Flea, bürgerlich Michael Peter Balzary, wurde am 16. Oktober 1962 in Melbourne geboren und zählt zu den prägendsten Bassisten der Rock- und Funkgeschichte. Bekannt wurde er als Gründungsmitglied der Red Hot Chili Peppers, deren Sound er seit den frühen 1980er-Jahren maßgeblich mitgestaltet. Aufgewachsen in Los Angeles, begann er mit Trompete und wechselte erst als Teenager zum Bass. Sein Stil verbindet Funk, Punk und Rock mit hoher Virtuosität. Mit den Red Hot Chili Peppers feierte er weltweite Erfolge, insbesondere mit Alben wie „Blood Sugar Sex Magik“ und „Californication“, die ihn endgültig zu einem der einflussreichsten Bassisten seiner Generation machten. Parallel dazu arbeitete Flea immer wieder mit anderen Künstlern zusammen, darunter Thom Yorke (im Projekt Atoms for Peace) oder Jazzmusiker aus der Los-Angeles-Szene. Mit seinem Soloalbum „Honora“ kehrt er im März 2026 schließlich zu seinen musikalischen Wurzeln zurück: dem Jazz und der Trompete.
The whole or just a part of it
Textausschnitt aus „Traffic Ligths”
Call us when you’re sick of it
Other people’s prejudice
Can you spot the difference?
Mit „Honora“ legt Flea ein sehr persönliches Solo-Debüt vor, das mit allen Erwartungen bricht: kein Funk, kein Rock, kein virtuoser Bass im Vordergrund – stattdessen ein introspektives, jazzgetränktes Klangexperiment. Um sich geschart hat Flea eine exquisite Band: darunter Saxofonist und Produzent Josh Johnson, die Australierin Anna Butterss am Upright Bass, Gitarrist Jeff Parker sowie Drummer Deantoni Parks. Allesamt sind profilierte Jazzmusiker, die teilweise auch in anderen Projekten zusammenarbeiten – etwa in der Formation SML. Nach eigenem Bekunden befürchtete Flea zunächst, diese Szene könnte ihn als „Scharlatan“ oder „Rock-Poser“ wahrnehmen. Rückblickend sagt er jedoch: „Es hat sich gezeigt, dass sie alle die aufrichtigsten und hilfsbereitesten Menschen sind. Ich verbeuge mich tief vor ihnen.“ Neben den Jazzmusikern erweitern weitere prominente Gäste das Ensemble: Thom Yorke, Nick Cave, Warren Ellis (ebenfalls Bad Seeds), Nathaniel Walcott sowie Red-Hot-Chili-Peppers-Kollege John Frusciante.
Trompete statt Bass
Flea selbst brilliert nicht nur am Bass, sondern vor allem an der Trompete – seinem ersten Instrument; zum Bass wechselte er erst mit 17 Jahren. Auf diesem Album rückt er die Trompete konsequent ins Zentrum. Während die großen Namen Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist es vor allem Jeff Parker, der den Sound subtil zusammenhält. Sein Spiel bewegt sich virtuos zwischen Ambient, Post-Rock und modernem Jazz – oft zurückgenommen, aber stets prägend. So entsteht ein veritables Jazzalbum, das zwischen Experiment und Tradition pendelt: mal sanft, mal explosiv, mit breiter Instrumentierung und einem spannenden Wechselspiel aus Instrumentals und Gesangsstücken.
Zugänglichkeit und Experimentell
Einer der zugänglichsten Momente des Albums ist sicherlich „Traffic Lights“ mit Thom Yorke. Über einem entspannten Beat reflektiert er über eine aus den Fugen geratene Welt und stellt die Frage: „How will we live past the traffic lights in the upside down?“ Flea schrieb den Track gemeinsam mit seinem Atoms-for-Peace-Bandkollegen, der hier neben den Vocals auch Synthesizer und Piano beisteuert. Unverkennbar und mit viel Pathos verleiht Nick Cave dem Cover von Glen Campbells „Wichita Lineman“ eine fast sakrale Schwere und macht den Song zu einem Ruhepol der Platte. Bei einer weiteren Coverversion – dem folgenden „Thinkin Bout You“, ursprünglich von Frank Ocean – ersetzt die Trompete die Vocals, was dem Song ein unerwartete Note verleiht. Direkt im Anschluss folgt mit „Willow Weep for Me“, bekannt geworden durch Ella Fitzgerald, ebenfalls völlig neu interpretiert – hier jedoch mit brummenden Synthesizern. Ein besonderes Highlight ist das elfminütige „Frailed“: ein intensiver Spiritual-Jazz-Trip, getragen von Fleas Bass und veredelt durch Warren Ellis an Violine und Altflöte. Ganz zu Anfang des Albums auf „A Plea“ greift Flea selbst zum Mikrofon. Er warnt vor gesellschaftlicher Spaltung in den USA und ruft zum Frieden auf: „I’m not being corny, this shit is real /Live for peace! /Live for love!“ Das mag naiv wirken, macht aber die Haltung hinter diesem Album unmissverständlich deutlich.
Kompromisslos authentisch
Und genau von dieser kompromisslosen Authentizität lebt das Album: von einem künstlerischen Impuls, der nicht kalkuliert, sondern notwendig wirkt – ehrlich, ungefiltert, engagiert und mit der Bereitschaft, sich verletzlich zu zeigen. Dieser Anspruch spiegelt sich auch im Artwork wider: Das edle Cover zeigt ein Foto von Fleas iranischer Schwiegermutter Shanin Badiyan mit einer Taube auf der Schulter. Für sich genommen ist es bereits ein eindrucksvolles Statement – entstanden noch vor dem Angriff der USA auf den Iran – und unterstreicht die leise, aber klare politische Dimension dieses Albums.
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