Mari Froes
4. Mai 2026 • Rudas Studios, Düsseldorf
Manchmal geht man auf ein Konzert und weiß eigentlich schon vorher, dass die Musik vermutlich nicht den eigenen Geschmack treffen wird. Heute ist so ein Tag: Mein dritter Besuch des Lovebird Festivals in den Rudas Studios im Düsseldorfer Medienhafen. Dieses Festival gehört inzwischen zu den festen Terminen in meinem Konzertkalender und in diesem Jahr steht die brasilianische Sängerin Mari Froes auf dem Programm. Die 23-Jährige gilt als eine der spannendsten neuen Stimmen der brasilianischen Musikszene. Bekannt wurde sie über YouTube und soziale Medien, wo erst ihre Coverversionen, später auch ihre eigenen Songs ein Millionenpublikum erreichten. Ihr erstes Soloalbum soll in Kürze erscheinen, wie sie im Laufe des Konzerts mitteilte.
Nicht meine Musik – aber das ist völlig in Ordnung
Vorab: Brasilianische Musik ist so gar nicht mein Ding. Bossa Nova, Samba oder verwandte Stilrichtungen haben mich noch nie erreicht. Entsprechend niedrig waren meine Erwartungen. Und das vorweg: Dieser Abend änderte wenig. Mari Froes und ihre fünfköpfige Band präsentieren genau diese Mischung aus brasilianischer Folklore, Bossa Nova, Jazz und modernem Pop, mit der ich so wenig anfangen kann. Das Publikum hingegen findet sichtbar Gefallen an dem Sound – Geschmacksache eben.
Eine hervorragende Band
Zugegeben: Gerade die instrumentalen Passagen machten deutlich, welch ausgezeichnete Musiker Mari Froes um sich versammelt hat. Die Band überzeugt mit technischer Klasse, Spielfreude und Gespür für Dynamik – und immer, wenn die Musik freier, offener wird, und Instrumente mehr Raum bekommen, finde auch ich Zugang zum Geschehen auf der Bühne. Beeindruckend auch der Moment, in dem Froes zu ihrer Akustischen greift und allein auf der Bühne einen Song präsentiert, den sie bereits mit 16 Jahren geschrieben hat. Ihr Auftreten allerdings wirkt gelegentlich ein wenig zu perfekt. Manche Gesten und ihre Blicke ins Publikum erinnern eher an sorgfältig produzierte YouTube-Clips als an die Unmittelbarkeit eines Live-Konzerts.
Dennoch: ein gelungener Festivalabend
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Brasilianische Musik und ich werden wohl keine großen Freunde mehr. Trotzdem habe ich den Abend keineswegs bereut. Die Rudas Studios erwiesen sich erneut als hervorragende Konzertlocation, das Lovebird Festival bestätigte seinen Ruf als liebevoll kuratiertes Musikereignis, und Mari Froes zeigte eindrucksvoll, warum sie derzeit zu den Hoffnungen der neuen brasilianischen Musikszene zählt. Nicht jedes Konzert muss einen begeistern. Manchmal reicht es schon, gute Musiker zu erleben und den Spaß zu beobachten, den das Publikum hat.

