Das Wunderkabinett des Nick Caves

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Nick Cave öffnet erneut die Türen zu seiner Innenwelt: Stranger Than Kindness: The Virtual Nick Cave – ein interaktives Erlebnis, das Kunst, Erinnerungen und Caves unverwechselbare Stimme miteinander verwebt.

Nick Cave schenkt uns einen wei­te­ren Blick in sein Uni­ver­sum – und dies­mal müs­sen wir nicht ein­mal das Haus ver­las­sen. Stran­ger Than Kind­ness: The Vir­tual Nick Cave Exhi­bi­tion“ ist online gegan­gen, eine digi­tale, frei navi­gier­bare Aus­stel­lung, die sich anfühlt, als würde man heim­lich in Caves Notiz­bü­chern blät­tern, wäh­rend er selbst im Hin­ter­grund leise sei­nen Kom­men­tar murmelt.

Multimediales Universum

Das Ganze ist nicht ein­fach nur ein Online-Archiv oder eine hüb­sche Gale­rie. Die vir­tu­elle Aus­stel­lung denkt mul­ti­me­dial: Erin­ne­rungs­frag­mente, Foto­gra­fien, Manu­skript­sei­ten, visu­elle Instal­la­tio­nen – alles durch­drun­gen von einem Audio­guide, den Cave per­sön­lich spricht. Seine Stimme führt durch Räume, die mal wie ein kon­ta­mi­nier­tes Museum, mal wie ein hei­li­ger Schrein wir­ken. Wer Nick Cave kennt, weiß, dass jede Erzäh­lung von ihm eine Ein­la­dung ist: zu Schmerz, Schön­heit, Iro­nie – und zu einer selt­sa­men Form von Trost. Und an jeder Ecke war­tet eine Überraschung.

Inspirietrendes Chaos

Die inter­ak­tive Struk­tur macht das Erleb­nis erstaun­lich intim. Man bleibt an Details hän­gen, die man in einem ech­ten Museum viel­leicht über­se­hen hätte: an hin­ge­wor­fe­nen Satz­fet­zen, ein­ge­ris­se­nen Ecken, an der Art, wie seine Hand­schrift manch­mal förm­lich vibriert. Es ist, als würde man mit jedem Klick ein Stück wei­ter in den Maschi­nen­raum sei­ner Krea­ti­vi­tät stei­gen. Natür­lich ist das Ganze tech­nisch sau­ber pro­du­ziert – ele­gant, atmo­sphä­risch, mit viel Gespür für Tex­tur und Dun­kel­heit. Aber was wirk­lich hän­gen bleibt, ist die Aura die­ser Samm­lung: der Ein­druck, dass Cave uns nicht nur seine Kunst zeigt, son­dern auch die Räume dazwi­schen – das Chaos, die Zärt­lich­keit, die Obsession.

Ein Geschenk nicht nur für Fans

Für Fans ist das ein Geschenk. Für Neu­gie­rige ein per­fek­ter Ein­stieg. Und für alle, die gerade drin­gend einen Ort brau­chen, an dem Poe­sie und Schmerz zusam­men­fin­den, ähn­lich wie bei sei­nen Red Hand Files. Kurz gesagt: Diese vir­tu­elle Aus­stel­lung ist nicht nur Stran­ger Than Kind­ness“ – sie ist rei­ner Nick Cave. Und das merkt man in jeder Sekunde.

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