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Big Special

Das Post-Punk-Duo Big Spe­cial, bestehend aus Sän­ger Joe Hick­lin und Drum­mer Callum Molo­ney, kommt aus Bir­ming­ham, stammt also aus dem soge­nann­ten Black Coun­try – einem indus­tri­el­len Bal­lungs­ge­biet in den West Mid­lands. Die Bezeich­nung „Schwar­zes Land“ wird viel­fach auf die starke Luft­ver­schmut­zung durch die Indus­trie ab etwa 1750 zurück­ge­führt. Und ähn­lich wie die Sleaford Mods aus Not­ting­ham ver­leug­nen die bei­den ihre Wur­zeln nicht, son­dern machen sie im Gegen­teil zum Thema, geben sich klas­sen­be­wusst, pfle­gen auf­rech­tes Pro­le­ten­tum und zei­gen poli­ti­sches Sen­dungs­be­wusst­sein. Ken­nen­ge­lernt haben sie sich mit 17 Jah­ren auf einem Col­lege, gin­gen zunächst ver­schie­de­nen eige­nen Musik­pro­jek­ten nach und ent­schlos­sen sich spä­ter zur musi­ka­li­schen Zusam­men­ar­beit. Schon sehr schnell in ihrer kur­zen gemein­sa­men Kar­riere durf­ten sie einige Shows für Sleaford Mods (!) eröffnen.

Big Special, Postindustrial Hometown Blues

Big Special

Postindustrial Hometown Blues

Ver­öf­fent­licht: 10. Mai 2024
Label: SO Recor­dings / Rough Trade

Big Spe­cial: Black coun­try gothic


They fell to safety, so I’ve heard
Under their thick black blanket of industry
Now they kneel and pray at the steel altar
The hopeless congregation of a Godless mass

Text­aus­schnitt aus „Black coun­try gothic

„Post­in­dus­trial Home­town Blues“ ist das Debüt­al­bum des Duos, und, wie der Titel durch­schei­nen lässt, the­ma­ti­siert es das Leben der Arbei­ter­klasse, den kläg­li­chen Zustand der bri­ti­schen Nation und die Ver­ar­mung einer ehe­mals blü­hen­den Indus­trie­land­schaft. „Obviously I fuck­ing hate the Tories, I fuck­ing hate Keir Star­mer, it’s all against the peo­ple,” betonte Sän­ger­Joe Hick­lin ange­pisst gegen­über dem eng­li­schen NME, und wei­ter: „The working class might as well be com­ple­tely fuck­ing invi­si­ble. It’s all wank. I just wish it would all burn down so we could start again.” Dabei klin­gen die Post-Pun­ker aber nicht nur wütend und aggres­siv, son­dern schla­gen auch ver­söhn­li­che Töne an. Musi­ka­lisch set­zen sich Big Spe­cial mit ihrem Debüt zwi­schen alle Stühle. Natür­lich kom­men einem wie bei dem dem trei­ben­den, impul­si­ven Ope­ner „Black coun­try gothic“ die Mods mit Wil­liam­sons bit­ter­bö­sen Tira­den in den Sinn, im kla­gen­den „This here ain’t Water“ mit sei­nem leicht souli­gen Touch hin­ge­gen lau­ern die Algiers, und einen Hauch Arc­tic Mon­keys fin­det man in „Shit­house”, aber auch der tro­ckene Rock eines Bruce Springsteen („iLL“) kann schon mal auf­tau­chen. Mit dem schwarz­hu­mo­ri­gen „I mock jog­gers” leis­tet man sich einen schrä­gen Blues­rock mit Spo­ken Words und kru­den Syn­thie­flä­chen, in „Trees“ plun­kern elek­tro­ni­sche Sounds fröh­lich vor sich hin, und das zer­brech­li­che „For the birds“ wird wei­test­ge­hend von einem seich­ten Piano getra­gen. Eine wütende, nackte Pre­digt, die ganz ohne instru­men­tale Unter­ma­lung aus­kommt, fin­det man in„Mongrel“. So formt das Duo mit sei­nem expe­ri­men­tel­len Ansatz einen ein­zig­ar­ti­gen Sound aus einer Mischung von Rock, Punk und Electronica.

Jederzeit auf großer Europa-Tour

Mit Big Spe­cial haben die Mid­lands ein wei­te­res schlag­kräf­ti­ges und mei­nungs­star­kes Post-Punk-Duo – mit einem cha­ris­ma­ti­schen Shou­ter, der einen har­ten, regio­na­len Slang pflegt. Und wie die Mods tre­ten sie bei ihren Shows auch nur als Duo auf. Die Drums und die Vocals sind live, alle ande­ren Instru­mente und Sounds kom­men vom Band. Der­zeit sind Big Spe­cial auf Tour: So spie­len sie in Deutsch­land auf dem Deich­brand Fes­ti­val in Cux­ha­ven sowie dem Hald­ern Pop Fes­ti­val. Und wor­auf ich mich beson­ders freue: Am 6. Novem­ber 2024 tre­ten sie in der Kul­tur­kir­che als Sup­port des groß­ar­ti­gen Sin­ger­song­wri­ters John Grant auf, bekannt­ge­wor­den als Front­man der „Czars“. Einen Tag spä­ter gibt es noch einen wei­te­ren gemein­sa­men Auf­tritt im Colum­bia Thea­ter in Berlin.