Erst verhaltenes Nicken dann Eskalation

ca. 2 Minu­ten

Iguana Death Cult
9. Mai 2026 • Bumann & Sohn, Köln

Es gibt diese Kon­zert­abende, bei denen schon vor dem ers­ten Ton klar ist, dass man am rich­ti­gen Ort ist. Für mich ist das Bumann & Sohn in Köln so ein Ort. Einer mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­clubs – klein, nah­bar und immer wie­der Garant für span­nende Ent­de­ckun­gen abseits des Main­streams. Ges­tern Abend hat­ten sich dort die Rot­ter­da­mer Post-Punks von Iguana Death Cult ange­kün­digt, um ihr aktu­el­les Album Guns Out“ vor­zu­stel­len. Den Auf­takt über­nahm die Köl­ner Punk­band Stranded.

Keine Zeit für Höflichkeiten

Stran­ded mach­ten von Beginn an klar, dass sie nicht gekom­men waren, um sich lange vor­zu­stel­len. Zum ers­ten Song betra­ten ledig­lich Drum­mer Maar­ten, Bas­sist Sven und Gitar­rist Franky die Bühne. Sän­ger Rapha ließ sich noch einen Moment Zeit und kom­plet­tierte das Quar­tett erst nach dem Auf­takt. Was folgte, war ein halb­stün­di­ger Par­force­ritt durch schnel­len, rohen Punk­rock. Laut, direkt und ange­nehm unge­schlif­fen drosch die Band gefühlt zwan­zig Songs durch ihr 30 minü­ti­ges Set. Große Ansa­gen oder lange Pau­sen? Fehl­an­zeige. Stran­ded kon­zen­trier­ten sich auf das Wesent­li­che: Tempo, Ener­gie und kurze, prä­gnante Songs. Zum Abschluss gab es noch eine kleine Neu­ig­keit für alle Anwe­sen­den: Mit Still“ kün­digte die Band ihr ers­tes Full-Length-Album an. 

Ein Post-Punk-Funk-Fusion-Fest 

Anschlie­ßend gehörte die Bühne Iguana Death Cult. Das Quin­tett eröff­nete seine Show mit Laza­rus“ vom aktu­el­len Album Guns Out“. Über­haupt bil­de­ten die neuen Songs das Rück­grat des Sets. Swin­ging At Ghosts“ und der Titel­song Guns Out“ folg­ten früh und zeig­ten, wie sou­ve­rän die Nie­der­län­der ihre Mischung aus Punk, Garage Rock und schrä­gem Post-Punk mitt­ler­weile beherr­schen. Doch auch ältere Stü­cke fehl­ten nicht. Meat Mar­ket“ sorgte für die ers­ten lau­te­ren Reak­tio­nen aus dem Publi­kum. Zunächst blieb die Stim­mung aller­dings noch etwas ver­hal­ten. Viele nick­ten mit, einige pogte ver­hal­ten vor der Bühne. Der Wen­de­punkt kam in dem Moment, als Front­mann Jeroen Reek die Distanz zwi­schen Band und Publi­kum kur­zer­hand auf­hob. Nach­dem er zwi­schen­zeit­lich sogar zur Zug­po­saune gegrif­fen hatte, sprang er mit­ten in die Menge und lud zum kol­lek­ti­ven Pogo ein. Spä­tes­tens jetzt gab es kein Hal­ten mehr.

Pogo mit Geburtstagsgrüße

Nach I Like It, It’s Nice“ wurde es kurz fami­liär: Bas­sist Sam Pols hatte Geburts­tag. Also stimmte das Publi­kum ein Geburts­tags­lied an – dazu ein Schnaps von der Bar. Die Pause zur Gra­tu­la­tion wirkte jedoch eher wie ein zusätz­li­cher Ener­gie­schub. Mit Supreme Lea­der“ nahm die Show end­gül­tig Fahrt auf. Die Band spielte sich zuneh­mend in einen Rausch, wäh­rend vor der Bühne gepogt, getanzt und gescho­ben wurde. Beson­ders bemer­kens­wert war dabei, wie viel Bewe­gung auf der klei­nen Bühne des Bumann & Sohn über­haupt mög­lich ist. Gegen Ende erhielt Jimmy de Kok an Syn­the­si­zer und Per­cus­sion sogar zusätz­li­che Unterstützung.

Kein Nachschlag nötig

Den Abschluss bil­dete ein wüs­ter, rasen­der Punk­ro­cker, bei dem sowohl auf der Bühne als auch im Publi­kum bei­nahe tumult­ar­tige Zustände herrsch­ten. Danach war eigent­lich alles vor­be­rei­tet für die obli­ga­to­ri­sche Zugabe. Doch die blieb aus. Statt­des­sen ver­schwand Jeroen Reek nicht hin­ter die Bühne, son­dern direkt zum Merch-Stand. Nach einer Show, die sich über weite Stre­cken wie eine ein­zige gemein­same Party ange­fühlt hatte, wirkte das nur kon­se­quent. Manch­mal braucht es eben kei­nen Nach­schlag –man mit fährt trotz­dem mit einem brei­ten Grin­sen nach Hause.