Fünf Freunde.
John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly
3. Oktober 2025 – 11. Januar 2026
Museum Ludwig, Köln
Die Ausstellung „Fünf Freunde“ im Kölner Museum Ludwig erzählt keine Geschichte einzelner Genies, sondern eine der Nähe. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Cy Twombly verband nicht nur eine künstlerische Vision, sondern ein gemeinsames Leben jenseits gesellschaftlicher Normen. In einer Zeit, in der Homosexualität tabuisiert oder kriminalisiert wurde, entwickelten sie Lebens- und Arbeitsformen, in denen Freiheit nicht deklariert, sondern praktiziert wurde. Queerness erscheint hier nicht als politisches Statement, sondern als ästhetische Haltung: offen, anti-hierarchisch, dem Zufall und der Ambivalenz verpflichtet.
Stille, Klang und das Weiß der Leinwand
Symbolisch verdichtet sich diese Haltung in John Cages berühmter Komposition „4′33″“ (1952). Vier Minuten und dreiunddreißig Sekunden ohne notierten Ton verlagern die Aufmerksamkeit auf das, was sonst überhört wird: Husten, Rascheln, entfernter Straßenlärm. Stille wird nicht als Leere verstanden, sondern als Resonanzraum. Was Cage im Klang vollzieht, findet sein visuelles Gegenstück in der Kunst seiner Freunde. Die weißen Leinwände von Rauschenberg, Johns oder Twombly sind keine neutralen Flächen, sondern offene Felder. Besonders Rauschenbergs „White Paintings“ reagieren unmittelbar auf Cages Denken: Sie reflektieren Licht, Schatten und Bewegung und werden selbst zu Ereignissen. Cage nannte sie einmal „Flughäfen für Lichter, Schatten und Partikel“ – ein treffendes Bild für diese gegenseitige Durchdringung von Klang und Bild.
Ein Netzwerk aus Beziehungen
Diese Verzahnung bestimmt auch den Aufbau der Ausstellung. Statt die Künstler einzeln zu präsentieren, stellt „Fünf Freunde“ ihr kreatives Netzwerk in den Mittelpunkt. Partituren, Malereien, Bühnenbilder, Fotografien und Archivmaterialien treten in einen Dialog und machen sichtbar, wie sehr Musik, Tanz und Bildende Kunst hier voneinander geprägt sind. Scores von John Cage stehen gleichberechtigt neben Werken von Jasper Johns, Bühnenbilder von Rauschenberg neben Tanzdokumentationen von Merce Cunningham. Die Ausstellung entfaltet so ein soziales und ästhetisches Panorama, in dem Ideen zirkulieren und sich gegenseitig verstärken.
Queere Moderne als Kontinuität
„Fünf Freunde“ zeigt die Moderne nicht als Abfolge von Stilen, sondern als Beziehungsgeflecht – zwischen Klang und Farbe, Körper und Raum, Begehren und Form. Diese Perspektive verbindet die Kölner Schau mit der Düsseldorfer Ausstellung „Queere Moderne. 1900–1950“. Dort wird deutlich, dass die Freiheit der Nachkriegsavantgarde keine plötzliche Erfindung war, sondern auf einer queeren Vorgeschichte beruht. Was zuvor aus Vorsicht Andeutung und Fragment blieb, konnte nach 1950 zu Offenheit und Resonanz werden. Zwischen Düsseldorf und Köln spannt sich so ein Bogen, der die Moderne neu lesbar macht: als Geschichte von Nähe, Austausch – und gelebter Freiheit.

