Der amerikanische Autor, Filmemacher und Musiker Ian Folke Svenonius hat sich mit zahlreichen wegweisenden Bands aus Washington, D.C. – darunter Nation of Ulysses, The Make-Up, Weird War, XYZ, Too Much und Chain & the Gang – einen Namen gemacht. Allen seinen Projekten gemeinsam ist eine ironische, radikal-linke politische Ideologie. Sein neuester Wurf ist das Minimal-Rock’n’Roll-Duo Escape-Ism. Mit Stimme, Beatmaschine, E‑Gitarre sowie Bassistin und Keyboarderin Sandi Denton, die auch Teil der Shoegaze-Kapelle Tashaki Miyaki ist, lädt das Duo zu einem einzigartigen Minimal-Rock’n’Roll-Erlebnis ein.
They had everything
Textausschnitt aus „Fire in Malibu“
Beautiful garden and an art collection
Many live their lives so exclusively
But when the fire came
They were just like you and me
It didn’t matter who you knew
2024 veröffentlichte der Kult-Provokateur und musikalische Grenzgänger Ian Svenonius alias Escape-Ism die wohl radikalste Rock’n’Roll-Protestplatte aller Zeiten: „The Silent Record“ – jeder der acht Tracks, einer von ihnen länger als zehn Minuten, enthält nichts als Stille. Ein stummer Protest gegen den Klang. Wie der Musiker anmerkt: „Dreh auf 10. Ersticke den Klang mit Stille. Zerstöre die Musik, um neu zu beginnen.“ Nach diesem Statement könnte man meinen, es sei die letzte Veröffentlichung des Rock ’n’ Roll-Rebellen. Dem ist – Gott sei Dank – nicht so. Mit „Charge of the Love Brigade“ kehrt der Kult-Provokateur mit zehn Tracks zurück, die so funky, dreckig und hypnotisch, gleichzeitig aber so reduziert und trocken sind, dass sie sich wie die klangliche Zuspitzung des Underground-Rock anfühlen.
Demonstrierter Rock’n’Roll
Von der ersten Sekunde an steckt „Charge of the Love Brigade“ voller Charisma und Attitüde. Der Opener „Rebel Outlaw“ gibt gleich die Richtung des Albums an: Downtempo, Rockabilly-Vibes, trockener Beat aus der Beatmachine und Svenonius’ laszives, halb gesungenes, halb geflüstertes Timbre machen das Album so faszinierend und einzigartig. Svenonius gibt dabei den Rebellen – souverän, cool und mit einer kräftigen Portion Ironie gegenüber der Rock-Maschine. „Some people put something in their arms, others put something in their nose” – doch wenn Svenonius einen Kick sucht, setzt er ganz auf „Black Gold“ – eine satirische Auseinandersetzung mit dem Fetisch Auto. „Last of The Sellouts“ wiederum seziert humorvoll und scharfzüngig die Verwertungslogik der Musikindustrie: „I was the last one to sell out … Everyone says, come on, man. They say times are a‑changin’. They say, come on, tell yourself your price …“ – auch so ein Song, der nicht mehr als einen minimalistischen Beat und eine einsame Gitarrennote braucht. Diese radikale Reduktion erinnert gelegentlich an das amerikanische Duo Suicide, das mit ähnlich spärlicher Instrumentierung größte Wirkung erreichte. Begleitet von Sandi Denton am Bass und ihren gelegentlichen Backing Vocals, reduziert sich die Musik auf das Wesentliche: ein Beat, eine Stimme, ein Hauch von Verzerrung. „Rock’N’Roll Man“ etwa klingt wie eine Hommage an The Velvet Underground, und „If You Feel Like Rockin’“ braucht nicht viel mehr als ein Kneipenklavier und einen treibenden Beat, um zu rocken.
Minimale Mittel mit maximaler Wirkung
Ein unbestreitbares Highlight ist „Fire in Malibu“. Die Brände in Kalifornien werden zur Metapher für den flammenden Untergang des Reichtums: „Beautiful garden and an art collection /But when the fire came /They were just like you and me /It didn’t matter who you knew …“. Mit seinem monotonen Sprechgesang wird der Song zu einem verstörend schönen Hörerlebnis und einem waschechten Hit. „Charge of the Love Brigade“ ist humorvoll, lässig, rebellisch und ungemein sexy. Es besticht durch seinen rohen, ungeschliffenen US-Rock, den hypnotischen Sound und nicht zuletzt durch die charismatische Stimme von Svenonius.