KI mischt die Musikwelt längst nicht mehr nur im Hintergrund auf – sie schreibt, komponiert und performt inzwischen so überzeugend, dass selbst geübte Ohren ins Straucheln geraten. Eine neue Ipsos-Studie im Auftrag von Deezer zeigt nun, wie radikal sich unser Hörgefühl verändert hat.
In einer groß angelegten Studie mit 9.000 Teilnehmenden aus acht Ländern – darunter Deutschland, USA, Großbritannien und Frankreich – ließ Deezer durch Ipsos drei kurze Musikclips pro Person abspielen: zwei komplett von einer KI erzeugt, einer von Menschen komponiert. Das verblüffende Ergebnis: 97 % der Hörer*innen konnten nicht unterscheiden, welche Stücke künstlich und welche menschlich waren.
Gefühlskarussell bei den Teilnehmenden
Nicht nur ihre Fehler überraschten die Leute – auch emotional reagierten sie stark: 71 % waren erstaunt über ihr eigenes Versagen, ganze 52 % fühlten sich sogar unwohl, weil sie den Unterschied nicht wahrnehmen konnten. Trotz der Verwirrung ist das Interesse an KI-Musik groß: 66 % der aktiven Streaming-Nutzer*innen sagten, sie würden solch einen KI-Song zumindest einmal anhören – einfach aus Neugier. Gleichzeitig hegen aber 51 % die Sorge, dass KI bald mehr „billige, generische“ Songs produziert und 64 % befürchten einen Verlust an Kreativität. Nur 19 % der Befragten sagten, sie würden der KI grundsätzlich vertrauen.
Transparenz ist Trumpf
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: 80 % der Befragten fordern, dass vollständig KI-generierte Musik klar gekennzeichnet wird. Unter den Streaming-Nutzer*innen wünscht sich 73 %, dass ihre Plattform offenlegt, ob Songs, die ihnen empfohlen werden, künstlich erstellt wurden. Zudem glauben 52 %, dass KI-Songs nicht in denselben Charts stehen sollten wie menschlich gemachte. Kritisch sehen viele auch die Herkunft der Trainingsdaten für die KI: 73 % halten es für unethisch, wenn KI-Firmen urheberrechtlich geschützte Musik ohne Zustimmung der ursprünglichen Künstler verwenden. 65 %möchten, dass solche KI-Musik weniger Tantiemen einbringt als Songs von echten Musiker*innen, und 70 % befürchten, dass die Existenz von KI-Musik die Lebensgrundlage für kreative Köpfe gefährdet.
Warum überhaupt jetzt?
Deezer berichtet, dass derzeit rund 50.000 voll KI-generierte Tracks pro Tag auf die Plattform hochgeladen werden – das macht in etwa ein Drittel aller täglichen Uploads aus. Das Thema ist also längst kein Nischenphänomen, sondern eine reale Herausforderung für die Musikindustrie. Als Reaktion will Deezer KI-Songs explizit kennzeichnet, um für Transparenz zu sorgen. Außerdem sollen solche Tracks nicht mehr in redaktionelle Playlists aufgenommen und nicht algorithmisch in Empfehlungen befördert werden – zumindest nach eigenem Bekunden.
Wunsch nach Transparenz.
Die Studie ist ein deutliches Signal: KI-Musik ist mittlerweile so ausgereift, dass das menschliche Ohr sie kaum noch von „richtiger“ Musik unterscheiden kann. Gleichzeitig zeigt sich eine breite Nachfrage nach Transparenz und fairer Vergütung – ein Appell an Streaming-Anbieter*innen und die Branche insgesamt, die Balance zwischen Innovation und Fairness zu finden.
Quelle: Deezer Newsroom

