Mandy, Indiana

ca. 2 Minu­ten

Mandy, Indiana sind ein inter­na­tio­na­les Quar­tett, das 2018 gegrün­det wurde und in Man­ches­ter und Ber­lin behei­ma­tet ist und ver­mischt Indus­trial, Noise-Rock und Techno zu einer dich­ten Klang­ku­lisse. Die Band besteht aus der fran­zö­si­schen Sän­ge­rin und Song­wri­te­rin Valen­tine Caul­field sowie Gitar­rist und Pro­du­zent Scott Fair, Schlag­zeu­ger Alex Mac­dou­gall und Key­boar­der Simon Cat­ling. Ihr Sound ver­bin­det rohe Indus­trial-Tex­tu­ren, Noise-Ästhe­tik und frag­men­tier­ten Pop zu einer eigen­wil­li­gen, oft kör­per­lich spür­ba­ren Klang­spra­che. Auf­fäl­lig ist vor allem Caul­fields Gesang, der über­wie­gend auf Fran­zö­sisch bleibt und weni­ger als klas­si­sches Erzähl­in­stru­ment funk­tio­niert, son­dern als rhyth­mi­sches und emo­tio­na­les Ele­ment. Seit ihren ers­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen hat sich die Band den Ruf erar­bei­tet, Kon­ven­tio­nen bewusst zu unter­lau­fen – sowohl musi­ka­lisch als auch inhalt­lich. Ihr Sound bewegt sich zwi­schen Club, Kunst­in­stal­la­tion und poli­ti­schem Statement.

Mandy, Indiana,URGH URGH

Mandy, Indiana
URGH

Ver­öf­fent­licht: 6. Februar 2026
Label: Sacred­bo­nes Records

Big pharma I cop when the stock dip
Buy the farm before you even get sick, sick, sick

Text­aus­zug aus Sicko!”

Mit URGH“ legen Mandy, Indiana ein abso­lut kom­pro­miss­lo­ses Album vor. URGH“ drückt im Eng­li­schen Ekel, Abnei­gung oder star­ken Ärger aus – ein laut­ma­le­ri­scher Aus­ruf, der das Geräusch des Wür­gens imi­tiert. Und genau dort setzt diese Musik an: URGH“ ist sicher kein Wohl­fühl­al­bum, son­dern eines, das sich bewusst jeder kom­for­ta­blen Ein­ord­nung ent­zieht. Eines, das drückt, schabt und gele­gent­lich auch nervt.

Entstanden unter Hochspannung

Auf­ge­nom­men zwi­schen Leeds, Ber­lin und Man­ches­ter, ent­stand das Album unter extre­men Bedin­gun­gen. Sän­ge­rin Valen­tine Caul­field und Schlag­zeu­ger Alex Mac­dou­gall kämpf­ten wäh­rend der Arbei­ten mit schwe­ren gesund­heit­li­chen Pro­ble­men. Statt den Pro­zess zu läh­men, ver­dich­tete diese Erfah­rung den Sound: indus­tri­ell, ana­log, gna­den­los. Beats blei­ben oft ver­bor­gen, Span­nun­gen wer­den nicht auf­ge­löst, son­dern aus­ge­hal­ten. Gitar­rist Scott Fair pro­du­zierte das Album gemein­sam mit Daniel Fox von der Gilla Band – und sie las­sen es klin­gen, als wäre es unter maxi­ma­lem Druck gepresst.

Stimme als Instrument und Waffe

Caul­fields Stimme flüs­tert, atta­ckiert, beschwört und wütet – meist auf Fran­zö­sisch, aber stets als klang­li­ches Stör­si­gnal. Sie ver­han­delt per­sön­li­che Trau­mata ebenso wie struk­tu­relle Gewalt, patri­ar­chale Mus­ter und kol­lek­tive Ohn­macht. Doch das Album ver­wei­gert jede platte Parole. Selbst dort, wo kon­kret auf toxi­sche Boy-Club-Kul­tur oder sexua­li­sierte Gewalt ver­wie­sen wird, bleibt die Spra­che frag­men­ta­risch, poe­tisch und lässt Raum für Interpretation.

Noise‑Exzess auf dem Dancefloor

Tracks wie Maga­zine“, Life Hex“ oder das atem­lose Cur­sive“ bewe­gen sich zwi­schen Noise-Exzess, dekon­stru­ier­tem Pop und fil­mi­scher Unruhe. Das groß­ar­tige Sicko!“ mit dem New Yor­ker Rap­per billy woods am Mikro­fon schlägt die Brü­cke zum Noise-Rap, wäh­rend I’ll Ask Her“ das Album mit Sire­nen und Ket­ten­sä­gen­sound bru­tal zuspitzt. URGH“ ist groovy auf eine schwer greif­bare Art – eine Art Indus­trial-Techno, der untanz­bar wirkt und doch zum Tan­zen reizt.

Ein Album als Aufforderung

URGH“ ver­wei­gert Kom­fort und Kon­su­mier­bar­keit. Es ist unbe­quem, kör­per­lich, poli­tisch – nicht nur klang­lich, son­dern auch kon­zep­tu­ell. Das Art­work mit ana­to­mi­scher Illus­tra­tion unter­streicht den Fokus auf Kör­per, Ver­letz­lich­keit und Wider­stand. Die­ses Album will nicht gefal­len, son­dern sucht die Auseinandersetzung.