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Sleaford Mods

Durch­schnitt­li­che Lese­dauer 3 Minu­ten

Sleaford Mods ist ein bri­ti­sches Duo aus Not­ting­ham, bestehend aus dem Tex­ter und Voka­lis­ten Jason Wil­liam­son und dem Pro­du­zen­ten Andrew Fearn. Seit Anfang der 2010er Jahre haben sie sich mit ihrem radi­kal redu­zier­ten Sound aus elek­tro­ni­schen Beats und gif­ti­gem Sprech­ge­sang zu einer der mar­kan­tes­ten Stim­men des bri­ti­schen Post-Punk ent­wi­ckelt. Wil­liam­sons Texte sezie­ren Klas­sis­mus, poli­ti­sche Heu­che­lei und All­tags­frust mit bei­ßen­dem Humor und scho­nungs­lo­ser Direkt­heit. Alben wie Divide and Exit“, Eng­lish Tapas“ oder UK Grim“ mach­ten die bei­den inter­na­tio­nal bekannt und eta­blier­ten sie als wütende Chro­nis­ten des moder­nen Groß­bri­tan­ni­ens – kom­pro­miss­los, unbe­quem und stets auf der Höhe der gesell­schaft­li­chen Span­nun­gen. Trotz ihrer musi­ka­li­schen Nische errei­chen sie eine erstaun­li­che Reich­weite — wütend und sauer sind aber immer noch.

Sleadford Mods, The Demise of Planet X

Sleaford Mods
The Demise of Planet X

Ver­öf­fent­licht: 16. Januar 2026
Label: Rough Trade /​Beggars /​Indigo

The Demise of Pla­net X — Album Review

Since I behaved in a way that never
And now my life is much better
Since I behaved in a way that never
Raises suspicion

Text­aus­zug aus Eli­test G.O.A.T”

Mit The Demise of Pla­net X“ ver­öf­fent­li­chen Sleaford Mods ihr mitt­ler­weile 13. Stu­dio­al­bum – und bewei­sen ein­drucks­voll, dass ihre Geschichte noch lange nicht aus­er­zählt ist. Jason Wil­liam­son und Andrew Fearn blei­ben zwar der bewähr­ten Mischung aus gran­teln­dem Sprech­ge­sang, kar­gen Beats und gal­li­ger Gesell­schafts­kri­tik treu, öff­nen ihren Sound jedoch spür­bar. Das Ergeb­nis ist ihr viel­leicht reifs­tes und zugleich zugäng­lichs­tes Album: weni­ger rei­ner Wut­an­fall, mehr bit­te­rer Abge­sang auf eine Welt im mora­li­schen, sozia­len und emo­tio­na­len Dauerkrisenmodus.

Mehr Varianz statt Beton-Minimalismus

Im Ver­gleich zu frü­he­ren Alben wirkt Pla­net X“ gera­dezu beweg­lich. Andrew Fearn löst sich hör­bar vom rei­nen Beton-Mini­ma­lis­mus und lässt Dub, Post-Punk, Soul und rhyth­mi­sche Varia­tio­nen zu. Das ver­leiht den Songs Luft und Tiefe, ohne die typi­sche Trost­lo­sig­keit zu ver­wäs­sern. Auch Wil­liam­sons Texte haben sich ver­än­dert: Der Zorn ist noch da, aber er klingt müder, abge­klär­ter, manch­mal sogar ver­letz­lich. Die Tira­den wir­ken weni­ger wie gezielte Schläge, mehr wie das Pro­to­koll jah­re­lan­ger Erschöp­fung – und gerade das macht sie so wirkungsvoll.

Fruchtbare Kollaborationen

Die zahl­rei­chen Gäste sind die große Stärke des Albums. Sie füh­len sich nicht wie deko­ra­tive Fea­tures an, son­dern wie bewusste Brü­che mit der eige­nen Kom­fort­zone. Der Ope­ner The Good Life“ setzt mit Gwen­do­line Chris­tie und Big Spe­cial ein star­kes Zei­chen: dra­ma­tisch, düs­ter, ver­stö­rend. Eli­test G.O.A.T.“ mit Aldous Har­ding ist ein wei­te­res High­light – ein schrä­ges, bis­si­ges Duett zweier Künstler*innen, die sich hör­bar auf Augen­höhe begeg­nen. Die eng­li­sche Klang­künst­le­rin und Sän­ge­rin der Indie-Rock-Band Life Wit­hout Buil­dings Sue Tomp­kins bringt auf No Touch“ eine uner­war­tete Ver­spielt­heit in einen Song über Iso­la­tion und Selbst­ver­let­zung, Liam Bai­ley sorgt auf Flood the Zone“ mit Soul- und Reg­gae-Vibes für einen sel­te­nen Moment der Wärme. Kill List“ schließ­lich zieht mit Rap­per Snowy noch ein­mal die Schrau­ben an, taucht tief in eine kalte, urbane Dys­to­pie ein und ver­sprüht leb­hafte Grime-Energie.

Emotionaler, aber immer noch wütend

Mit The Demise of Pla­net X“ ent­de­cken Sleaford Mods neue Erzähl­for­men und ver­fol­gen den­noch wei­ter ihren unver­wech­sel­ba­ren Style. Das Album ist weni­ger roh, dafür deut­lich facet­ten­rei­cher, emo­tio­na­ler und muti­ger. Wer die Mods aus­schließ­lich als wütende Zwei-Mann-Maschine hören will, mag den offe­ne­ren Ansatz skep­tisch sehen. Alle ande­ren bekom­men eines der stärks­ten Alben der Band seit Jah­ren. Laut, zynisch, unbe­quem – aber mit neuer Tiefe und über­ra­schen­der Offenheit.

Sleaford Mods
UK Grim

Ver­öf­fent­licht: 10. März 2023
Label: Rough Trade /​Beggars /​Indigo

UK Grim — Album Review

Fucking viral, fucking batman video you fucking moron
Why don’t you phone up, spine bend, legs sync, scooter club
Shit smell, that’s my road kill hat, don’t touch it

Text­aus­zug aus Force 10 from Navarone”

Bekannt roh und bra­chial agi­tie­ren sie auch auf dem neuen Album gegen Kor­rup­tion, Rechts­ra­di­ka­lis­mus, die Tories und die Dro­gen­sucht. Aber ihre Feinde sind auch die Hips­ter von heute, die ihre Top Gun”-Sonnenbrillen upside down“ tra­gen. Sie sind alle So Trendy“, wie es in dem gleich­na­mi­gen Track heißt, zu dem Perry Far­rell von Jane’s Addic­tion neben den Vocals eine wun­der­bar ver­zerrte Gti­ar­ren­mel­do­die bei­steu­ert. Eben­falls als Gast auf UK Grim: Flo­rence Shaw, Front­frau von Dry Clea­ning, die in ihrer läs­sig-schnodd­ri­gen Art auf Force 10 From Nava­rone“ mit Wil­liam­son ein text­lich ver­que­res Duett gibt. Auch wenn man die­sen Text mit all sei­nen Anspie­lun­gen inhalt­lich nicht kom­plett mit­be­kommt, schwingt das Gefühl einer müden Resi­gna­tion mit. Musi­ka­lisch ist UK GRIM das bis­her wohl abwechs­lungs­reichste Album der Mods, auch wenn Fearn schon immer der Mei­nung war, dass weni­ger mehr ist („Nimm einen wirk­lich beschis­se­nen Schlag­zeug­beat und spiele eine Bass­line dar­über) — auf die­sem Album ver­leiht er dem Sound mehr Klang­farbe und Abwechs­lung. Gehö­rig Dampf las­sen sie dabei immer noch ab.