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Backengrillen

Durch­schnitt­li­che Lese­dauer 3 Minu­ten

Backen­gril­len ist ein expe­ri­men­tel­les Musik­ensem­ble aus Umeå, Schwe­den. Die Band ver­eint Ele­mente aus Hard­core-Punk, Noise, Free Jazz, Metal und Impro­vi­sa­tion und nennt ihren Sound selbst free form Death Jazz“ – roh, unbe­re­chen­bar und direkt aus dem Bauch her­aus gespielt. Sän­ger Den­nis Lyx­zén und wei­tere Refu­sed-Mit­glie­der — Schlag­zeu­ger David Sand­ström und Bas­sist Magnus Flagge — haben sich mit Magnus Gustafs­son, eine feste Größe in der euro­päi­schen Free-Jazz-Szene, zusam­men­ge­tan. Ihre Wur­zeln im Hard­core, Punk, Free Jazz und Metal prä­gen den anar­chi­schen Klang von Backen­gril­len, die eine klare anti-faschis­ti­sche, anti-ras­sis­ti­sche und grund­sätz­lich rebel­li­sche Hal­tung ver­tre­ten. So ist ihr Stil bewusst unkon­ven­tio­nell – laut, dis­so­nant und radi­kal frei. Musik ist für Backen­gril­len ein Akt der Zer­stö­rung von Erwar­tun­gen und ein Auf­ruf zu krea­ti­ver Frei­heit. Aber was soll der merk­wür­dige Band­name? Ety­mo­lo­gisch gibt es im Schwe­di­schen keine Bedeu­tung von Backen­gril­len“, weil das Wort dort schlicht nicht exis­tiert. Er irri­tiert, ver­wei­gert eine klare Erklä­rung und bleibt hän­gen, ohne sich auf­zu­lö­sen. Genau das, was Backen­gril­len musi­ka­lisch machen. Eine inter­es­sante Behaup­tung ist jedoch in der Fan-Com­mu­nity auf­ge­taucht. Dem­nach ist Backen­gril­len“ in Umeå ein Spitz­name für ein loka­les Kre­ma­to­rium. Das würde dem Namen eine dunk­lere, bewusst irri­tie­rende Kon­no­ta­tion geben – aller­dings ist das nicht von der Band selbst bestä­tigt worden.

Backen­gril­len, Novem­ber 2025

Backengrillen, Backengrillen

Backengrillen
Backengrillen

Ver­öf­fent­licht: 23. Januar 2026
Label: Svart Records

Das selbst­be­ti­telte Album Backen­gril­len“ wirkt kon­zen­triert und eng, aber vol­ler Details und einer außer­ge­wöhn­li­che Dyna­mik. Die Pro­duk­tion ist rau, ohne unfer­tig zu wir­ken. Nach Anga­ben der Band wurde das Mate­rial an einem Don­ners­tag wäh­rend ihrer aller­ers­ten Probe geschrie­ben, am Frei­tag live auf­ge­führt und am Sams­tag auf­ge­nom­men – und den­noch sitzt alles genau dort, wo es drü­cken soll. Backen­gril­len set­zen auf Wie­der­ho­lung als Stil­mit­tel, auf Span­nungs­auf­bau statt Explo­sion. Beson­ders stark sind die Momente, in denen die Band bewusst Tempo her­aus­nimmt und dem Unbe­ha­gen Raum lässt. Dann kip­pen die Stü­cke von trei­bend zu bedrü­ckend – und genau dort ent­fal­ten sie ihre größte Wir­kung. Das Album for­dert Auf­merk­sam­keit, belohnt sie jedoch mit Tiefe, erzeugt einen durch­gän­gi­ger Sog.

Ablehnung als Zustand

Der Ope­ner ist pro­gram­ma­tisch. A Hate Infe­rior“ arbei­tet mit kon­trol­lier­ter Aggres­sion, ohne je in platte Wut zu kip­pen. Die Gitar­ren sind scharf, aber nie hys­te­risch, der Rhyth­mus sto­isch, fast maschi­nell. Backen­gril­len for­mu­lie­ren hier ihr Grund­prin­zip: Ableh­nung als Zustand, nicht als Aus­bruch. Ein Song, der Span­nung erzeugt, indem er sie kon­se­quent nicht auf­löst. Schlep­pende, doo­mige Riffs, dröh­nen­der Bass und krei­schen­des Saxo­phon domi­nie­ren den Track, Den­nis Lyx­zén plat­ziert seine Stimme schnei­dend zwi­schen die Instru­mente. Die anfäng­li­che Ord­nung hält nicht lange – sie kol­la­biert in einer zehn­mi­nü­ti­gen Geräusch­ku­lisse. Doch hin­ter jedem Zusam­men­bruch wirkt eine instink­tive Logik, die das Chaos kontrolliert.

Zu langsam sterben

Mit Dör För Långs­amt“ folgt einer der emo­tio­nal dich­tes­ten Momente des Albums. Über mehr als zwölf Minu­ten dehnt sich der Song schwer, schlep­pend und bei­nahe resi­gniert aus. Gesang und Instru­men­tie­rung las­sen viel Raum, der bewusst unan­ge­nehm bleibt. Hier zeigt sich die Stärke der Band im Weg­las­sen: wenige Mit­tel, maxi­male Wir­kung. Der Track ver­dich­tet alles zu einer mas­si­ven, bedrü­cken­den Wucht. Mats Gustafs­son treibt den Sound mit sei­nem Saxo­phon erneut in free­jaz­zige Sphä­ren, wäh­rend pul­sie­ren­der Bass und stoi­sche Drums Sta­bi­li­tät erzeu­gen. Den­nis Lyx­zén spuckt seine Shouts wie Stör­si­gnale in den Raum. Zu lang­sam ster­ben“ lau­tet die pas­sende Über­set­zung des Titels.

Repetition als Zwang

Auch bei Repea­ter II“ ist der Titel bewusst gewählt. Repe­ti­tion wird hier zum zen­tra­len Motiv – musi­ka­lisch wie inhalt­lich. Ein mini­ma­lis­ti­sches Riff fräst sich durch den Track, wäh­rend Drums und Bass ener­gisch dage­gen­hal­ten. Kleine Ver­schie­bun­gen im Arran­ge­ment wir­ken dadurch umso stär­ker. Repea­ter II“ ist hyp­no­tisch, fast zwang­haft, und gehört zu den Stü­cken, die sich mit jedem Hören wei­ter vertiefen.

Konzept als Chaos

Der fol­gende, selbst­be­ti­telte Track fun­giert als Dreh- und Angel­punkt des Albums. Backen­gril­len“ ist roh, direkt und zugleich selt­sam zurück­ge­nom­men. Die Band ver­dich­tet hier ihre Ästhe­tik: kan­tige Gitar­ren, ein ner­vö­ser Groove, Text­frag­mente statt kla­rer Aus­sa­gen. Flö­ten und Saxo­phon lie­fern fra­gile Anker­punkte. Über zehn Minu­ten bewegt sich der Song lang­sam, schwer, fast hoff­nungs­los vor­wärts – Kon­zept als Chaos.

Atmosphäre statt Argument

Mit Socia­lism Or Bar­ba­rism“ endet das Album in einer letz­ten, zehn­mi­nü­ti­gen Eska­la­tion. Der Song baut sich lang­sam aus elek­tro­ni­schen Stör­ge­räu­schen auf, lässt Span­nung gären und kippt erst spät in eine düs­tere Dring­lich­keit. Die Parole im Titel wird nicht erklärt, son­dern aus­ge­hal­ten. Backen­gril­len set­zen hier auf Atmo­sphäre statt Argu­ment – und erzie­len damit eine beun­ru­hi­gend nach­hal­tige Wirkung.

Reibung mit Kultpotenzial

Backen­gril­len set­zen kon­se­quent auf Rei­bung und Unruhe. Sie lie­fern ein ori­gi­nel­les, radi­ka­les und pro­vo­zie­ren­des Debüt mit hohem Kult­po­ten­zial. Also: Bleibt dran und fickt die Bullen.“

Kein Streaming

Backen­gril­len ver­öf­fent­li­chen auf kei­ner Strea­ming­platt­form.
Zu hören sind sie auf Band­camp
Oder auf Vinyl/​CD. Hier zu beziehen