,

Emma Ruth Rundle

ca. 3 Minu­ten

Emma Ruth Rundle ist in Los Ange­les auf­ge­wach­sen und war zunächst in Bands wie Noc­turnes, Red Spa­rowes und Mar­ria­ges aktiv, bevor sie sich zuneh­mend auf ihre Solo­kar­riere kon­zen­trierte. Zwi­schen Folk, Ambi­ent, Post-Rock und schwe­rem Metal ent­wi­ckelte sie dabei einen eige­nen, unver­kenn­bar düs­te­ren Sound. Mit Alben wie ​„Some Heavy Ocean“, ​„Marked For Death“ und ​„On Dark Hor­ses“ wurde Rundle zu einer wich­ti­gen Stimme des atmo­sphä­ri­schen Heavy Rock. Enge Ver­bin­dun­gen gibt es dabei auch zu Chel­sea Wolfe, mit der sie bereits mehr­fach musi­ka­lisch zusam­men­ar­bei­tete. 2021 ver­öf­fent­lich­ten die bei­den die gemein­same Sin­gle ​„Anhe­do­nia“, Rundle steu­erte Gesang und Gitarre bei. Auch mit Thou arbei­tete sie für das gemein­same Album ​„May Our Cham­bers Be Full“ zusammen. 

Emma Ruth Rundle, These Killing Times

Emma Ruth Rundle

These Killing Times

Ver­öf­fent­licht: 18. Sep­tem­ber 2026 
Label: Errant Child /​Cargo

„You turn your eyes up /​Stringing his teeth
To weave a tapestry from our blood, /​A document of his greed –
In these: his killing times“

Text­aus­schnitt aus ​„Enough“

Auf ihrem letz­ten Album ​„Engine of Hell“, mini­ma­lis­tisch ange­legt mit Kla­vier und dun­kel ange­schla­ge­ner Akus­tik­gi­tarre, ver­ein­zelt auch Kam­mer­strei­chern, öff­nete sich Emma Ruth Rundle mit einem extrem inti­men und per­sön­li­chen Bekennt­nis. Eine ver­stö­rend-schöne Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst. Mit ihrem neuen Album ​„These Kil­ling Times“ macht sie nun vie­les anders. Sie setzt wie­der auf ein grö­ße­res Band­for­mat. Ganz so, als hätte sie genug davon, allein im Dun­keln zu sitzen.

Wieder im Bandformat

Schlag­zeu­ge­rin Jess Gowrie (Chel­sea Wolfe), Gitar­ris­tin Gina Glea­son (Baro­ness), Mul­ti­in­stru­men­ta­lis­tin Marissa Nad­ler und Gitar­rist Nick Rein­hart (Tera Melos) hat sich die düs­tere Song­wri­te­rin als Ver­stär­kung geholt. Und der Titel des Albums ist Pro­gramm. Zu wuch­ti­gen Gitar­ren­wän­den und unter­schwel­lig bedroh­li­chen Elek­tro­sounds ver­ar­bei­tet sie gesell­schaft­li­che The­men wie Faschis­mus, poli­ti­sche Miss­stände und Miso­gy­nie – auf­wüh­lend und wütend. Gleich­zei­tig beschwört sie Liebe und den Zusam­men­halt in der Gemein­schaft als Form des Wider­stands gegen die Dun­kel­heit.
Das klingt stel­len­weise gera­dezu gewal­tig: Ver­zerrte Gitar­ren, Schlag­zeug, Piano, elek­tro­ni­sche Sounds, Strei­cher, Blä­ser und Chöre pral­len auf­ein­an­der. Doom und Post-Metal klin­gen an, aber bei aller Härte gibt es immer wie­der ruhige, sanf­tere Momente.

Macht kaputt, was euch kaputt macht

Der Ope­ner ​„Power­less“ skiz­ziert die Aus­rich­tung des gesam­ten Albums. Rundle singt vom Ham­mer, der zer­stört, aber eben auch von dem, mit dem sich etwas Neues bauen lässt. Erst ein­mal ordent­lich auf alles drauf­hauen – und anschlie­ßend schauen, ob sich dar­aus viel­leicht doch noch etwas machen lässt.
Damit ist ​„These Kil­ling Times“ poli­ti­scher als vie­les, was Rundle bis­her gemacht hat. Patri­ar­chat, Kapi­ta­lis­mus, reli­giö­ser Ein­fluss, soziale Iso­la­tion und die ziem­lich ver­rückte Gegen­wart, in der wir gerade leben, sind keine bloße Hin­ter­grund­ku­lisse. Die Wut rich­tet sich nach außen. Und das ist ein ent­schei­den­der Unter­schied zu Engine of Hell, das viel stär­ker nach Selbst­be­fra­gung und Rück­zug klang.
Inter­es­sant ist dabei, dass Rundle nicht ein­fach nur den nächs­ten düs­te­ren Sound­track zur Apo­ka­lypse lie­fert. Sie inter­es­siert sich wie­der für Gemein­schaft. Für die Mög­lich­keit, dass Men­schen gemein­sam viel­leicht doch etwas gegen den gan­zen Mist aus­rich­ten kön­nen. Und es ist ein­fach groß­ar­tig, was sie dar­aus macht.

Wenn die Gitarren kommen

Musi­ka­lisch bleibt sie dabei ein­deu­tig Emma Ruth Rundle. Die Songs wäl­zen sich durch schwere Gitar­ren­wände, Doom, Post-Rock und Ambi­ent, las­sen aber immer wie­der Luft zwi­schen den ein­zel­nen Schich­ten.
​„God’s Pic­ture“ ist dafür ein schö­nes Bei­spiel. Der Song star­tet bei­nahe zer­brech­lich mit gezupf­ter Gitarre und plät­schern­dem Piano. Aus weni­gen, spar­sa­men Klang­far­ben wächst gegen Ende etwas Monu­men­ta­les. ​„Anvil“ geht deut­lich wuch­ti­ger zu Werke, wäh­rend ​„Enough“ seine Ruhe irgend­wann ver­liert und in Lärm und Dis­so­nanz aus­ein­an­der­zu­fal­len scheint.
Und dann kommt ​„Human Kind­ness“. Ein acht­ein­halb Minu­ten lan­ges Mons­ter, das sich irgendwo zwi­schen Doom, Ambi­ent und Post-Rock bewegt. Die Gitar­ren drü­cken schwer nach unten, Rund­les Stimme hängt dar­über wie ein letz­ter Licht­strei­fen. Die Bot­schaft: Wenn schon alles den Bach run­ter­geht, bleibt viel­leicht immer noch die Mög­lich­keit, sich nicht kom­plett zum Arsch­loch machen zu lassen.

Dunkelheit mit Hoffnung

Natür­lich ist ​„These Kil­ling Times“ kein beson­ders gemüt­li­ches Album. Aber eines, das neben all dem Zorn etwas bewahrt: den Gedan­ken, dass sich auch in beschis­se­nen Zei­ten noch etwas Posi­ti­ves ent­wi­ckeln lässt. Gemein­sam. ​„Oce­ans Of Time“ macht das am Ende noch ein­mal beson­ders deut­lich. Nach all dem Lärm wird es plötz­lich bei­nahe andäch­tig. Eine zweite Stimme taucht auf, der Song wirkt für einen Moment wie ein Gebet, bevor er sich wie­der ver­ab­schie­det. Könnte kit­schig wer­den. Tut es aber nicht.