Urs Weyerke & Oliver Eltinger
19. April 2026 • Nebenan, Düsseldorf
Wieder spielen Urs Weyerke und Oliver Eltinger eines ihrer Tribute-Konzerte. Heute Abend widmen sie sich dem Werk von Matt Johnson und The The – und balancieren erneut souverän zwischen Hommage und Eigeninterpretation.
Fragile Beginn
Schon „‚Everybody wants to go to heaven but nobody wants to die“ zeigt: Nostalgie ist hier fehl am Platz. Zerlegte Melodien treffen auf verschleppte Rhythmen, alles wirkt vertraut und zugleich entrückt. Mit „Infected“ folgt ein erster Höhepunkt. Der Song ist untrennbar mit dem gleichnamigen Album von 1986 verbunden und lässt sich kaum losgelöst von seiner Entstehungszeit denken. Mitte der 1980er befand sich Großbritannien im Umbruch, die Angst vor Umweltzerstörung, Kaltem Krieg und der damals neuen HIV/AIDS-Epidemie wuchs. Urs greift diese Kontexte immer wieder auf – als nerdiger Fan und kenntnisreicher Erzähler, der Songs und Biografie Johnsons miteinander verwebt.
Reduktion als Stärke
Und so gelingt es dem Duo, Johnsons Themen – Entfremdung, Unsicherheit, Selbstsuche, die eigene Prokrastination – neu hörbar zu machen. „Soul Mining“ wird zur hypnotischen Meditation, „Uncertain Smile“ verweigert bewusst den ikonischen Piano-Ausbruch. Urs kommentiert das mit einem leichten Lächeln und beginnt mit einer fast zerbrechlichen Interpretation. Einer der emotionalsten Momente: „This Is the Day“, gesanglich unterstützt von Urs’ Tochter Josi, leise, unaufdringlich und eindringlich zugleich.
Zusammenspiel auf neuem Niveau
Auffällig ist vor allem die Entwicklung im Zusammenspiel: Olivers Gitarrenspiel wirkt selbstbewusster, prägnanter und dominanter als bei früheren Konzerten. Er setzt klare Akzente und hebt die Lebendigkeit des Abends spürbar auf eine neue Stufe. Auch Urs Vocals gewinnen zunehmend an Dynamik und Ausdruck. Kommt hinzu: Es gibt erstmalig Bühnen-Projektionen. Illustrationen von Andrew, Bruder von Matt und bekannt als Andy Dog, untermalen begleitet von den Lyrics des jeweiligen Songs die Aufführung.
Dunkelheit und Tiefe
Nach einer kurzen Pause wird es düsterer. „Bluer Than Midnight“ eröffnet einen atmosphärischen Block, der sich um Verlust und Vergänglichkeit dreht. Das reguläre Finale bildet „Some day I drink my coffe by the grave of William Blake“, in Anlehnung an den englischen Dichter William Blake – ein passender Verweis auf Johnsons Hang zu Spiritualität und Außenseitertum.
Nachhall
In der Zugabe, unter anderem mit Referenzen an Hank Williams, löst sich die Spannung langsam auf. Was bleibt, ist mehr als ein Konzert: ein Dialog zwischen Zeiten und Perspektiven. Urs und Oliver spielen diese Songs nicht einfach – sie denken sie weiter. Und genau das sorgt dafür, dass man The The danach anders hört.




