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Water from Your Eyes

Durch­schnitt­li­che Lese­dauer 3 Minu­ten

Water from Your Eyes ist ein ame­ri­ka­ni­sches Indie-Noise-Duo, bestehend aus Rachel Brown und Nate Amos, ursprüng­lich aus Chi­cago, inzwi­schen in Brook­lyn, New York, ansäs­sig. In den 2010er-Jah­ren lern­ten sich die bei­den ken­nen, als Brown ein DIY-Wohn­zim­mer­kon­zert besuchte, das in dem Haus statt­fand, in dem Amos zu der Zeit wohnte. 2016 ver­öf­fent­lich­ten sie unter dem Namen Water From Your Eyes ihre selbst­be­ti­telte Debüt-EP. Ihre Musik lässt sich sti­lis­tisch nur schwer fest­le­gen – sie bewegt sich gekonnt zwi­schen Alt-Pop, Art-Rock, Kraut­rock, Expe­ri­men­tal-Pop, Indie-Pop und Shoe­gaze, wobei sie sich selbst gern als Dance-Punk bezeich­nen. Anfang 2023 ver­kün­det das Duo den Wech­sel zum Indie-Label Mata­dor Records – hier erscheint ihr gefei­er­tes Everyone’s Crus­hed“. Damit wird das Duo fes­ter Bestand­teil der New Yor­ker Indie-Szene. Live wird die Band inzwi­schen von Al Nardo (Gitarre) und Bai­ley Wol­lo­witz (Drums) ergänzt. Neben Fes­ti­val- und Tour­shows (u. a. vor 160.000 Fans in Mexiko-Stadt als Sup­port von Inter­pol) orga­ni­sier­ten sie in New York auch eigene DIY-Boots­kon­zerte. Par­al­lel arbei­ten bei­den an ihren Solo-Pro­jek­ten thanks for coming“ (Rachel Brown) und This Is Lore­lei“ (Nate Amos).

Water From Your Eyes, It's A Beautiful Place

Water from Your Eyes
It’s A Beautiful Place

Ver­öf­fent­licht: 22. August 2025
Label: Mata­dor

There’s no enemynothing but skinGod make me wind

Text­aus­schnitt aus Blood on the Dollar”

13,79 Mil­li­ar­den Jahre ist das Uni­ver­sum alt – der Mensch hin­ge­gen kratzt mit sei­nen 300.000 Jah­ren kaum an der Ober­flä­che. Ein kos­mi­sches Wim­pern­zucken vol­ler Chaos, Schön­heit und Selbst­über­schät­zung. Genau die­sem Span­nungs­feld zwi­schen Bedeu­tungs­lo­sig­keit und Grö­ßen­wahn wid­men sich Water From Your Eyes auf ihrem sechs­ten Album„It’s A Beau­tiful Place“. Die Erde über­lebt uns sowieso. Wir sind nur ein kur­zes Auf­fla­ckern“, kom­men­tiert Nate Amos tro­cken. Ein Auf­fla­ckern, das mal nach Nu-Metal klingt, mal nach Grunge, letzt­lich aber oft in ver­träum­tem Dream-Pop landet.

Vom Schlafzimmer zur großen Bühne

Auf­ge­nom­men wurde das Album wie alle bis­he­ri­gen: in Amos’ Schlaf­zim­mer, unter den wach­sa­men Augen eines zer­fled­der­ten Robin-Wil­liams-Pos­ters aus der Mork & Mindy“-Ära. Im Grunde“, wit­zelt Amos, ist Robin wie ein stil­les Mit­glied von Water From Your Eyes.“ Doch längst ist aus dem DIY-Pro­jekt eine Band für große Büh­nen gewor­den. It’s A Beau­tiful Place“ ist mit knapp 30 Minu­ten Spiel­zeit ein schlan­kes Album – aber voll­ge­stopft mit Ideen.

Zwischen Shoegaze und Kraut

Der Ein­stieg One Small Step“ schwebt 30 Sekun­den lang schwe­re­los, bevor Life Signs“ mit hek­ti­schen 5/​8‑Beats los­bricht. Rachel Browns stoi­scher Gesang öff­net sich zu einem gewal­ti­gen Refrain, wäh­rend Amos die Gitarre mal­trä­tiert. Nights in Armor“ ver­wan­delt die bra­chia­len Riffs in ver­schlei­er­ten Shoe­gaze, Born 2“ legt noch eine Schippe drauf mit wuch­ti­gen Gitar­ren und glit­zern­den Syn­ths. Nach einem kur­zen, instru­men­ta­len, ambi­ent­haf­ten Inter­lude You Don’t Believe in God?“ schlägt Space­ship“ eine neue Rich­tung ein: psy­che­de­li­scher Kraut­rock, indisch anmu­tende Gitar­ren­fi­gu­ren, brü­chige Beats und plötz­li­che Kurs­wech­sel zwi­schen Melo­die und Dissonanz.

Tanz auf dem Vulkan

Das Herz­stück der Platte ist Play­ing Clas­sics“ – ein pum­pen­der Dance-Pop-Track, getra­gen von einer flir­ren­den Piano-Linie, die sich über sechs Minu­ten hält. We’ve got modern idols for the end of an age /​There’s no lost future, baby“, singt Brown, wäh­rend die Band den Dance­f­loor am Rand des Unter­gangs fei­ert. Knappe 50 Sekun­den lang sägt der kur­zen, noi­si­gen Titel­track bevor er naht­los in den zar­ten, leicht wind­schie­fen­In­die-Rocker Blood on the Dol­lar“ über­geht, der ein wenig Hoff­nung macht: There’s no enemy /​not­hing but skin /​God make me wind“. Im Kon­text des Albums klingt es wie ein klei­nes, poe­ti­sches Plä­doyer für Frie­den durch Auf­lö­sung des Egos – ein Sich-Klein­ma­chen im Ange­sicht des gigan­ti­schen Uni­ver­sums. Mit der ein­mi­nü­ti­gen, düs­te­ren Ambi­ent-Indus­trial-Minia­tur For Man­kind“ been­den ihr kur­zes, aber kurz­wei­li­ges Album.

Chaos und Schhönheit

It’s A Beau­tiful Place“ ist ein kom­pak­tes, aber enorm viel­sei­ti­ges Werk: von Shoe­gaze bis Dance-Pop, von Kraut­rock bis Ambi­ent. Water From Your Eyes ver­dich­ten Chaos und Schön­heit, Iro­nie und Ernst zu einem Sound­track unse­rer kos­mi­schen Bedeu­tungs­lo­sig­keit – und machen dar­aus ein klei­nes, berau­schen­des Erlebnis.