Neil Young reagiert auf geopolitische Drohgebärden nicht mit einem neuen Protestsong, sondern mit einer radikalen Geste: Er schenkt den Menschen in Grönland sein gesamtes musikalisches Archiv.
Neil Young hat mal wieder genug. Genug von Großmachtfantasien, genug von Tech-Milliardären, genug von einem Amerika, das lieber droht als zuhört. Und wie so oft reagiert er nicht mit einem Protestsong, sondern mit einer klaren Aktion. Der 80-jährige Songwriter, unermüdliche Mahner und Resistenz-Ikone hat angekündigt, sein komplettes musikalisches Schaffen allen Einwohner*innen Grönlands kostenlos zugänglich zu machen – vom Frühwerk bis zu obskuren Archivaufnahmen, gebündelt auf seiner eigenen Plattform.
Love and Peace
„Dies ist ein Angebot von Frieden und Liebe“, schreibt Young in einem offenen Brief an „unsere Freund*innen in Grönland“. Seine Musik, so hofft er, könne den „Stress und die Drohungen lindern, die ihr durch unsere unpopuläre und hoffentlich vorübergehende Regierung erlebt“. Adressiert ist diese Geste an eine US-Politik, die Grönland zuletzt wieder wie ein geopolitisches Souvenir behandelte: kaufen, kontrollieren, besitzen. Youngs Antwort darauf lautet: Kultur statt Kolonialfantasie, Musik statt Machtspiel. „Frieden und Liebe“ nennt er das – und meint es auffallend konkret.
Gegen die Verflachung
Dass ausgerechnet Neil Young – Streaming-Skeptiker, Dauergrantler und ewiger Warner vor digitaler Verflachung – nun seine gesamte Diskografie verschenkt, ist kein Widerspruch, sondern konsequent. Während Plattformen Musik zur Hintergrundtapete degradieren, erhebt Young sein Werk zur politischen Währung. Wer zuhört, hört Haltung.
Weg auch von Amazon
Wie so oft bleibt es nicht bei einer Geste. Young verknüpft sein Geschenk mit einer weiteren klaren Ansage und zieht seinen kompletten Katalog von Amazon Music ab. Eine Reaktion auf die politische Haltung des Unternehmens und seines Eigentümers, Trump-Unterstützer Jeff Bezos. Neutralität. „Die internationale Politik des Präsidenten und seine Unterstützung von ICE machen es mir unmöglich, [Bezos’] Handlungen zu ignorieren”, erklärte Young. „Wenn ihr so empfinden wie ich, empfehle ich dringend, Amazon nicht zu nutzen.“
Hoffnungslos idealistisch
Natürlich ist das alles typisch Neil Young: leicht größenwahnsinnig, hoffnungslos idealistisch und auf eine sympathische Art altmodisch. Ein Rockstar alter Schule, der noch immer glaubt, dass Songs etwas verändern können. Und der lieber verschenkt, als sich vereinnahmen zu lassen. Dieser Befreiungsakt aus einer Musikwelt, die sich zunehmend nach Abo-Modellen und Shareholder-Value richtet, wirkt wie ein Anachronismus. Aber auch wie ein lautes, sympathisches „Love Earth“ mitten im digitalen Rauschen. Und als Erinnerung daran, dass Widerstand manchmal einfach nur bedeutet, alles loszulassen.en Seitenhieb auf Dänemark, das Grönland bis heute verwaltet. Während politische Akteure in Begriffen wie „Sicherheitsinteressen“ und „strategischer Stabilität“ denken, bringt Björk es auf den Punkt: Wer Territorien wie Besitz behandelt, hat aus der Geschichte nichts gelernt.

