,

The Bobby Lees

ca. 3 Minu­ten

Die US-ame­ri­ka­ni­sche Garage-Punk-Band The Bobby Lees grün­de­ten sich 2018 aus­ge­rech­net in einem Ort, der wie kein ande­rer für Hip­pie-Roma­tik und Flower Power steht: Wood­stock. Das Quar­tett, bestehend aus Sän­ge­rin und Gitar­ris­tin Sam Quar­tin, Gitar­rist Nick Casa, Bas­sis­tin Kend­all Wind und Schlag­zeu­ger Macky Bow­man steht nicht so sehr auf Blu­men im Haar”. Ihr Sound ver­bin­det Garage Rock, Punk, Noise und klas­si­schen Rock’n’Roll zu einer eigen­stän­di­gen, explo­si­ven Mischung. Mit Alben wie Beauty Pageant“ (2018), Skin Suit“ (2020, pro­du­ziert von Jon Spen­cer) und vor allem Bel­le­vue“ (2022) erspiel­ten sich The Bobby Lees einen Ruf als kom­pro­miss­lose Live­band. Aller­dings sah es nach ihrer Bel­le­vue-Tour 2023 nach einem der Band aus: We’re gonna finish out this year play­ing the shows we have boo­ked and then we’re taking a break and we’re not sure when or if we’ll be play­ing again,“ hieß damals auf ihrem Insta­gram-Kanal. Umso erfreu­li­cher, dass mit New Self“ im Juni 2026 dann doch wie­der ein neues Album erscheint– und es klingt wie die Wie­der­ge­burt der Band, die mitt­ler­weile zum Trio geschrumpft ist und Gitar­rist Nick Casa nicht mehr zum aktu­el­len Line-Up gehört.

The Bobby Lees, New Self

The Bobby Lees

New Self

Ver­öf­fent­licht: 12. Juni 2026
Label: Epi­taph

I seen you on the shoreWinston Churchill
says loud loud Never Give Up
Well my tank is runnin real low
cause I just keep on gettin fucked

Text­aus­zug aus Napo­leon”

Dass New Self“ über­haupt erschei­nen konnte, ist auch Schau­spie­ler Jason Momoa zu ver­dan­ken. Der als Khal Drogo aus Game of Thro­nes“ bekannte Schau­spie­ler finan­zierte das Album und nahm der Band damit einen Teil des wirt­schaft­li­chen Drucks. Sän­ge­rin und Gitar­ris­tin Sam Quar­tin sagte dazu, dass die Unter­stüt­zung vie­les erleich­tert habe – und tat­säch­lich klingt die­ses Album bemer­kens­wert befreit.

Kompakt aber wild

Mit gerade ein­mal acht Songs und rund zwan­zig Minu­ten Spiel­zeit lie­fern The Bobby Lees ihr bis­lang kom­pak­tes­tes Werk ab. Zwan­zig Minu­ten aller­dings, die vor Selbst­be­wusst­sein nur so strot­zen. Die Band ver­zich­tet kon­se­quent auf über­flüs­si­gen Bal­last und kon­zen­triert sich auf das Wesent­li­che: rohe Punk-Ener­gie, durch­zo­gen von Garage-Rock und klas­si­schen Rock’n’Roll-Referenzen. New Self“ ist kein radi­ka­ler Neu­an­fang, mar­kiert aber den­noch einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Band. Das vierte Album wirkt fokus­sier­ter, lau­ter und ent­schlos­se­ner als seine Vor­gän­ger.
Bereits der Ope­ner Give“ macht deut­lich, dass die län­gere Pause kei­nes­wegs zu mehr Zahm­heit geführt hat. Ein wuch­ti­ger Bass trifft auf ner­vöse Drums und Gitar­ren, die eher sägen als spie­len. Auf­fäl­lig ist vor allem die Prä­senz der Rhyth­mus­sek­tion. Kein Wun­der: Bas­sis­tin Macky Bow­man und Schlag­zeu­ger Kend­all Wind bil­den inzwi­schen auch die Rhyth­mus­gruppe von Garage-Rock-Urge­stein Jon Spen­cer, der bereits das Bobby-Lees-Album Skin Suit“ produzierte.

Punkrock meets Hip-Hop

I just keep on get­tin’ fucked“, spuckt Sam Quar­tin im anschlie­ßen­den Napo­leon“ ins Mikro­fon. Der Song ver­bin­det klas­si­schen Punk­rock mit einem fast gespro­che­nen Vor­trag, der stel­len­weise an Hip-Hop erin­nert. Quar­tin insze­niert sich dabei als Figur zwi­schen Grö­ßen­wahn, Selbst­zwei­feln und bis­si­ger Selbst­iro­nie. Der emo­tio­nale Kern des Albums fin­det sich jedoch im Titel­stück New Self“. Hier for­mu­liert Quar­tin die zen­trale Bot­schaft der Platte. Die Zeile I’m older now, I’ve got­ten help, I wish you could meet my new self“ gehört zu den ein­dring­lichs­ten Momen­ten des Albums. Musi­ka­lisch tref­fen schwere Riffs und Nu-Metal-Anlei­hen auf einen über­ra­schend hym­ni­schen Refrain. Mit All I Got“ wird es anschlie­ßend deut­lich ver­söhn­li­cher. Der Song eröff­net Raum für Melo­die und Atmo­sphäre, beginnt bei­nahe ver­träumt, bevor die Gitar­ren wie­der das Kom­mando übernehmen. 

Verbeugung vor PJ Harvey

Dazwi­schen plat­ziert die Band ihre Inter­pre­ta­tion von PJ Har­veys 50 Ft Quee­nie“. Die Ver­sion wirkt weni­ger arti­fi­zi­ell als das Ori­gi­nal, dafür deut­lich rauer und unmit­tel­ba­rer fügt sich naht­los zwi­schen die eige­nen Songs ein. Mit sei­nem mar­kan­ten Bass­lauf bleibt der Track lange hän­gen – viel­leicht auch des­halb, weil das Ori­gi­nal längst zu den gro­ßen Songs der Neun­zi­ger zählt. Auch das chao­ti­sche Red Hot“ lebt von die­ser unge­schlif­fe­nen Direkt­heit und zele­briert die Garage-Rock-Wur­zeln der Band.

Sie bleiben sich treu

The Bobby Lees haben ihren wil­den Kern nicht ver­lo­ren. Gleich­zei­tig schim­mert unter der Ober­flä­che eine neue Form der Selbst­re­fle­xion durch. Die Band klingt nicht mehr wie eine Gruppe, die gegen alles und jeden rebel­liert, son­dern wie Men­schen, die gelernt haben, mit den eige­nen Dämo­nen im Zaum zu hal­ten. Viel­leicht fehlt New Self“ der eine über­ra­gende Song, der alles andere in den Schat­ten stellt. Den­noch ist die­ses Album eine ein­drucks­volle Rück­kehr. The Bobby Lees haben sich nach schwie­ri­gen Jah­ren hör­bar wei­ter­ent­wi­ckelt, ohne ihre Iden­ti­tät auf­zu­ge­ben. Die Songs sind noch immer laut, kurz und direkt, ver­bin­den Garage Rock, Punk und Noise – dies­mal jedoch mit einer über­ra­schend per­sön­li­chen Note. Es sind nur zwan­zig Minu­ten. Aber die knal­len gewaltig.