Urlaub in Polen ist ein deutsches Musikduo aus Köln, das 1999 von Schlagzeuger Oliver Hilse und dem Multiinstrumentalisten und Gitarristen Georg Brenner gegründet wird. Noch im selben Jahr erscheint eine selbstbetitelte EP. 2000 übernimmt und prägt Jan Philipp Janzen, der auch bei Von Spar und Die Sterne aktiv ist, den Sound am Schlagzeug. Mit ihm veröffentlicht die Band fünf Alben, bevor sie 2011 ihre Auflösung bekannt gibt. 2020 melden sich Urlaub in Polen überraschend mit dem Comeback-Album „All“ zurück. 2026 folgt mit „Objects, Beings and Parrots“ eine weitere Veröffentlichung auf Tapete Records. Bis heute überzeugt das Duo mit eigenständigen, kreativen Klanglandschaften – einem treibenden Mix aus Rock, Elektronik und krautigen Referenzen.
May be I’m right, may be I’m wrong
Textauszug aus „Fame & Fortune”
just give me something to hold on
Das Album „Objects, Beings and Parrots“ der Kölner Band Urlaub in Polen wirkt wie ein Reisetagebuch aus gefundenen Klängen und zufälligen Begegnungen – irgendwo zwischen Krautrock-Tradition, Lo-Fi-Romantik und futuristischem Basteltrieb. Passend zu dieser Sound-Collage präsentiert sich auch das Cover: eine wilde Bildkomposition aus verschiedenfarbigen Retro-Printerzeugnissen, die bereits visuell auf das Prinzip des Zusammenfügens und Überlagerns verweist.
Programmatischer Auftakt
Der Einstieg mit „Abacus“ ist programmatisch. Ein mechanischer Beat, flirrende Gitarren und dieser wunderbar brummige Gesang setzen den Ton. Der Song klickt sich voran wie ein analoger Sequencer, bevor er sich in ein taumelndes Jam-Labyrinth öffnet – kontrolliertes Chaos mit Groove, präzise und doch offen genug, um Raum für Irritation zu lassen. Was folgt, ist eine Achterbahnfahrt durch Klangräume, die nie ganz zusammenpassen wollen und gerade dadurch einen eigenen Sog entwickeln. „Washing Machine“ klingt nach einem groovigen Vollwaschgang: pulsierende Synths, eruptive Drums, verzerrte Gitarren – eine mitreißende Ode an das Unperfekte, an Reibung und Wiederholung.
Intime Momente und Referenzen
Überraschend intim wird es mit „Jaki’s Love Time“, das sich mit akustischer Wärme und einem blechbläsernen Zwischenspiel einen kleinen Popmoment erlaubt. Der Titel ist dabei eine deutliche Anspielung auf den legendären Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit. „Fame & Fortune“ schwelgt hingegen in psychedelischem Retrofuturismus, während „Moonwalk“ die hohe Kunst der Repetition wiederbelebt, wie man sie von Krautrock-Pionieren wie Neu! kennt: hypnotisch, stoisch, vorwärtsdrängend.
Eine klangliche Collage
Am Ende knüpft „Yours“ wieder an den dynamischen Auftakt des Albums an. Lebendige Rhythmusbewegung trifft auf eine eingängige, fast poppige Sound-Klatsche. Trotz aller Experimentierfreude bleibt das Album durchweg melodisch, zugänglich und voller krautiger Referenzen – ohne jemals nostalgisch zu erstarren. Produziert wurde es in mehreren Sessions in der Abgeschiedenheit des MARS-Studios in der Eifel. Und so strahlt „Objects, Beings and Parrots“ Ruhe und Gelassenheit aus. Nichts wirkt überhastet oder trendbewusst geglättet. Mit über zwei Jahrzehnten Bandgeschichte haben Urlaub in Polen einmal mehr einen Weg gefunden, ihre ganz eigene Form eklektischer, genreübergreifender Musik weiterzuentwickeln. Sie erschaffen eine klangliche Collage voller Bewegung, Überraschung und Reflexion – und genau darin liegt der Charme dieses Albums.


