Opus Kink ist eine 2017 in Brighton gegründete, sechsköpfige britische Band, die sich in der aktuellen Alternative-Szene einen Ruf für ihren unberechenbaren Genremix aus Post-Punk, Jazz und experimentellem Rock erspielt hat. Anstatt sich traditionellen Genre-Grenzen zu fügen, kombiniert die Formation die rohe, düstere Energie des Punk mit einer dynamischen Bläsersektion aus Trompete und Saxophon, psychedelischen Keyboards sowie treibenden Rhythmen, die stark von Funk und Swing inspiriert sind. Musikmedien wie der NME beschreiben diesen markanten Sound treffend als „bläserbefeuertes Chaos“. Mit der Veröffentlichung ihres lang erwarteten Debütalbums „The Sweet Goodbye“, untermauern sie ihren Status als eine der innovativsten Kräfte der britischen Musiklandschaft.
Textausschnitt aus „Foxtrot“Now baby I’m waiting, Under the car park
Dread on my memory, Tread on my bones
These sisters and I been waiting for love
Opus Kink machen es einem nicht gerade leicht. Und genau deshalb macht „The Sweet Goodbye“ so viel Spaß. Die Londoner werfen Post-Punk, No Wave, Jazz, Bläser und eine gehörige Portion Wahnsinn in einen Topf und schauen offenbar selbst gespannt dabei zu, was am Ende herauskommt. Spoiler: Es scheppert. Schnell wird deutlich, dass hier niemand vorhat, den nächsten glattpolierten Indie-Hit abzuliefern. Bass und Schlagzeug treiben wuchtig nach vorne, die Gitarre sägt ordentlich und dann kommen auch noch diese Bläser ins Spiel. So entsteht ein herrliches Durcheinander über alle Genres hinweg.
Ist das schon Jazz?
Was mir an Opus Kink besonders gefällt: Die Band benutzt ihre umwerfende Bläsersektion nicht als Triebfeder für überambitionierten Indie-Rock, damit das Ganze sich irgendwie interessant anhört. Die Bläser dürfen nerven, lärmen und eskalieren. Überhaupt klingt das gesamte Album angenehm unaufgeräumt. Die Songs stolpern, springen und brechen gerne mal aus ihrer Spur aus. Trotzdem wirkt das Ganze keineswegs zufällig. Hinter dem Chaos steckt eine ziemlich präzise Band, die offenbar genau weiß, wann sie noch einen Gang höher schalten muss.
Wilder Genre-Mix
Opus Kink haben dabei eine angenehm theatralische Seite. Manche Momente wirken fast grotesk, andere ziemlich düster. Doch es ist gerade die Verwebung der Genres, die dieses Album so spannend und besonders macht. Klezmer geht nahtlos in Mariachi über, Country versteht sich mit Jazz, Kabarett tanzt den Ska. Und dann ist da auch noch das irre, mit The New Eves eingespielte „The Head Tree“. Das Ganze lässt sich am ehesten mit kompletter musikalischer Verwahrlosung bezeichnen. Es ist eine Musik, die geradezu nach einem Live-Auftritt in einem verschwitzten Club schreit. Laut, schräg, jazzig, punkig und angenehm ungehobelt.
Nichts zum Nebenbeihören
Tatsächlich brauchte es eine Zeit, bis mich „The Sweet Goodbye“ so richtig gecatcht hat. Aber mit jedem Durchlauf öffnet sich das Album. Je öfter man zuhört, desto mehr bleibt hängen: ein Rhythmus, ein Bläsersatz, eine schräge Wendung oder dieser Moment, in dem alles kurz davor ist, auseinanderzufliegen. Dazu kommt dieser schwarze, teilweise bitterböse Humor über Abgründe, Beziehungen und all dem menschlichen Irrsinn, der einen immer wieder auf Repeat drücken lässt.


