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Flea

Durch­schnitt­li­che Lese­dauer 3 Minu­ten

Flea, bür­ger­lich Michael Peter Balz­ary, wurde am 16. Okto­ber 1962 in Mel­bourne gebo­ren und zählt zu den prä­gends­ten Bas­sis­ten der Rock- und Funk­ge­schichte. Bekannt wurde er als Grün­dungs­mit­glied der Red Hot Chili Pep­pers, deren Sound er seit den frü­hen 1980er-Jah­ren maß­geb­lich mit­ge­stal­tet. Auf­ge­wach­sen in Los Ange­les, begann er mit Trom­pete und wech­selte erst als Teen­ager zum Bass. Sein Stil ver­bin­det Funk, Punk und Rock mit hoher Vir­tuo­si­tät. Mit den Red Hot Chili Pep­pers fei­erte er welt­weite Erfolge, ins­be­son­dere mit Alben wie Blood Sugar Sex Magik“ und Cali­for­ni­ca­tion“, die ihn end­gül­tig zu einem der ein­fluss­reichs­ten Bas­sis­ten sei­ner Gene­ra­tion mach­ten. Par­al­lel dazu arbei­tete Flea immer wie­der mit ande­ren Künst­lern zusam­men, dar­un­ter Thom Yorke (im Pro­jekt Atoms for Peace) oder Jazz­mu­si­ker aus der Los-Ange­les-Szene. Mit sei­nem Solo­al­bum Honora“ kehrt er im März 2026 schließ­lich zu sei­nen musi­ka­li­schen Wur­zeln zurück: dem Jazz und der Trompete.

Flea, Honora

Flea

Honora

Ver­öf­fent­licht: 27. März 2026
Label: None­such Records

The whole or just a part of it
Call us when you’re sick of it
Other people’s prejudice
Can you spot the difference?

Text­aus­schnitt aus Traf­fic Ligths”

Mit Honora“ legt Flea ein sehr per­sön­li­ches Solo-Debüt vor, das mit allen Erwar­tun­gen bricht: kein Funk, kein Rock, kein vir­tuo­ser Bass im Vor­der­grund – statt­des­sen ein intro­spek­ti­ves, jazz­ge­tränk­tes Klang­ex­pe­ri­ment. Um sich geschart hat Flea eine exqui­site Band: dar­un­ter Saxo­fo­nist und Pro­du­zent Josh John­son, die Aus­tra­lie­rin Anna But­terss am Upright Bass, Gitar­rist Jeff Par­ker sowie Drum­mer Dean­toni Parks. Alle­samt sind pro­fi­lierte Jazz­mu­si­ker, die teil­weise auch in ande­ren Pro­jek­ten zusam­men­ar­bei­ten – etwa in der For­ma­tion SML. Nach eige­nem Bekun­den befürch­tete Flea zunächst, diese Szene könnte ihn als Schar­la­tan“ oder Rock-Poser“ wahr­neh­men. Rück­bli­ckend sagt er jedoch: Es hat sich gezeigt, dass sie alle die auf­rich­tigs­ten und hilfs­be­rei­tes­ten Men­schen sind. Ich ver­beuge mich tief vor ihnen.“ Neben den Jazz­mu­si­kern erwei­tern wei­tere pro­mi­nente Gäste das Ensem­ble: Thom Yorke, Nick Cave, War­ren Ellis (eben­falls Bad Seeds), Natha­niel Wal­cott sowie Red-Hot-Chili-Pep­pers-Kol­lege John Frusciante.

Trompete statt Bass

Flea selbst bril­liert nicht nur am Bass, son­dern vor allem an der Trom­pete – sei­nem ers­ten Instru­ment; zum Bass wech­selte er erst mit 17 Jah­ren. Auf die­sem Album rückt er die Trom­pete kon­se­quent ins Zen­trum. Wäh­rend die gro­ßen Namen Auf­merk­sam­keit auf sich zie­hen, ist es vor allem Jeff Par­ker, der den Sound sub­til zusam­men­hält. Sein Spiel bewegt sich vir­tuos zwi­schen Ambi­ent, Post-Rock und moder­nem Jazz – oft zurück­ge­nom­men, aber stets prä­gend. So ent­steht ein veri­ta­bles Jazz­al­bum, das zwi­schen Expe­ri­ment und Tra­di­tion pen­delt: mal sanft, mal explo­siv, mit brei­ter Instru­men­tie­rung und einem span­nen­den Wech­sel­spiel aus Instru­men­tals und Gesangsstücken.

Zugänglichkeit und Experimentell

Einer der zugäng­lichs­ten Momente des Albums ist sicher­lich Traf­fic Lights“ mit Thom Yorke. Über einem ent­spann­ten Beat reflek­tiert er über eine aus den Fugen gera­tene Welt und stellt die Frage: How will we live past the traf­fic lights in the upside down?“ Flea schrieb den Track gemein­sam mit sei­nem Atoms-for-Peace-Band­kol­le­gen, der hier neben den Vocals auch Syn­the­si­zer und Piano bei­steu­ert. Unver­kenn­bar und mit viel Pathos ver­leiht Nick Cave dem Cover von Glen Camp­bells Wichita Line­man“ eine fast sakrale Schwere und macht den Song zu einem Ruhe­pol der Platte. Bei einer wei­te­ren Cover­ver­sion – dem fol­gen­den Thin­kin Bout You“, ursprüng­lich von Frank Ocean – ersetzt die Trom­pete die Vocals, was dem Song ein uner­war­tete Note ver­leiht. Direkt im Anschluss folgt mit Wil­low Weep for Me“, bekannt gewor­den durch Ella Fitz­ge­rald, eben­falls völ­lig neu inter­pre­tiert – hier jedoch mit brum­men­den Syn­the­si­zern. Ein beson­de­res High­light ist das elf­mi­nü­tige Frai­led“: ein inten­si­ver Spi­ri­tual-Jazz-Trip, getra­gen von Fleas Bass und ver­edelt durch War­ren Ellis an Vio­line und Alt­flöte. Ganz zu Anfang des Albums auf A Plea“ greift Flea selbst zum Mikro­fon. Er warnt vor gesell­schaft­li­cher Spal­tung in den USA und ruft zum Frie­den auf: I’m not being corny, this shit is real /​Live for peace! /​Live for love!“ Das mag naiv wir­ken, macht aber die Hal­tung hin­ter die­sem Album unmiss­ver­ständ­lich deutlich.

Kompromisslos authentisch

Und genau von die­ser kom­pro­miss­lo­sen Authen­ti­zi­tät lebt das Album: von einem künst­le­ri­schen Impuls, der nicht kal­ku­liert, son­dern not­wen­dig wirkt – ehr­lich, unge­fil­tert, enga­giert und mit der Bereit­schaft, sich ver­letz­lich zu zei­gen. Die­ser Anspruch spie­gelt sich auch im Art­work wider: Das edle Cover zeigt ein Foto von Fleas ira­ni­scher Schwie­ger­mut­ter Shanin Badi­yan mit einer Taube auf der Schul­ter. Für sich genom­men ist es bereits ein ein­drucks­vol­les State­ment – ent­stan­den noch vor dem Angriff der USA auf den Iran – und unter­streicht die leise, aber klare poli­ti­sche Dimen­sion die­ses Albums.

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