Urlaub in Polen

Durch­schnitt­li­che Lese­dauer 2 Minu­ten

Urlaub in Polen ist ein deut­sches Musik­duo aus Köln, das 1999 von Schlag­zeu­ger Oli­ver Hilse und dem Mul­ti­in­stru­men­ta­lis­ten und Gitar­ris­ten Georg Bren­ner gegrün­det wird. Noch im sel­ben Jahr erscheint eine selbst­be­ti­telte EP. 2000 über­nimmt und prägt Jan Phil­ipp Jan­zen, der auch bei Von Spar und Die Sterne aktiv ist, den Sound am Schlag­zeug. Mit ihm ver­öf­fent­licht die Band fünf Alben, bevor sie 2011 ihre Auf­lö­sung bekannt gibt. 2020 mel­den sich Urlaub in Polen über­ra­schend mit dem Come­back-Album All“ zurück. 2026 folgt mit Objects, Beings and Par­rots“ eine wei­tere Ver­öf­fent­li­chung auf Tapete Records. Bis heute über­zeugt das Duo mit eigen­stän­di­gen, krea­ti­ven Klang­land­schaf­ten – einem trei­ben­den Mix aus Rock, Elek­tro­nik und krau­ti­gen Referenzen.

Urlaub in Polen, Objects, Beings & Parrots

Urlaub in Polen
Objects, Beings and Parrots

Ver­öf­fent­licht: 23. Januar 2026
Label: Tapete Records

May be I’m right, may be I’m wrong
just give me something to hold on

Text­aus­zug aus Fame & Fortune”

Das Album Objects, Beings and Par­rots“ der Köl­ner Band Urlaub in Polen wirkt wie ein Rei­se­ta­ge­buch aus gefun­de­nen Klän­gen und zufäl­li­gen Begeg­nun­gen – irgendwo zwi­schen Kraut­rock-Tra­di­tion, Lo-Fi-Roman­tik und futu­ris­ti­schem Bas­tel­trieb. Pas­send zu die­ser Sound-Col­lage prä­sen­tiert sich auch das Cover: eine wilde Bild­kom­po­si­tion aus ver­schie­den­far­bi­gen Retro-Prin­ter­zeug­nis­sen, die bereits visu­ell auf das Prin­zip des Zusam­men­fü­gens und Über­la­gerns verweist.

Programmatischer Auftakt

Der Ein­stieg mit Aba­cus“ ist pro­gram­ma­tisch. Ein mecha­ni­scher Beat, flir­rende Gitar­ren und die­ser wun­der­bar brum­mige Gesang set­zen den Ton. Der Song klickt sich voran wie ein ana­lo­ger Sequen­cer, bevor er sich in ein tau­meln­des Jam-Laby­rinth öff­net – kon­trol­lier­tes Chaos mit Groove, prä­zise und doch offen genug, um Raum für Irri­ta­tion zu las­sen. Was folgt, ist eine Ach­ter­bahn­fahrt durch Klang­räume, die nie ganz zusam­men­pas­sen wol­len und gerade dadurch einen eige­nen Sog ent­wi­ckeln. Washing Machine“ klingt nach einem groo­vi­gen Voll­wasch­gang: pul­sie­rende Syn­ths, erup­tive Drums, ver­zerrte Gitar­ren – eine mit­rei­ßende Ode an das Unper­fekte, an Rei­bung und Wiederholung.

Intime Momente und Referenzen

Über­ra­schend intim wird es mit Jaki’s Love Time“, das sich mit akus­ti­scher Wärme und einem blech­blä­ser­nen Zwi­schen­spiel einen klei­nen Pop­mo­ment erlaubt. Der Titel ist dabei eine deut­li­che Anspie­lung auf den legen­dä­ren Can-Schlag­zeu­ger Jaki Lie­be­zeit. Fame & For­tune“ schwelgt hin­ge­gen in psy­che­de­li­schem Retro­fu­tu­ris­mus, wäh­rend Moon­walk“ die hohe Kunst der Repe­ti­tion wie­der­be­lebt, wie man sie von Kraut­rock-Pio­nie­ren wie Neu! kennt: hyp­no­tisch, sto­isch, vorwärtsdrängend.

Eine klangliche Collage

Am Ende knüpft Yours“ wie­der an den dyna­mi­schen Auf­takt des Albums an. Leben­dige Rhyth­mus­be­we­gung trifft auf eine ein­gän­gige, fast pop­pige Sound-Klat­sche. Trotz aller Expe­ri­men­tier­freude bleibt das Album durch­weg melo­disch, zugäng­lich und vol­ler krau­ti­ger Refe­ren­zen – ohne jemals nost­al­gisch zu erstar­ren. Pro­du­ziert wurde es in meh­re­ren Ses­si­ons in der Abge­schie­den­heit des MARS-Stu­dios in der Eifel. Und so strahlt Objects, Beings and Par­rots“ Ruhe und Gelas­sen­heit aus. Nichts wirkt über­has­tet oder trend­be­wusst geglät­tet. Mit über zwei Jahr­zehn­ten Band­ge­schichte haben Urlaub in Polen ein­mal mehr einen Weg gefun­den, ihre ganz eigene Form eklek­ti­scher, gen­re­über­grei­fen­der Musik wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Sie erschaf­fen eine klang­li­che Col­lage vol­ler Bewe­gung, Über­ra­schung und Refle­xion – und genau darin liegt der Charme die­ses Albums.