Der Streamingdienst Tidal wird künftig vollständig KI-generierte Songs kennzeichnen. Von einer Monetarisierung sind sie bereits jetzt ausgeschlossen.
Tidal wird KI-generierte Songs nicht grundsätzlich verbieten. Musik, die zu 100 Prozent von künstlicher Intelligenz erzeugt wurde, erhält jedoch keine Tantiemen mehr. Ab Mitte Juli 2026 werden entsprechende Titel zusätzlich mit einem Hinweis gekennzeichnet. Damit reagiert die Plattform auf ein wachsendes Problem der Streamingbranche.
Nur von Menschen produziert
Der Schritt ist mehr als nur eine technische Regel. KI-Musik lässt sich heute schnell, kostengünstig und in beliebiger Menge produzieren. Entsprechend werden Streamingplattformen zunehmend mit künstlich erzeugten Inhalten geflutet. Der Druck auf echte Künstler wächst, denn sie konkurrieren um Sichtbarkeit, Reichweite und Einnahmen mit KI-generiertem Content.
Tidal unterstreicht mit dieser Maßnahme, dass nur Musik vergütet werden soll, die von Menschen geschrieben, produziert und interpretiert wurde. Das ist ein Signal an die gesamte Branche: KI wird nicht grundsätzlich ausgeschlossen und darf Teil des Systems bleiben, soll aber nicht automatisch denselben wirtschaftlichen Stellenwert erhalten wie menschliche Kreativität.
Betrug und künstliche Karrieren
Zusätzlich will Tidal konsequenter gegen KI-generierte Inhalte vorgehen, die mit betrügerischen Aktivitäten in Verbindung stehen. Genannt werden unter anderem irreführende Inhalte, die Nachahmung echter Künstler, auffällige Streamingmuster sowie massenhafte Uploads. Die Frage dahinter: Wie können Streamingplattformen verhindern, dass synthetisch erzeugte Massenware ihre Systeme überflutet.
Auch Spotify und Deezer reagieren
Tidal steht mit diesem Kurs nicht allein. Alle Streamingdienste stehen vor demselben Problem: Die Zahl der täglich hochgeladenen KI-Songs wächst so rasant, dass klassische Qualitätskontrollen kaum noch ausreichen.
Dennoch zeichnet sich bislang kein einheitlicher Umgang mit dem Thema ab. Deezer nimmt die wohl aktivste Rolle ein und versucht, KI-generierte Musik automatisch zu erkennen und ihre algorithmische Sichtbarkeit einzuschränken. Qobuz setzt weiterhin auf redaktionell kuratierte Inhalte und hochwertige Kataloge. Die meisten anderen Streamingdienste konzentrieren sich vor allem auf Fragen des Urheberrechts, der Authentizität sowie auf die Bekämpfung von Streamingbetrug.
Keine allgemeingültige Regelung
So versucht derzeit jeder Streamingdienst auf seine Weise, mit der wachsenden Flut KI-generierter Musik umzugehen. Vieles spricht jedoch dafür, dass Transparenzpflichten oder Kennzeichnungen für KI-generierte Inhalte in den kommenden Jahren zum Branchenstandard werden – nicht zuletzt auf Druck von Labels, Künstlerverbänden und Regulierungsbehörden.

