Culk
22. September 2026 • Zakk, Düsseldorf
Heute steht im Düsseldorfer ZAKK eine kleine musikalische Reise in die Wiener Underground-Szene auf dem Programm. Wir – Klaus, Alex, Urs und ich – freuen uns vor allem auf die post-punkigen Shoegazer Culk, die mit ihrem aktuellen Album „Smogstar“ durch Deutschland und Österreich touren. Unterstützt werden sie von Panik Deluxe, einem Projekt der Wienerin Lily Elektra. Wobei: Bei einem solchen Namen braucht man eigentlich keinen Künstlernamen mehr. Aus dem One-Woman-Projekt wird live allerdings ein Duo. Zusammen mit Linus Isajah an Keyboard und Gitarre betritt Lily Elektra pünktlich die kleine Bühne des Clubs. Was dann folgt, lässt sich am ehesten als intensiver, düsterer Fiebertraum beschreiben. Ein Sound-Sog aus Dark Wave, treibendem Elektro-Pop und Industrial-Einflüssen füllt den Raum. Dazwischen tuckert die Elektronik gelegentlich wie ein Computerspiel aus den Achtzigern, wie Klaus bemerkt. Melancholisch, düster und gleichzeitig treibend, dazu fast schon tanzbare elektronische Grooves. Panik Deluxe schaffen damit eine ziemlich dichte Einstimmung auf das, was noch kommt. Mit einem schüchternen Dank an Culk beendet Lily Elektra ihr Set.
Noise-Rock und Großstadtmelancholie
Die Umbaupause endet mit einem langen, schrammeligen Gitarrensound. Die vierköpfige Wiener Band um Sophie Löw übernimmt ihn nahtlos und geht direkt in „weiß nur wer ich nicht bin“ über. Der Song stammt vom aktuellen Album „Smogstar“ und bringt mit seinen Shoegaze-Gitarren genau die richtige Stimmung für den Einstieg. Auch die nächsten Songs kommen vom neuen Album. Schon bald lauscht das Publikum gebannt dieser Mischung aus Noise-Rock und Großstadtmelancholie. Allerdings drängen sich Gitarre und Schlagzeug an diesem Abend oft so sehr nach vorne, dass die Stimme von Sophie Löw zu wenig Raum bekommt. Dabei ist gerade ihre Stimme ein wichtiger Teil des Culk-Sounds. Auf „Smogstar“ klingt die Band deutlich roher als früher – und diesen neuen Noise-Rock-Schub nimmt sie auch mit auf die Bühne. Selbst die älteren Songs klingen im Zakk deutlich rauer und härter.
Zwischen Flüstern und Lärm
Bei alle dem bleibt Löw der ruhende Fixpunkt, ist dabei aber extrem zurückhaltend und formuliert ihre wenigen Ansagen so leise und verhuscht, dass man sie teilweise kaum versteht. So erzählt sie, dass „Begierde und Scham“ ihr erster Song überhaupt gewesen sei und das Songwriting der Band maßgeblich geprägt habe. Zu „Im Strom“ weist sie außerdem auf das Video hin, das unter Mitwirkung der Wiener Drag-Künstlerin Bloodsugar entstanden ist. Und tatsächlich: Das Video ist absolut sehenswert (siehe unten). Es fängt die Orientierungslosigkeit und das Getriebensein des Songs ziemlich genau ein. Ihr letzter Song an diesem Abend ist „Kapute Speaker“, einer der intensivsten Songs auf des-Album smogstar. „Wir hören das Rauschen /der kaputten Speaker“ –irgendwie ein passender Abschluss für diesen Abend.
Zum Schluss wird es poppig
Als Zugabe gibt es mit „Twenty, Eigthy“ noch einen lärmigen, launigen Eindruck vom Tourleben. Danach packt die Band tatsächlich noch einen echten Popsong aus. Ihre Coverversion von „Overload“ von den Sugababes macht in der Culk-Version noch einmal ordentlich Druck und Spaß. Und plötzlich funktioniert sogar der Gassenhauer.
Der Abend im ZAKK ist damit ein schönes Double-Feature der Wiener Szene. Und er zeigt einmal mehr, dass Österreichs Hauptstadt jenseits von Bilderbuch und Voodoo Jürgens eine ziemlich lebendige Underground-Szene zu bieten hat. Panik Deluxe bringen ihren elektro-nachtaktiven Sound und eine eigenwillige, tanzbare Melancholie mit. Culk setzen mit ihrem Noise-Rock und der melancholisch gelangweilten Stimme von Sophie Löw noch eine deutlich düsterere Ebene drauf.
Nicht ganz überzeugt
Trotzdem sind wir am Ende nicht alle überzeugt. Urs und Klaus erzählen, wie sie Culk im Jahr zuvor im Bumann & Sohn geradezu abgefeiert haben. Vor allem Klaus ist von der Vorstellung im ZAKK sichtlich enttäuscht. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Sophias unverwechselbare Stimme bekommt an diesem Abend tatsächlich nicht immer den Raum, den sie braucht, um richtig zu wirken. Schlagzeuger Benjamin Steiger und vor allem Gitarrist Johannes Blindhofer halten dagegen und liefern mit ihrem energetischen, noisigen Spiel genau das, was man von Culk erwarten darf. Und was ich so liebe. Oder, wie Klaus es formuliert: Ich bin ja grundsätzlich zu unkritisch.




