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Bela Spit

ca. 3 Minu­ten

Bela Spit sind ein 2020 gegrün­de­tes Post-Punk-Quar­tett aus Leeds mit Sän­ge­rin Iris Cas­ling, Gitar­ris­tin Scar­lett Bax­ter, Bas­sis­tin Beth Vea­sey und Schlag­zeu­ge­rin Nika Tic­ciati. Die Band ver­bin­det schrof­fen DIY-Punk mit No Wave, Garage und anar­chi­schem Per­for­mance-Humor und beschreibt ihren Stil selbst als post-pussy anar­chic caba­ret“. Nach ihrem Debüt Bela Spit“ (2024) folgte 2026 das gerade ein­mal 17-minü­tige sings/​sobs“ – ein kom­pak­tes, bewusst rohes Album zwi­schen Dis­so­nanz, Feed­back und schwar­zem Humor. Die vier ver­ste­hen Punk weni­ger als nost­al­gi­sche Stil­übung denn als Mög­lich­keit, musi­ka­li­sche und gesell­schaft­li­che Kon­ven­tio­nen lust­voll zu zerlegen.

Bela Spit, sings/sobs

Bela Spit

sings/​sobs

Ver­öf­fent­licht: 10. Februar 2026 
Label: Nika Tic­ciatti Record Club

Auf ihrem zwei­ten Album ver­wan­deln Bela Spit aus Leeds den Pro­be­raum in eine Echo­kam­mer für alles, was an Post-Punk noch gefähr­lich klin­gen kann. sings/​sobs“ (singt/​schluchzt) lau­tet der Titel – ein Aus­druck, der den schnel­len Wech­sel von Freude zu Trauer beschreibt. Er stammt aller­dings aus einem völ­lig ande­ren musi­ka­li­schen Kos­mos: aus dem berühm­ten, gleich­na­mi­gen Jazz­al­bum des Pia­nis­ten Chick Corea, Now He Sings, Now He Sobs von 1968. Das Quar­tett um Sän­ge­rin Iris Cas­ling, Gitar­ris­tin Scar­lett Bax­ter, Bas­sis­tin Beth Vea­sey und Schlag­zeu­ge­rin Nika Tic­ciati hin­ge­gen hat wenig mit Jazz am Hut. Es setzt auf schroffe Gitar­ren, schrille Feed­backs und schep­pernde Drums – dazu eine bewusst pri­mi­tive Pro­duk­tion und eine Stimme, die, klar, zwi­schen Krei­schen, Jam­mern, Spre­chen und hys­te­ri­schem Lachen pen­delt. Das Ergeb­nis ist roh, aber kei­nes­wegs zufäl­lig. Bela Spit wis­sen genau, wann ein Song kip­pen muss und wie viel Unord­nung er ver­trägt. Ganz bewusst las­sen sie Ver­stär­ker­brum­men, Rück­kopp­lun­gen und ver­meint­li­che Pat­zer ste­hen. Fette, sau­bere Pro­duk­tio­nen kann heut­zu­tage schließ­lich jeder. Den Sound von Bela Spit muss man dage­gen bewusst wollen. 

17 Minuten Kurzschluss

Nach zehn Songs und gerade ein­mal 17 Minu­ten ist bereits alles wie­der vor­bei. Die Stü­cke gehen teil­weise naht­los inein­an­der über und sind bemer­kens­wert redu­ziert: keine vir­tuo­sen Gitar­ren­soli, keine über­pro­du­zier­ten Drums, keine fet­ten Klang­schich­ten. Statt­des­sen Riffs, die knir­schen, ein Bass, der sich durch die Songs schiebt, und ein Schlag­zeug, das eher nach Kel­ler als nach Stu­dio klingt. Das passt zu einer Band, die sich selbst als post-pussy anar­chic cabaret“bezeichnet und ihre Musik offen­sicht­lich nicht als mög­lichst pro­fes­sio­nel­les Pro­dukt miss­ver­steht.
French Kis­sing“ eröff­net den Rei­gen mit drän­gen­dem Gesang und einem Angriff aus Dis­so­nanz, der sofort klar­macht, dass Bequem­lich­keit hier nichts zu suchen hat. Sin­gle Sports Nappy“ stol­pert auf einem drah­ti­gen Gitar­ren­riff vor­wärts, wech­selt unver­mit­telt die Rich­tung und gewinnt gerade aus die­ser rup­pi­gen Beweg­lich­keit sei­nen Reiz.
Am stärks­ten ist das Album, wenn die Band ihre begrenz­ten Mit­tel maxi­mal ver­dich­tet. I’m So Hyper“ lässt einen gur­geln­den Bass­lauf gegen Gitar­ren­schreie und klap­pernde Drums antre­ten; Iris Cas­lings Stimme hält sich nicht über dem Lärm, son­dern steckt mit­ten­drin. Habi­tual Fuck­ing“ wirkt wie eine zwei­mi­nü­tige Hit­ze­welle aus ato­na­len Akkor­den und rast­lo­ser Per­cus­sion, wäh­rend Pre-op or Post-op“ zwi­schen Hard­core-Schub, schrä­gem Solo und Indie-Doom hin und her schlägt.

Sperrig und widersprüchlich

Auch I’m worried i’m too crude“ zeigt, wie gut Bela Spit Gegen­sätze beherr­schen: Der Song ist ein­gän­gig und sper­rig, albern und bedroh­lich, spon­tan und prä­zise zugleich. Genau diese Wider­sprü­che machen den Reiz von sings/​sobs aus. Die Band muss sich nicht zwi­schen Punk und Humor, Aggres­sion und Albern­heit ent­schei­den – sie lässt alles gleich­zei­tig passieren.

Kein Retro-Punk

Dabei sind die musi­ka­li­schen Bezugs­punkte durch­aus erkenn­bar: die anar­chi­sche Ener­gie der frü­hen bri­ti­schen Punk­be­we­gung, die schräge Sexua­li­tät der Slits, No Wave, Que­er­core und eine bewusst kaputte Ästhe­tik. Bela Spit zitie­ren diese Ein­flüsse jedoch nicht nost­al­gisch, son­dern wer­fen sie in einen ziem­lich eige­nen, schmut­zig fun­keln­den Sound zwi­schen No Wave, Garage-Punk und ner­vö­sem Post-Punk.
Das Ent­schei­dende ist dabei viel­leicht genau diese Abwe­sen­heit von Retro-Zuge­wandt­heit. sings/​sobs klingt nicht wie eine Band, die wis­sen möchte, wie Punk frü­her geklun­gen hat. Es klingt wie eine Band, die her­aus­fin­den will, wie kaputt, lus­tig und unbe­re­chen­bar Punk heute noch sein kann. Und nach 17 Minu­ten möchte man ziem­lich genau wis­sen, was diese vier beim nächs­ten Mal anstel­len. Aber zunächst heißt es: Repeat“ drücken.