First we take Greenland

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Erst Manhattan, dann Grönland? Donald Trump interpretiert Leonard Cohen neu – unfreiwillig. Die isländische Sängerin Björk kontert die arktischen Machtfantasien mit klaren Worten.

Donald Trumps neu auf­ge­legte Idee, Grön­land unter US-Kon­trolle zu brin­gen, klingt wie ein poli­ti­scher Run­ning Gag mit erschre­ckend lan­gem Atem. Was 2019 noch als Immo­bi­li­en­witz mit ark­ti­schem Flair durch­ging, wird inzwi­schen mit bemer­kens­wer­ter Ernst­haf­tig­keit vor­ge­tra­gen. Grön­land erscheint in Trumps Welt weni­ger als Lebens­raum, son­dern eher als stra­te­gi­scher Flug­zeug­trä­ger aus Eis: groß, nütz­lich, ver­meint­lich ver­füg­bar. Dass dort Men­schen leben, mit eige­ner Geschichte und wach­sen­dem Wunsch nach Unab­hän­gig­keit, stört diese Logik kaum. Kolo­nia­lis­mus, ein­mal neu ver­packt, bleibt eben Kolonialismus.

Björk sagt Nein

Deut­li­chere Worte kom­men aus Reykja­vík. Björk mel­dete sich jüngst via Insta­gram zu Wort und nannte die Vor­stel­lung, Grön­land könne von einem Kolo­ni­sa­tor zum nächs­ten“ wei­ter­ge­reicht wer­den, schlicht bru­tal. Sie soli­da­ri­sierte sich mit den Men­schen vor Ort und sprach offen über den Schre­cken kolo­nia­ler Macht­an­sprü­che – nicht ohne einen Sei­ten­hieb auf Däne­mark, das Grön­land bis heute ver­wal­tet. Wäh­rend poli­ti­sche Akteure in Begrif­fen wie Sicher­heits­in­ter­es­sen“ und stra­te­gi­scher Sta­bi­li­tät“ den­ken, bringt Björk es auf den Punkt: Wer Ter­ri­to­rien wie Besitz behan­delt, hat aus der Geschichte nichts gelernt.

Pop, Politik und Polarluft

Dass Björk hier Posi­tion bezieht, über­rascht nicht. Seit den frü­hen 1990ern, seit ihren Alben Debut“, Post“ und Homo­ge­nic“, steht sie für eine Pop­mu­sik, die sich nie mit blo­ßer Unter­hal­tung zufrie­den­gab. Die islän­di­sche Künst­le­rin ver­bin­det Avant­garde, Poli­tik und per­sön­li­che Radi­ka­li­tät – und enga­giert sich seit Jahr­zehn­ten für Umwelt‑, Kul­tur- und Unab­hän­gig­keits­fra­gen – beson­ders im nord­at­lan­ti­schen Raum. Anfang 2025 bezeich­nete die islän­di­sche Sän­ge­rin etwa Spo­tify als das Schlimmste, was Musi­kern pas­siert ist.“

Erst Grönland, dann die ganze Welt

Wäh­rend Björk von Selbst­be­stim­mung spricht, denkt Trump in Ein­fluss­zo­nen. Zwei Welt­bil­der pral­len auf­ein­an­der: hier Unab­hän­gig­keit, dort Besitz­an­spruch. Leo­nard Cohen sang einst: First we take Man­hat­tan, then we take Ber­lin.“ Trump scheint diese Zeile weni­ger als Meta­pher zu ver­ste­hen – und genau darin liegt das eigent­li­che Problem.

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