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Yard Act

ca. 4 Minu­ten

Yard Act haben sich, hör­bar von Post-Punk beein­flusst, in der nord­eng­li­schen Stadt Leeds gegrün­det. Sän­ger James Smith und Bas­sist Ryan Need­ham star­ten 2019 zunächst als Duo. Als man sich einig ist, in wel­che Rich­tung man sich ent­wi­ckeln will, ver­voll­stän­di­gen Gitar­rist Sam Ship­stone und Drum­mer Jay Rus­sell das Quar­tett. Schon die erste Sin­gle The Trapper’s Pelt“ wird 2020 ein Ach­tungs­er­folg. Schon bald bekom­men sie einen Plat­ten­ver­trag bei Island Records. Ihr sen­sa­tio­nel­les und zurecht erfolg­rei­ches Debüt­al­bum The Over­load“ von 2022 steigt auf Anhieb auf Platz 2 der bri­ti­schen Charts ein, wäh­rend die Vinyl­aus­gabe bereits in der ers­ten Woche einen Ver­kaufs­re­kord für ein Band­de­büt seit 2000 aufstellt.

Yard Act

You’re Gonna Need A Little Music

Ver­öf­fent­licht: 17. Juli 2026
Label: Island/​Universal

You’re Gonna Need A Little Music– Albumreview

You envy the freak
I can see it in your eyes
No one is happy with this arrangement
How could we know
Any other way to live?

Text­aus­schnitt aus Rede­emer”

Yard Act ver­ab­schie­den sich auf ihrem drit­ten Album ein Stück weit vom bis­si­gen Post-Punk-Zynis­mus ihrer Anfangs­tage. You’re Gonna Need A Little Music“ setzt statt­des­sen auf große Melo­dien und Brit­pop-Anlei­hen und wird zum sti­lis­tisch ihr bis­lang viel­sei­tigste Album. Die bri­ti­sche Indie-Rock-Band aus Leeds schlägt damit ein neues Kapi­tel auf: Zum ers­ten Mal ent­steht ein Album, das von der kom­plet­ten Band aus Leeds in einem aus­gie­bi­gen Song­wri­tin­gro­zess geschrie­ben wurde. Auf­ge­nom­men zwi­schen Leeds und Los Ange­les und pro­du­ziert von Jus­tin Mel­dal-John­sen (Nine Inch Nails, Beck, St. Vin­cent), bewahrt es den coo­len, rebel­li­schen Cha­rak­ter bri­ti­scher Under­ground-Musik, klingt aber so ver­dammt gut und modern, dass es welt­weit im Radio lau­fen könnte.

Weniger Wut, mehr Wärme

Als The Over­load“ erschien, war Yard Act eine der cle­vers­ten Bands der bri­ti­schen Post-Punk-Renais­sance. James Smith sezierte den All­tag mit tro­cke­nem Humor, mes­ser­schar­fen Beob­ach­tun­gen und einer gehö­ri­gen Por­tion Sar­kas­mus. Where’s My Uto­pia?“ öff­nete das Klang­bild bereits für Disco, Syn­the­si­zer und Pop. Nun geht You’re Gonna Need A Little Music“ noch einen Schritt wei­ter: Gitar­ren strah­len, Blä­ser set­zen Akzente, Refrains wol­len mit­ge­sun­gen wer­den. Die Schärfe frü­he­rer Tage ist zwar etwas in den Hin­ter­grund gerückt, dafür klingt alles wär­mer und zugänglicher.

Immer noch rau, aber unwägbar

Musi­ka­lisch ist das beein­dru­ckend. Kan­tig und rum­pe­lig geht es im auf­rüh­re­ri­schen Rede­emer“ zu, Chero­phobe Rock“ erweist sich als pogo-taug­lich, Tall Tales“ greift mit inein­an­der ver­schach­tel­ten Gitar­ren den alten Post-Punk-Sound der Band auf und auf Janey Said“ wird es dann mal rich­tig seicht – Yacht-Pop trifft Hip-Hop. Immer wie­der blit­zen Ein­flüsse von Blur, Pulp oder den Arc­tic Mon­keys auf. Die Songs sind abwechs­lungs­reich arran­giert und besit­zen eine unge­heuer Spielfreude. 

Mehr Feel-Good

Das alles klingt her­vor­ra­gend. Doch wo James Smith einst der scharf­zün­gige Erzäh­ler bri­ti­scher Absur­di­tä­ten war, ste­hen heute Zwei­fel, Hoff­nung und die Suche nach Ori­en­tie­rung im Mit­tel­punkt. Das wirkt per­sön­li­cher – kos­tet Yard Act aber auch einen Teil ihrer mes­ser­schar­fen Schlag­kraft. Das ist nach­voll­zieh­bar und ehr­lich. Ges­tern zähl­ten Pro­vo­ka­tion, heute eher Feel-Good. Und trotz­dem: Selbst, wenn auf dem neuen Album etwas von der frü­he­ren Bis­sig­keit abhan­den­kommt, bleibt der fein­sin­nige Humor von Yard Act erhalten.

Pop mit Haltung statt Parolen

Yard Act woll­ten den Erfolg ihres Debüts offen­sicht­lich nicht ein­fach repro­du­zie­ren. Statt­des­sen ent­wi­ckeln sie sich wei­ter und neh­men bewusst in Kauf, einige Fans der ers­ten Stunde zu ver­lie­ren. You’re Gonna Need A Little Music“ ist das bis­lang zugäng­lichste und melo­dischste Album der Band. Auch wenn nicht jede Pointe sitzt, mich ent­täuscht das Album nicht. Manch­mal ist das tat­säch­lich genau die Musik, die ich gerade brauche.

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Yard Act, Where's My Utopia?

Yard Act

Where’s My Utopia?

Ver­öf­fent­licht: 01. März 2024
Label: Island/​Universal

Where’s My Uto­pia? – Albumreview

And I was kinda doomed from the start, I think
Because instantly, my foot slipped, bit into the brick
And I split the skin and bust both lips

Text­aus­schnitt aus Black­pool Illuminations”

Nach dem groß­ar­ti­gen Debüt ver­öf­fent­li­chen Yard Act nun ihr schwie­ri­ges, zwei­tes Album – und es stellt sich die Frage: Ein­fach wei­ter­ma­chen und hof­fen, dass das Post­punk-Kon­zept ein wei­te­res Mal ein­schlägt? Aber so leicht will es sich das Quar­tett dann doch nicht machen. Selbst­iro­nisch beschreibt James Smith im Song We Make Hits“, wie Post Punks latest pos­ter boys“ das Erbe ver­gan­ge­ner Hel­den für sich aus­schlach­ten – und fol­ge­rich­tig ver­lässt die Band die aus­ge­tre­te­nen Pfade des Post-Punks. Sti­lis­tisch tes­tet Yard Act nun­mehr andere Sounds und Klang­far­ben aus. Plötz­lich gehö­ren gekonnte DJ-Scrat­ches, lockere ass-moving Groo­ves, gelun­gene Dub-Rhyth­men und läs­si­ger Disco-Punk der 80er mit zu den musi­ka­li­schen Bau­stei­nen eines Yard-Act-Albums und das kann dann sogar mal funky klin­gen. Lead­sän­ger James Smith erklärt dazu, dass die Band mit dem neuen Album ihren Fans auch ihre Liebe zu ande­ren Musik­rich­tun­gen zei­gen und näher­brin­gen will. Dass diese Melange so wun­der­bar gelun­gen ist, liegt sicher auch an Remi Kabaka Jr., Drum­mer und Pro­du­zent von Goril­laz, der bei der Pro­duk­tion des Albums an den Reg­lern sitzt und die Band mit Elek­tro-Beats, syn­the­ti­schen Strei­chern, ver­schro­be­nen DJ-Scrat­ches und wüs­ten Samples ein wenig in Rich­tung Hip-Hop und Disco treibt. Und so tra­gen auch einige der Tracks unver­kennt­bar die Hand­schrift der Gorillaz.

We make Hits

So star­tet das Album mit An Illu­sion“ mit einem schwer an Beck erin­nern­den groo­vi­gen Sla­cker-Hip­Hop. Und dann geht der große Spaß auch schon los: Mit drah­ti­gem Bass­lauf und coo­lem Mit­müs­ser-Beat machen sie ihr Ver­spre­chen wahr und machen Hits, wol­len Spaß, dem Kli­ma­wan­del zum Trotz: We just wanna have some fun before we’re sunk /​And if that’s the atti­tude you exude, then you know you’re really punk.“ Beim Disco-Knül­ler Dream job“ über­trei­ben sie viel­leicht ein wenig, krie­gen aber auch hier mit kan­ti­gen Gitar­ren-Riffs immer wie­der die Kurve. In der wun­der­ba­ren Pop-Num­mer When the laugh­ter stops“ springt Katy J Pear­son als Gast­vo­ka­lis­tin ein und gibt dem Track einen wahn­sin­ni­gen Pop-Appeal. Es ist ein Album vol­ler Chaos und Humor und so unver­fälscht bri­tisch, dass man es ein­fach lie­ben muss — das über sie­ben­mi­nü­tige Black­pool Illu­mi­na­ti­ons“ unter­streicht dies aufs Beste. Where’s My Uto­pia?“ schlägt ein neues, selbst­be­wuss­tes zwei­tes Kapi­tel für Yard Act auf, das sich mit Spaß und Augen­zwin­kern mit dem Chaos die­ser Welt aus­ein­an­der­setzt. Die­ses Album ist ein Hit…

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Tidal
Deezer
Apple-Musik
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