Mclusky
31. August 2026 • Zakk-Club, Düsseldorf
22 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Im September 2004 standen Mclusky schon einmal im kleinen ZAKK-Club auf der Bühne – und ich davor. Damals war gerade ihr drittes Album „The Difference Between Me and You Is That I’m Not on Fire“ erschienen, ein Jahr später trennte sie sich dann erst einmal. Heute sind sie zurück – mit neuem Album, alten Songs und offenbar noch immer keinerlei Interesse daran, sich erwachsen zu benehmen. Da haben wir etwas gemeinsam.
Laut, na und…
Bevor Mclusky überhaupt die Bühne betreten, gibt es eine Triggerwarnung: „Heute wird es laut. Gehörschutz gibt es links neben der Theke,“ kommt über die Boxen. Nun ja. Wegen „laut“ sind wir doch schließlich hier.
Den Abend eröffnen Thistles aus Köln. Das Trio passt mit seiner Mischung aus Noise-Rock, Post-Punk und Shoegaze eigentlich ziemlich gut ins Programm. Dominanter Bass, präzises Schlagzeug, dazu eine helle, melodische Gitarre, die ihre einfachen Linien gerne durch ein Verzerrungsgewitter schickt. Der Auftakt ist furios und tatsächlich vielversprechend – allerdings hält die Spannung nicht über die komplette halbe Stunde. Sobald der Gesang einsetzt, wird es dünn: Die Vocals sind kaum verständlich und bleiben nicht hängen. Ausgerechnet die rein instrumentalen Passagen am Anfang und Ende sind deshalb die stärksten Momente des Sets.
Dann eine unnötig lange Pause. Und schließlich stehen Andrew „Falco“ Falkous und Damien Sayell auf der Bühne, während Jack Egglestone hinter seiner Plexiglaswand Platz nimmt. Sie scheinen angetreten zu sein, um zu zeigen, wie man mit möglichst wenig Material maximalen Krach veranstaltet.
So geht Hardore
Der Einstieg ist gleich eine Ansage: „Lightsabre Cocksucking Blues“, eine ironische Anspielung auf Star Wars. Der Song von 2002 setzt einen Raum innerhalb von Sekunden in Bewegung zu versetzen. Falkous’ Gitarre sägt verzerrt und rau und dreckig, Egglestones Schlagzeug hämmert präzise dagegen, und Sayell liefert dazu den Bass, der den ganzen Lärm zusammenhält. Mclusky spielen nicht einfach laut. Sie spielen laut, schnell, böse und mit einer Präzision, die im allgemeinen Getöse leicht übersehen wird. Und sie wollen den perfekten Sound für ihren Lärm. Der Plexiglasschutz vor dem Schlagzeug und die überdimensionierten Kopfhörer von Falkous zeugen davon.
„Collagen Rock“ folgt, später „Unpopular Parts of a Pig“ und „Way of the Exploding Dickhead“. Dazwischen immer wieder Songs vom aktuellen Album „i sure am getting sick of this bowling alley“. Wie musikalisch vielseitig die Band inzwischen geworden ist, beweist sie mit „As a Dad“, der Lieblingssong von Falkous Tochter, wie er bemerkt. Noise-Rock und Post-Hardcore vom Feinsten. Und dann ist da noch dieser schräge schwarze.
Kein Angst vor schlechten Witzen
Andrew Falkous unterhält zwischen den Tracks mit Nonsens und improvisierter Stand-up-Comedy. So werden Songs den absurdesten Gruppen gewidmet: etwa „all Windows 11 users“. Warum? Keine Ahnung. Muss man auch nicht wissen.
Der Running Gag des Abends ist die Behauptung, Mclusky seien „the Kings of Leon“ – allerdings nur noch „for one year“. Ein alter Witz, den die Band schon bei früheren Konzerten bemüht hat und der offenbar inzwischen selbst ihnen etwas auf die Nerven geht. Irgendwann sagt Falkous trocken: „This joke is getting boring“ und deutet auf seine beiden Mitmusiker. Die nehmen es stoisch hin. Mclusky sind schließlich keine Band, die sich von einer Pointe den Abend kaputtmachen lässt.
Überhaupt herrscht auf der Bühne eine erstaunlich gute Laune. Sayell springt und zappelt am Bass, Falkous grinst immer wieder ins Publikum, Egglestone arbeitet hinter seiner Plexiglaswand stoisch gegen den akustischen Ausnahmezustand an. Die drei Musiker scheinen ziemlich viel Spaß daran haben, gemeinsam Lärm zu machen.
Fuck this Band
Als „To Hell With Good Intentions“ schließlich den Abend beendet, ist klar, warum diese Musik in einem kleinen Club wie dem ZAKK am besten funktioniert. In einem kleinen Laden, wo der Bass noch körperlich wird, die Gitarren einem die letzten vernünftigen Gedanken aus dem Kopf blasen und ein Sänger zwischendurch irgendeinen vollkommen absurden Kommentar ins Mikrofon brüllt.
Im September 2004 war ich schon einmal hier, als Mclusky kurz vor ihrer ersten Auflösung standen. 22 Jahre später stehen sie wieder an derselben Stelle. Die Witze sind anders. Die Lautstärke nicht.
Am Ende des Konzert muss zum Merch-Tisch ein neues T‑Shirt kaufen. Ich will mich auf der Rückfahrt nicht erkälten und das, das ich anhabe, ist völlig verschwitzt. Mit dem neuen Shirt geht’s aufs Fahrrad und nach Hause. „Fuck this Band“ steht auf dem Shirt. Und das ist ein fettes Kompliment







