann end­lich: der erste Akkord. Und sofort knallt der Garage-Rock von Odd Cou­ple über die Anlage, als hätte jemand eine über­di­men­sio­nale Juke­box auf­ge­dreht. Trotz der Mini­mal­be­set­zung wir­ken sie kein biss­chen dünn. Das liegt auch daran, dass das Duo Kreft (Gitarre, Gesang) und Tammo Dehn (Drums) seit dem drit­ten Album Yada Yada um Bas­sist Den­nis Schulze ver­stärkt wird. Gemein­sam schram­meln sie mit krau­ti­gem Garage-Sound das inzwi­schen gut gefüllte Areal in Ekstase.

Die dada­is­tisch anmu­ten­den Lyrics fin­den im text­si­che­ren Publi­kum sofort Wider­hall: Dein Leben war leer, doch es war das beste, das du hat­test“ – wird in der ers­ten Reihe inbrüns­tig mit­ge­schmet­tert. Ebenso An dei­nem eige­nen Weg führt kein Weg vor­bei“. Rich­tig eksta­tisch wird es bei Katta“ vom 2018er Album Yada Yada. Auch hier dre­hen die Texte ele­gant ins Absurde: Ich komme gar nicht klar mit Sta­gna­tion /​Keine Lust auf Pro­kras­ti­na­tion“. Beson­ders gefei­ert wird Allein in Ber­lin“ mit der lako­ni­schen Zeile: Komm ich heut nicht, komm ich mor­gen, um mich macht sich eh kei­ner Sor­gen.“ Karla, die ich zufäl­lig treffe, erkennt im Refrain einen alten Clash-Klas­si­ker: Should I Stay or Should I Go. Ein schö­ner Quer­ver­weis – bewusst oder unbewusst.

Zugabe im Zeitraffer

Nach einer Stunde ver­stum­men die letz­ten Akkorde. Doch das Publi­kum for­dert laut­stark mehr. Sehr schnell keh­ren Odd Cou­ple zurück, Kreft lächelt: Wir haben genau noch fünf Minu­ten.“ Die nut­zen sie gna­den­los – ein letz­tes, druck­vol­les Stück, das noch ein­mal alles bün­delt: Fuzz, Groove und rohe Ener­gie. Dann ist Schluss. Lei­der viel zu früh.

Perfekter Open-Air-Abend

Ein Abend, der zeigt, wie gut Düs­sel­dorf und Ber­lin musi­ka­lisch zusam­men­pas­sen: Love Machine mit ihrem psy­che­de­li­schen Heim­spiel und Odd Cou­ple, die Garage-Rock in eine rohe, kraft­volle Feier ver­wan­deln. Som­mer­abend, gute Laune, eksta­ti­sches Publi­kum – mehr braucht es nicht für ein per­fek­tes Open Air. Ein wei­te­rer Beweis: Gerade die klei­nen Gigs kön­nen begeis­tern und mit­reis­sen. Tom und Karla nicken zustimmend.