Emma Ruth Rundle ist in Los Angeles aufgewachsen und war zunächst in Bands wie Nocturnes, Red Sparowes und Marriages aktiv, bevor sie sich zunehmend auf ihre Solokarriere konzentrierte. Zwischen Folk, Ambient, Post-Rock und schwerem Metal entwickelte sie dabei einen eigenen, unverkennbar düsteren Sound. Mit Alben wie „Some Heavy Ocean“, „Marked For Death“ und „On Dark Horses“ wurde Rundle zu einer wichtigen Stimme des atmosphärischen Heavy Rock. Enge Verbindungen gibt es dabei auch zu Chelsea Wolfe, mit der sie bereits mehrfach musikalisch zusammenarbeitete. 2021 veröffentlichten die beiden die gemeinsame Single „Anhedonia“, Rundle steuerte Gesang und Gitarre bei. Auch mit Thou arbeitete sie für das gemeinsame Album „May Our Chambers Be Full“ zusammen.

Emma Ruth Rundle
These Killing Times
Veröffentlicht: 18. September 2026
Label: Errant Child /Cargo
Textausschnitt aus „Enough“„You turn your eyes up /Stringing his teeth
To weave a tapestry from our blood, /A document of his greed –
In these: his killing times“
Auf ihrem letzten Album „Engine of Hell“, minimalistisch angelegt mit Klavier und dunkel angeschlagener Akustikgitarre, vereinzelt auch Kammerstreichern, öffnete sich Emma Ruth Rundle mit einem extrem intimen und persönlichen Bekenntnis. Eine verstörend-schöne Auseinandersetzung mit sich selbst. Mit ihrem neuen Album „These Killing Times“ macht sie nun vieles anders. Sie setzt wieder auf ein größeres Bandformat. Ganz so, als hätte sie genug davon, allein im Dunkeln zu sitzen.
Wieder im Bandformat
Schlagzeugerin Jess Gowrie (Chelsea Wolfe), Gitarristin Gina Gleason (Baroness), Multiinstrumentalistin Marissa Nadler und Gitarrist Nick Reinhart (Tera Melos) hat sich die düstere Songwriterin als Verstärkung geholt. Und der Titel des Albums ist Programm. Zu wuchtigen Gitarrenwänden und unterschwellig bedrohlichen Elektrosounds verarbeitet sie gesellschaftliche Themen wie Faschismus, politische Missstände und Misogynie – aufwühlend und wütend. Gleichzeitig beschwört sie Liebe und den Zusammenhalt in der Gemeinschaft als Form des Widerstands gegen die Dunkelheit.
Das klingt stellenweise geradezu gewaltig: Verzerrte Gitarren, Schlagzeug, Piano, elektronische Sounds, Streicher, Bläser und Chöre prallen aufeinander. Doom und Post-Metal klingen an, aber bei aller Härte gibt es immer wieder ruhige, sanftere Momente.
Macht kaputt, was euch kaputt macht
Der Opener „Powerless“ skizziert die Ausrichtung des gesamten Albums. Rundle singt vom Hammer, der zerstört, aber eben auch von dem, mit dem sich etwas Neues bauen lässt. Erst einmal ordentlich auf alles draufhauen – und anschließend schauen, ob sich daraus vielleicht doch noch etwas machen lässt.
Damit ist „These Killing Times“ politischer als vieles, was Rundle bisher gemacht hat. Patriarchat, Kapitalismus, religiöser Einfluss, soziale Isolation und die ziemlich verrückte Gegenwart, in der wir gerade leben, sind keine bloße Hintergrundkulisse. Die Wut richtet sich nach außen. Und das ist ein entscheidender Unterschied zu Engine of Hell, das viel stärker nach Selbstbefragung und Rückzug klang.
Interessant ist dabei, dass Rundle nicht einfach nur den nächsten düsteren Soundtrack zur Apokalypse liefert. Sie interessiert sich wieder für Gemeinschaft. Für die Möglichkeit, dass Menschen gemeinsam vielleicht doch etwas gegen den ganzen Mist ausrichten können. Und es ist einfach großartig, was sie daraus macht.
Wenn die Gitarren kommen
Musikalisch bleibt sie dabei eindeutig Emma Ruth Rundle. Die Songs wälzen sich durch schwere Gitarrenwände, Doom, Post-Rock und Ambient, lassen aber immer wieder Luft zwischen den einzelnen Schichten.
„God’s Picture“ ist dafür ein schönes Beispiel. Der Song startet beinahe zerbrechlich mit gezupfter Gitarre und plätscherndem Piano. Aus wenigen, sparsamen Klangfarben wächst gegen Ende etwas Monumentales. „Anvil“ geht deutlich wuchtiger zu Werke, während „Enough“ seine Ruhe irgendwann verliert und in Lärm und Dissonanz auseinanderzufallen scheint.
Und dann kommt „Human Kindness“. Ein achteinhalb Minuten langes Monster, das sich irgendwo zwischen Doom, Ambient und Post-Rock bewegt. Die Gitarren drücken schwer nach unten, Rundles Stimme hängt darüber wie ein letzter Lichtstreifen. Die Botschaft: Wenn schon alles den Bach runtergeht, bleibt vielleicht immer noch die Möglichkeit, sich nicht komplett zum Arschloch machen zu lassen.
Dunkelheit mit Hoffnung
Natürlich ist „These Killing Times“ kein besonders gemütliches Album. Aber eines, das neben all dem Zorn etwas bewahrt: den Gedanken, dass sich auch in beschissenen Zeiten noch etwas Positives entwickeln lässt. Gemeinsam. „Oceans Of Time“ macht das am Ende noch einmal besonders deutlich. Nach all dem Lärm wird es plötzlich beinahe andächtig. Eine zweite Stimme taucht auf, der Song wirkt für einen Moment wie ein Gebet, bevor er sich wieder verabschiedet. Könnte kitschig werden. Tut es aber nicht.

