Escape-Ism

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Der ame­ri­ka­ni­sche Autor, Fil­me­ma­cher und Musi­ker Ian Folke Sve­non­ius hat sich mit zahl­rei­chen weg­wei­sen­den Bands aus Washing­ton, D.C. – dar­un­ter Nation of Ulys­ses, The Make-Up, Weird War, XYZ, Too Much und Chain & the Gang – einen Namen gemacht. Allen sei­nen Pro­jek­ten gemein­sam ist eine iro­ni­sche, radi­kal-linke poli­ti­sche Ideo­lo­gie. Sein neu­es­ter Wurf ist das Minimal-Rock’n’Roll-Duo Escape-Ism. Mit Stimme, Beatma­schine, E‑Gitarre sowie Bas­sis­tin und Key­boar­de­rin Sandi Den­ton, die auch Teil der Shoe­gaze-Kapelle Tas­haki Miyaki ist, lädt das Duo zu einem ein­zig­ar­ti­gen Minimal-Rock’n’Roll-Erlebnis ein.

Escape-ism, Charge of the Love Brigade

Escape-Ism

Charge of the Love Brigade

Ver­öf­fent­licht: 07.03 2025
Label: Radi­cal Elite

They had everything
Beautiful garden and an art collection
Many live their lives so exclusively
But when the fire came
They were just like you and me
It didn’t matter who you knew

Text­aus­schnitt aus Fire in Malibu“

2024 ver­öf­fent­lichte der Kult-Pro­vo­ka­teur und musi­ka­li­sche Grenz­gän­ger Ian Sve­non­ius alias Escape-Ism die wohl radi­kalste Rock’n’Roll-Protestplatte aller Zei­ten: The Silent Record“ – jeder der acht Tracks, einer von ihnen län­ger als zehn Minu­ten, ent­hält nichts als Stille. Ein stum­mer Pro­test gegen den Klang. Wie der Musi­ker anmerkt: Dreh auf 10. Ersti­cke den Klang mit Stille. Zer­störe die Musik, um neu zu begin­nen.“ Nach die­sem State­ment könnte man mei­nen, es sei die letzte Ver­öf­fent­li­chung des Rock n’ Roll-Rebel­len. Dem ist – Gott sei Dank – nicht so. Mit Charge of the Love Bri­gade“ kehrt der Kult-Pro­vo­ka­teur mit zehn Tracks zurück, die so funky, dre­ckig und hyp­no­tisch, gleich­zei­tig aber so redu­ziert und tro­cken sind, dass sie sich wie die klang­li­che Zuspit­zung des Under­ground-Rock anfühlen.

Demonstrierter Rock’n’Roll

Von der ers­ten Sekunde an steckt Charge of the Love Bri­gade“ vol­ler Cha­risma und Atti­tüde. Der Ope­ner Rebel Out­law“ gibt gleich die Rich­tung des Albums an: Down­tempo, Rocka­billy-Vibes, tro­cke­ner Beat aus der Beatma­chine und Sve­non­ius’ las­zi­ves, halb gesun­ge­nes, halb geflüs­ter­tes Tim­bre machen das Album so fas­zi­nie­rend und ein­zig­ar­tig. Sve­non­ius gibt dabei den Rebel­len – sou­ve­rän, cool und mit einer kräf­ti­gen Por­tion Iro­nie gegen­über der Rock-Maschine. Some peo­ple put some­thing in their arms, others put some­thing in their nose” – doch wenn Sve­non­ius einen Kick sucht, setzt er ganz auf Black Gold“ – eine sati­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Fetisch Auto. Last of The Sell­outs“ wie­derum seziert humor­voll und scharf­zün­gig die Ver­wer­tungs­lo­gik der Musik­in­dus­trie: I was the last one to sell out … Ever­yone says, come on, man. They say times are a‑changin’. They say, come on, tell yours­elf your price …“ – auch so ein Song, der nicht mehr als einen mini­ma­lis­ti­schen Beat und eine ein­same Gitar­ren­note braucht. Diese radi­kale Reduk­tion erin­nert gele­gent­lich an das ame­ri­ka­ni­sche Duo Sui­cide, das mit ähn­lich spär­li­cher Instru­men­tie­rung größte Wir­kung erreichte. Beglei­tet von Sandi Den­ton am Bass und ihren gele­gent­li­chen Back­ing Vocals, redu­ziert sich die Musik auf das Wesent­li­che: ein Beat, eine Stimme, ein Hauch von Ver­zer­rung. Rock’N’Roll Man“ etwa klingt wie eine Hom­mage an The Vel­vet Under­ground, und If You Feel Like Rockin’“ braucht nicht viel mehr als ein Knei­p­en­kla­vier und einen trei­ben­den Beat, um zu rocken.

Minimale Mittel mit maximaler Wirkung

Ein unbe­streit­ba­res High­light ist Fire in Malibu“. Die Brände in Kali­for­nien wer­den zur Meta­pher für den flam­men­den Unter­gang des Reich­tums: Beau­tiful gar­den and an art coll­ec­tion /​But when the fire came /​They were just like you and me /​It did­n’t mat­ter who you knew …“. Mit sei­nem mono­to­nen Sprech­ge­sang wird der Song zu einem ver­stö­rend schö­nen Hör­erleb­nis und einem wasch­ech­ten Hit. Charge of the Love Bri­gade“ ist humor­voll, läs­sig, rebel­lisch und unge­mein sexy. Es besticht durch sei­nen rohen, unge­schlif­fe­nen US-Rock, den hyp­no­ti­schen Sound und nicht zuletzt durch die cha­ris­ma­ti­sche Stimme von Svenonius.