Yoko Ono
„Music Of The Mind“
28.09. — 16.03.2025
K20 der Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
Eine große Ausstellung im K20 in Düsseldorf würdigt die radikale künstlerische Arbeit der heute 91-jährigen Yoko Ono. Die umfassende Retrospektive „Yoko Ono: Music of the Mind“ – eine Kooperation der Tate Modern in London und der Kunstsammlung NRW (K20) – zeigt chronologisch über 200 Werke dieser Pionierin der Konzept- und Fluxuskunst und dokumentiert die Vielschichtigkeit und Kreativität ihrer Arbeit: Handlungsanweisungen, Performances, Partituren, Videos, Fotografien, Objekte, Musik und Texte, die in Japan, den USA und Großbritannien entstanden sind. Viele der Werke laden das Publikum ein, mit ihnen zu interagieren, und werden erst durch die Reaktionen der Betrachtenden vollständig. Ein Beispiel dafür ist „Painting to be Stepped On“, erstmals veröffentlicht 1960/61: Leinwandreste liegen auf dem Boden, über die man achtlos laufen oder bewusst herumgehen kann. Oder das „Lighting Piece“ aus den 1950er Jahren, das auffordert: „Zünde ein Streichholz an und schaue ihm beim Verglühen zu.“ Ein kleiner Film zeigt, wie Yoko Ono die Performance selbst ausführt.
Interaktion und Handeln
Viele der Exponate bestehen aus reinen Instruktionen, die wie Partituren gestaltet sind und vom Publikum Interpretationen erfordern. So etwa die Aufforderung: „Trage eine Tüte mit Erbsen. Lass eine Erbse fallen, wo immer du hingehst.“ oder „Schreib fünfhundert Telefonnummern auf eine Stelle einer Leinwand, die so groß ist wie deine Handfläche.“ Wer Onos Instruktionen folgt, erschafft eigene Bilder im Kopf oder setzt diese real um. Ein Beispiel dafür ist eine Leinwand, auf die die Besuchenden mit bereitliegenden Stiften die Schatten ihrer Körper übertragen können. Auch das letzte Werk der Ausstellung ist eine interaktive Handlungsanweisung: „Add Color (Refugee Boat) /Just blue /like the ocean /y.o.“. In der Mitte eines weißen Raums steht ein schneeweißes Ruderboot. Mit Filzstiften in verschiedenen Blautönen können Besucher Wände und Boot mit Botschaften füllen. Neben dem Erwartbaren wie „Ich war auch hier!“ finden sich unzählige Gedanken und Wünsche zu zeitaktuellen Themen. Überhaupt: Wünsche, Sehnsüchte und Imagination sind die großen Themen dieser Ausstellung.
Wünsche und Imagination
„Wish Tree“, eine fortlaufende Kunstinstallationsserie, die Yoko Ono 1996 startete, lädt das Publikum ein, persönliche Wünsche auf Zettel zu schreiben und diese an einen Baum zu hängen. „Ihre Kunst ist ein Aufruf zum Handeln, um gemeinsam die Welt zu verändern, einen Wunsch nach dem anderen“, heißt es im begleitenden Ausstellungstext. Es gibt Schachbretter, auf denen beide Spieler ausschließlich mit weißen Figuren spielen. Die Partie verlagert sich so weitgehend in die Vorstellungskraft der Beteiligten. In schwarzen Säcken, die den gesamten Körper verhüllen, wird freie Kommunikation möglich: Man kann sich in ihnen aus- und wieder anziehen oder einfach ein wenig darin schlafen. Diese Performance-Idee führte Yoko Ono bereits vor über 60 Jahren auf. Sie und John Lennon gaben sogar Interviews, während sie in diese Säcke gehüllt waren. Ebenfalls aus dieser Zeit stammen die Werke aus Onos Herbstausstellung „Unfinished Paintings & Objects by Yoko Ono“, die 1966 in der Indica Gallery in London präsentiert wurde und aus kleinen Ready-Mades besteht – eines davon „Eternal Time“, ein Wecker ohne Stundenzeiger und mit einem Stethoskop, mit dem man dem endlosen Geräusch der vergehenden Zeit lauschen kann. Das Werk „Apple“ zeigt einen handelsüblichen Apfel und lädt dazu ein, „das aufregende Erlebnis zu genießen, dem Apfel beim Verfaulen zuzusehen“. John Lennon besuchte die Ausstellung am Tag vor ihrer Eröffnung und biss herzhaft in den Apfel – so lernten sich Lennon und Ono kennen.

„Film No. 4 (Bottoms)“, 1966 : Rund 200 frontale Nahaufnahme sich bewegender und vermeintlich vorwärts schreitender nackten Pobacken. Unter den Hinterteilen finden sich auch einige Exemplare berühmter Kunst-Kolleginnen und ‑Kollegen der damaligen Londoner Szene. „Reihe als Friedenspetition Hintern statt Unterschriften aneinander“ lautete Onos Anweisung für die Arbeit.
Musik und Philosophie
Die 1933 in Tokio geborene Yoko Ono studierte klassische Musik und Philosophie – kaum verwunderlich, dass sie zu den ersten gehörte, die Popmusik und Konzeptkunst miteinander verbanden. Zahlreiche Alben zeugen davon, die in der Ausstellung über Kopfhörer zu hören sind. Ein Beispiel ist das „Wedding Album“ mit lediglich zwei Tracks. Der erste, „John & Yoko“, wurde am 22. April 1969 in den Abbey Road Studios aufgenommen und besteht ausschließlich aus der fortwährenden Aneinanderreihung der Vornamen „John“ und „Yoko“, die John Lennon und Yoko Ono in verschiedenen Stimmlagen ausrufen. Unterlegt sind die Stimmen mit dem Pochen ihrer beiden Herzen. Der zweite Track, „Amsterdam“, besteht größtenteils aus Interviews von Lennon und Ono, in denen sie ihre Friedenskampagnen erklären, sowie Diskussionen, die während eines „Bed-In“ auf ihrer Hochzeitsreise im Hilton Hotel in Amsterdam mit einem Kassettenrekorder aufgenommen wurden. Dazu sind Hintergrundgeräusche wie Möwen, Verkehr, spielende Kinder und Sitars zu hören. Auch das Debüt-Soloalbum „Yoko Ono/Plastic Ono Band“, das im Dezember 1970 zusammen mit „John Lennon/Plastic Ono Band“ auf Apple Records veröffentlicht wurde, ist in der Ausstellung zu hören. Es enthält Onos stimmliche Improvisationen, begleitet von der Plastic Ono Band (mit Lennon an der Gitarre, Ringo Starr am Schlagzeug und Klaus Voormann am Bass). Es ist ein experimentelles Album, das sich durch rohe, emotionale Intensität auszeichnet. Es enthält freie Vokalimprovisationen und minimalistische Instrumentierung. Darüber hinaus sind ihre Avantgarde-Alben „Fly“ (1971), „Approximately Infinite Universe“ (1973), „Season of Glass“ (1981), das nach dem Tod von John Lennon entstand und sich tief mit Verlust und Trauer auseinandersetzt, und „It’s Alright (I See Rainbows)“ (1982) zu hören. Allein das musikalische Œuvre dieser außergewöhnlichen Künstlerin macht einen Besuch in der Kunstsammlung lohnenswert. Und auch wenn ihre Werke oft polarisieren, haben sie einen großen Einfluss auf die Avantgarde-Musik und die alternative Kunstszene ausgeübt.

„Unfinished Music No. 1: Two Virgins“, 1968, ist das erste Album, das John Lennon gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Yoko Ono aufnahm. Es ist ein avantgardistisches Album, entstanden in einer einzigen nächtlichen Improvisationssession. Es besteht aus experimentellen Klangcollagen, die Vokalimprovisationen, Geräusche und elektronische Effekte kombinieren, ohne traditionelle Songstrukturen. Das Album ist ebenso bekannt für sein kontroverses Cover und wurde zu einem Meilenstein in der Fluxus- und Konzeptkunst.