Backengrillen ist ein experimentelles Musikensemble aus Umeå, Schweden. Die Band vereint Elemente aus Hardcore-Punk, Noise, Free Jazz, Metal und Improvisation und nennt ihren Sound selbst „free form Death Jazz“ – roh, unberechenbar und direkt aus dem Bauch heraus gespielt. Sänger Dennis Lyxzén und weitere Refused-Mitglieder — Schlagzeuger David Sandström und Bassist Magnus Flagge — haben sich mit Magnus Gustafsson, eine feste Größe in der europäischen Free-Jazz-Szene, zusammengetan. Ihre Wurzeln im Hardcore, Punk, Free Jazz und Metal prägen den anarchischen Klang von Backengrillen, die eine klare anti-faschistische, anti-rassistische und grundsätzlich rebellische Haltung vertreten. So ist ihr Stil bewusst unkonventionell – laut, dissonant und radikal frei. Musik ist für Backengrillen ein Akt der Zerstörung von Erwartungen und ein Aufruf zu kreativer Freiheit. Aber was soll der merkwürdige Bandname? Etymologisch gibt es im Schwedischen keine Bedeutung von „Backengrillen“, weil das Wort dort schlicht nicht existiert. Er irritiert, verweigert eine klare Erklärung und bleibt hängen, ohne sich aufzulösen. Genau das, was Backengrillen musikalisch machen. Eine interessante Behauptung ist jedoch in der Fan-Community aufgetaucht. Demnach ist „Backengrillen“ in Umeå ein Spitzname für ein lokales Krematorium. Das würde dem Namen eine dunklere, bewusst irritierende Konnotation geben – allerdings ist das nicht von der Band selbst bestätigt worden.
„Die Musik von Backengrillen ist eine Hymne an Chaos und Zerstörung. Die Grundidee besteht darin, ein Death/Doom-Metal- oder Noiserock-Riff zu nehmen und es so lange zu spielen, bis es seinen Sinn verliert, und es dann auseinanderzunehmen wie eine gefräßige Katze eine kleine Waldmaus. Sie ist randvoll mit dem Selbsthass, der in der Provinz Västerbotten, aus der die Bandmitglieder stammen, allgegenwärtig ist. Das Album wurde an einem Donnerstag während ihrer allerersten Probe geschrieben, am Freitag live aufgeführt und am Samstag aufgenommen. Was ihr also hört, ist rohe, stumpfsinnige Musik aus dem Bauch heraus, gespielt von erfahrenen Vertretern von Hardcore-Punk, Metal, Free Jazz, Noise usw. Das zweite Album ist in Arbeit, weniger stumpfsinnig, dafür umso hässlicher. Bleibt dran und fickt die Bullen.“
Backengrillen, November 2025
Das selbstbetitelte Album „Backengrillen“ wirkt konzentriert und eng, aber voller Details und einer außergewöhnliche Dynamik. Die Produktion ist rau, ohne unfertig zu wirken. Nach Angaben der Band wurde das Material an einem Donnerstag während ihrer allerersten Probe geschrieben, am Freitag live aufgeführt und am Samstag aufgenommen – und dennoch sitzt alles genau dort, wo es drücken soll. Backengrillen setzen auf Wiederholung als Stilmittel, auf Spannungsaufbau statt Explosion. Besonders stark sind die Momente, in denen die Band bewusst Tempo herausnimmt und dem Unbehagen Raum lässt. Dann kippen die Stücke von treibend zu bedrückend – und genau dort entfalten sie ihre größte Wirkung. Das Album fordert Aufmerksamkeit, belohnt sie jedoch mit Tiefe, erzeugt einen durchgängiger Sog.
Ablehnung als Zustand
Der Opener ist programmatisch. „A Hate Inferior“ arbeitet mit kontrollierter Aggression, ohne je in platte Wut zu kippen. Die Gitarren sind scharf, aber nie hysterisch, der Rhythmus stoisch, fast maschinell. Backengrillen formulieren hier ihr Grundprinzip: Ablehnung als Zustand, nicht als Ausbruch. Ein Song, der Spannung erzeugt, indem er sie konsequent nicht auflöst. Schleppende, doomige Riffs, dröhnender Bass und kreischendes Saxophon dominieren den Track, Dennis Lyxzén platziert seine Stimme schneidend zwischen die Instrumente. Die anfängliche Ordnung hält nicht lange – sie kollabiert in einer zehnminütigen Geräuschkulisse. Doch hinter jedem Zusammenbruch wirkt eine instinktive Logik, die das Chaos kontrolliert.
Zu langsam sterben
Mit „Dör För Långsamt“ folgt einer der emotional dichtesten Momente des Albums. Über mehr als zwölf Minuten dehnt sich der Song schwer, schleppend und beinahe resigniert aus. Gesang und Instrumentierung lassen viel Raum, der bewusst unangenehm bleibt. Hier zeigt sich die Stärke der Band im Weglassen: wenige Mittel, maximale Wirkung. Der Track verdichtet alles zu einer massiven, bedrückenden Wucht. Mats Gustafsson treibt den Sound mit seinem Saxophon erneut in freejazzige Sphären, während pulsierender Bass und stoische Drums Stabilität erzeugen. Dennis Lyxzén spuckt seine Shouts wie Störsignale in den Raum. „Zu langsam sterben“ lautet die passende Übersetzung des Titels.
Repetition als Zwang
Auch bei „Repeater II“ ist der Titel bewusst gewählt. Repetition wird hier zum zentralen Motiv – musikalisch wie inhaltlich. Ein minimalistisches Riff fräst sich durch den Track, während Drums und Bass energisch dagegenhalten. Kleine Verschiebungen im Arrangement wirken dadurch umso stärker. „Repeater II“ ist hypnotisch, fast zwanghaft, und gehört zu den Stücken, die sich mit jedem Hören weiter vertiefen.
Konzept als Chaos
Der folgende, selbstbetitelte Track fungiert als Dreh- und Angelpunkt des Albums. „Backengrillen“ ist roh, direkt und zugleich seltsam zurückgenommen. Die Band verdichtet hier ihre Ästhetik: kantige Gitarren, ein nervöser Groove, Textfragmente statt klarer Aussagen. Flöten und Saxophon liefern fragile Ankerpunkte. Über zehn Minuten bewegt sich der Song langsam, schwer, fast hoffnungslos vorwärts – Konzept als Chaos.
Atmosphäre statt Argument
Mit „Socialism Or Barbarism“ endet das Album in einer letzten, zehnminütigen Eskalation. Der Song baut sich langsam aus elektronischen Störgeräuschen auf, lässt Spannung gären und kippt erst spät in eine düstere Dringlichkeit. Die Parole im Titel wird nicht erklärt, sondern ausgehalten. Backengrillen setzen hier auf Atmosphäre statt Argument – und erzielen damit eine beunruhigend nachhaltige Wirkung.
Reibung mit Kultpotenzial
Backengrillen setzen konsequent auf Reibung und Unruhe. Sie liefern ein originelles, radikales und provozierendes Debüt mit hohem Kultpotenzial. Also: „Bleibt dran und fickt die Bullen.“
Kein Streaming
Backengrillen veröffentlichen auf keiner Streamingplattform.
Zu hören sind sie auf Bandcamp
Oder auf Vinyl/CD. Hier zu beziehen


