Mandy, Indiana sind ein internationales Quartett, das 2018 gegründet wurde und in Manchester und Berlin beheimatet ist und vermischt Industrial, Noise-Rock und Techno zu einer dichten Klangkulisse. Die Band besteht aus der französischen Sängerin und Songwriterin Valentine Caulfield sowie Gitarrist und Produzent Scott Fair, Schlagzeuger Alex Macdougall und Keyboarder Simon Catling. Ihr Sound verbindet rohe Industrial-Texturen, Noise-Ästhetik und fragmentierten Pop zu einer eigenwilligen, oft körperlich spürbaren Klangsprache. Auffällig ist vor allem Caulfields Gesang, der überwiegend auf Französisch bleibt und weniger als klassisches Erzählinstrument funktioniert, sondern als rhythmisches und emotionales Element. Seit ihren ersten Veröffentlichungen hat sich die Band den Ruf erarbeitet, Konventionen bewusst zu unterlaufen – sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Ihr Sound bewegt sich zwischen Club, Kunstinstallation und politischem Statement.
Big pharma I cop when the stock dip
Textauszug aus „Sicko!”
Buy the farm before you even get sick, sick, sick
Mit „URGH“ legen Mandy, Indiana ein absolut kompromissloses Album vor. „URGH“ drückt im Englischen Ekel, Abneigung oder starken Ärger aus – ein lautmalerischer Ausruf, der das Geräusch des Würgens imitiert. Und genau dort setzt diese Musik an: „URGH“ ist sicher kein Wohlfühlalbum, sondern eines, das sich bewusst jeder komfortablen Einordnung entzieht. Eines, das drückt, schabt und gelegentlich auch nervt.
Entstanden unter Hochspannung
Aufgenommen zwischen Leeds, Berlin und Manchester, entstand das Album unter extremen Bedingungen. Sängerin Valentine Caulfield und Schlagzeuger Alex Macdougall kämpften während der Arbeiten mit schweren gesundheitlichen Problemen. Statt den Prozess zu lähmen, verdichtete diese Erfahrung den Sound: industriell, analog, gnadenlos. Beats bleiben oft verborgen, Spannungen werden nicht aufgelöst, sondern ausgehalten. Gitarrist Scott Fair produzierte das Album gemeinsam mit Daniel Fox von der Gilla Band – und sie lassen es klingen, als wäre es unter maximalem Druck gepresst.
Stimme als Instrument und Waffe
Caulfields Stimme flüstert, attackiert, beschwört und wütet – meist auf Französisch, aber stets als klangliches Störsignal. Sie verhandelt persönliche Traumata ebenso wie strukturelle Gewalt, patriarchale Muster und kollektive Ohnmacht. Doch das Album verweigert jede platte Parole. Selbst dort, wo konkret auf toxische Boy-Club-Kultur oder sexualisierte Gewalt verwiesen wird, bleibt die Sprache fragmentarisch, poetisch und lässt Raum für Interpretation.
Noise‑Exzess auf dem Dancefloor
Tracks wie „Magazine“, „Life Hex“ oder das atemlose „Cursive“ bewegen sich zwischen Noise-Exzess, dekonstruiertem Pop und filmischer Unruhe. Das großartige „Sicko!“ mit dem New Yorker Rapper billy woods am Mikrofon schlägt die Brücke zum Noise-Rap, während „I’ll Ask Her“ das Album mit Sirenen und Kettensägensound brutal zuspitzt. „URGH“ ist groovy auf eine schwer greifbare Art – eine Art Industrial-Techno, der untanzbar wirkt und doch zum Tanzen reizt.
Ein Album als Aufforderung
„URGH“ verweigert Komfort und Konsumierbarkeit. Es ist unbequem, körperlich, politisch – nicht nur klanglich, sondern auch konzeptuell. Das Artwork mit anatomischer Illustration unterstreicht den Fokus auf Körper, Verletzlichkeit und Widerstand. Dieses Album will nicht gefallen, sondern sucht die Auseinandersetzung.


