Der brennende Mann“ vom Pink-Floyd-Cover

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Ronnie Rondell Jr., der Hollywood-Stuntman, der durch eine einzige, brennende Pose auf dem Cover von Pink Floyds Wish You Were Here“ (1975) weltweite Bekanntheit erlangte, ist am 12. August 2025 im Alter von 88 Jahren in einem Seniorenheim in Missouri gestorben.

Gebo­ren 1937 in Hol­ly­wood als Sohn eines Stunt­mans, trat Ron­nie Ron­dell Jr. bereits im Teen­ager­al­ter in die Fuß­stap­fen sei­nes Vaters, der eben­falls Stunt­man war. Seine Kar­riere führte ihn durch zahl­rei­che wag­hal­sige Action­se­quen­zen – von Spar­ta­cus“ über Bla­zing Sadd­les“ bis hin zu The Matrix Rel­oa­ded“, in dem er 2003 ein Come­back-Stunt wagte.

Sein berühmtester Einsatz

Sein wohl berühm­tes­ter Ein­satz spielte sich jedoch außer­halb der Film­welt ab: Auf dem Cover des Pink-Floyd-Albums Wish You Were Here stand er als Geschäfts­mann in Flam­men, wäh­rend er einem ande­ren Mann die Hand schüt­telte. Heute ließe sich ein sol­ches Bild leicht mit Pho­to­shop insze­nie­ren – 1975 war es eine reale Szene. Der Stunt wurde voll­stän­dig ohne digi­tale Effekte aus­ge­führt. Das Feuer war echt: Ron­dell trug feu­er­re­sis­tente Klei­dung, Wachs, Gel und sogar eine schüt­zende Perü­cke. Den­noch waren etwa fünf­zehn Ver­su­che nötig, um die per­fekte Auf­nahme zu erzie­len. Beim letz­ten Take blies der Wind die Flam­men in sein Gesicht: Ron­dell ver­lor eine Augen­braue und Teile sei­nes Schnurr­barts, warf sich zu Boden – und soll den Dreh mit den Wor­ten been­det haben: That’s it! I’m done.“

Mentor und Legende

1970 hatte Ron­dell die Stunt­or­ga­ni­sa­tion Stunts Unli­mi­ted mit­be­grün­det. Nach sei­nem Tod wür­digte sie ihn in den sozia­len Medien als groß­zü­gi­gen Men­tor, der die Mess­latte für jeden ange­hen­den Stunt­man hoch­ge­legt“ habe – nicht nur legen­där, son­dern eine Legende“. Seine Pro­fes­sio­na­li­tät und Kol­le­gia­li­tät präg­ten Gene­ra­tio­nen von Stuntleuten.

Ein ikonisches Bild

Das Cover­bild des bren­nen­den Geschäfts­man­nes wurde zur Ikone – visu­ell wie meta­pho­risch. Wish You Were Here“, das neunte Stu­dio­al­bum von Pink Floyd, ent­stand zwi­schen Januar und Juli 1975 in den Abbey Road Stu­dios und erschien am 12. Sep­tem­ber des­sel­ben Jah­res. Die Idee zum Cover stammte von Design­le­gende Storm Thor­ger­son (Hip­gno­sis). Ein sich ver­bren­nen­der“ Geschäfts­mann sollte als Meta­pher dafür die­nen, in einem Deal ver­brannt zu wer­den“ – eine gän­gige Rede­wen­dung in der Musik­bran­che für aus­ge­blie­bene Tan­tie­men oder aus­ge­beu­tete Krea­ti­vi­tät. Aber das Bild trans­por­tiert mehr als nur den Zynis­mus der Musik­in­dus­trie. Es steht zugleich für das zen­trale Thema des Albums: Abwe­sen­heit – das Gefühl, dass etwas fehlt, sei es ein ver­läss­li­cher Part­ner, ein ech­ter künst­le­ri­scher Aus­druck oder die Prä­senz des ver­lo­re­nen Band­kol­le­gen Syd Bar­rett. Der zweite Mann auf dem Bild war Ron­dells Stunt­kol­lege Danny Rogers. Foto­graf Aubrey Powell setzte die Szene auf dem Gelände der War­ner Bros. Stu­dios in Bur­bank, Los Ange­les, um – und schaffte damit eine Ikone der Musikgeschichte.