Throwing Muses

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Thro­wing Muses wur­den 1981 in New­port, Rhode Island, von Kris­tin Hersh und ihrer Halb­schwes­ter Tanya Donelly gegrün­det. Beide waren damals 14 Jahre alt und spiel­ten Gitarre. Ihre High­school-Freunde David Nar­cizo (Schlag­zeug) sowie Les­lie Lang­ston (Bass, ab 1992 Ber­nard Geor­ges) ver­voll­stän­dig­ten das Quar­tett. Schon mit ihrem ers­ten Demo­tape ergat­ter­ten sie – als erste ame­ri­ka­ni­sche Band – einen Plat­ten­ver­trag beim bri­ti­schen Indie-Label 4AD. Ihr selbst­be­ti­tel­tes Debüt­al­bum erschien 1986 und kom­bi­nierte kan­tige Rhyth­men, unkon­ven­tio­nelle Song­struk­tu­ren und Hershs ein­dring­li­chen Gesang. In den frü­hen Jah­ren wech­selte das Line-up mehr­fach: Tanya Donelly ver­ließ die Band 1991, um Belly zu grün­den und spä­ter bei The Bree­ders mit­zu­wir­ken. Hersh blieb das krea­tive Zen­trum der Muses und ent­wi­ckelte ihren unver­wech­sel­ba­ren Stil wei­ter – eine Mischung aus roher Emo­tio­na­li­tät, poe­ti­schen Tex­ten und dyna­mi­schen Gitar­ren­ar­ran­ge­ments. Alben wie The Real Ramona“ (1991), Uni­ver­sity“ (1995) und Limbo“ (1996) fes­tig­ten den Sta­tus der Band als Kri­ti­ker­lieb­ling und eine der ein­fluss­reichs­ten For­ma­tio­nen des Alter­na­tive Rock. Nach einer Pause in den frü­hen 2000ern kehr­ten Thro­wing Muses 2003 mit einem selbst­be­ti­tel­ten Album zurück. In den fol­gen­den Jah­ren arbei­tete Hersh par­al­lel an Solo-Pro­jek­ten sowie mit ihrer Noise-Rock-Band 50 Foot Wave, ver­öf­fent­lichte aber wei­ter­hin Musik unter dem Namen Thro­wing Muses. Ihr aktu­el­les Werk, Moon­light Con­ces­si­ons“, erschien am 14. März 2025 und zeigt ein­mal mehr Hershs Fähig­keit, intime und berüh­rende Songs zu schaf­fen. Auch nach über 40 Jah­ren blei­ben Thro­wing Muses eine der authen­tischs­ten und eigen­stän­digs­ten Bands der Alternative-Szene.

Throwing Muses, Moonlight Concessions

Throwing Muses

Moonlight Concessions

Ver­öf­fent­licht: 14. März 2025
Label: Fire Records

Shut down
All that glitters isn’t good
Really truly ain’t a walk of shame
But a summer of love
Finally life

Text­aus­schnitt aus Sum­mer of Love“

Seit über 40 Jah­ren ver­öf­fent­licht Thro­wing Muses – oft ver­stärkt durch hoch­ka­rä­tige Gastmusiker*innen – gemäch­lich, aber regel­mä­ßig neue Alben. Nun erscheint mit Moon­light Con­ces­si­ons“ das zwölfte Stu­dio­al­bum der US-East­co­ast-Band. Von Alters­mü­dig­keit oder Ideen­lo­sig­keit keine Spur: Es besticht durch sei­nen urame­ri­ka­ni­schen Sound, der gele­gent­lich an die kratz­bürs­tige Melan­cho­lie eines Bill Cal­la­han erin­nert. Kris­tin Hersh ver­rät in einem Inter­view, dass sich das Albums stark von sei­nem direk­ten Vor­gän­ger Sun Racket“ (2020) unter­schei­det. Statt noi­si­ger, ver­zerr­ter Sound­wände erwar­ten uns akus­ti­sche Gitar­ren, Strei­cher­ar­ran­ge­ments und sub­tile per­kus­sive Ele­mente – was in der Summe eine warme, intime Atmo­sphäre erzeugt. Die Songs, so die Sän­ge­rin wei­ter, ent­ste­hen oft orga­nisch aus einer Art krea­ti­vem Tran­ce­zu­stand. Pro­du­ziert wurde Moon­light Con­ces­si­ons“ von Kris­tin Hersh in Steve Riz­zos Sta­ble Sound Stu­dio in Ports­mouth, Rhode Island. Das Album ist eine Samm­lung all­täg­li­cher Kurz­ge­schich­ten, Schnip­sel aus dem täg­li­chen Leben – Hersh ver­gleicht sie mit den Short Cuts von Ray­mond Car­ver. Beson­ders prä­gend für die­ses Album war eine Phase der Unsi­cher­heit: Hersh und ihr Sohn leb­ten eine Zeit lang in ihrem Truck und fan­den Trost in der Gemein­schaft obdach­lo­ser Men­schen in Kali­for­nien. Diese Erfah­run­gen flos­sen direkt in die Songs ein und ver­lei­hen ihnen eine berüh­rende, mensch­li­che Wärme.

Reduktion als Stärke

Ganz im Gegen­satz zu frü­he­ren Thro­wing-Muses-Wer­ken mit ihrem oft rup­pi­gen, unge­bän­dig­ten Sound wirkt Moon­light Con­ces­si­ons selt­sam klar und redu­ziert. Das Album umfasst ledig­lich neun Songs – ein bewusst mini­ma­lis­ti­scher Ansatz, den Hersh als not­wen­dig emp­fin­det, um die Essenz der Musik nicht zu ver­wäs­sern. Auch der Klang ist redu­ziert, aber kei­nes­wegs schlicht. Beson­ders die Rolle des Cel­los, gespielt von Pete Har­vey, hebt sich immer wie­der her­vor – etwa bei Sally’s Beauty“, einem krat­zig-sper­ri­gen Track im düs­te­ren Desert-Rock-Gewand mit ver­hall­ten, tief gestimm­ten Gitar­ren und einem sinis­tren Cel­lo­spiel. Der Ope­ner Sum­mer of Love“ beein­druckt mit einer melan­cho­li­schen Refle­xion über das Leben und des­sen uner­war­tete Wen­dun­gen. Zur tro­cke­nen Akus­tik­gi­tarre, unter­legt mit unru­hig rascheln­den Drums, singt Hersh: Finally life as it should have been“ – eine stille Hoff­nung oder eher Aus­druck über die Freu­den des Daseins? Der Titel­track Moon­light Con­ces­si­ons“ ist beson­ders ein­dring­lich. Er ver­weist auf die Erleb­nisse mit der obdach­lo­sen Gemein­schaft in Moon­light Beach im kali­for­ni­schen Enci­ni­tas. Die akus­ti­sche Gitarre, unter­malt von einer leich­ten Per­cus­sion und einer ver­träum­ten Cello-Melo­die, ver­leiht dem Track eine gera­dezu hyp­no­ti­sche Wirkung.

Ein Album über Menschlichkeit und Inspiration

Hersh betont immer wie­der die Bedeu­tung von Inspi­ra­tion im Gegen­satz zum blo­ßen Hand­werk des Song­wri­tings. Sie wider­spricht jenen, die behaup­ten, dass Inspi­ra­tion nicht exis­tiert – für sie ist es gerade die­ses intui­tive Ele­ment, das Kunst von blo­ßer Tech­nik unterscheidet.„Moonlight Con­ces­si­ons“ ist intro­spek­tiv und den­noch leben­dig, melan­cho­lisch und doch vol­ler Wärme. Es lädt dazu ein, nicht nur zuzu­hö­ren, son­dern sich ein­zu­las­sen – auf die Musik, auf die Geschich­ten und auf das, was sie in uns aus­lö­sen. Wer bereit ist, sich auf die kunst­voll redu­zier­ten Arran­ge­ments und Kris­tin Hershs ange­raute Stimme ein­zu­las­sen, wird die­ses Album lieben.