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Oral Habit

ca. 3 Minu­ten

Oral Habit sind ein Trio aus Brigh­ton bestehend aus Sän­ger und Gitar­rist Char­lie Hales, sei­nen Bru­der Felix Hales am Schlag­zeug und Bas­sis­tin Tippi Lewis. Ihr Sound ver­bin­det Garage-Rock, Psy­che­de­lic, Punk und Freak­beat zu einer unbe­re­chen­ba­ren Mischung, die die Band selbst als ear ratt­ling dream of cho­ked up acid punks“ bezeich­net. Nach ers­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen wie Car­dio­vas­cu­lar Spec­ta­cu­lar und der EP Garage Frock! erschien im Juni 2026 das Debüt­al­bum A Bro­ken Chord“ bei Kraut­pop! Records. Dar­auf zeigt das Trio seine Vor­liebe für über­steu­erte Ver­stär­ker, abrupte Tem­po­wech­sel und fuzzge­tränk­ten psy­che­de­li­schen Sounds, die jeder­zeit aus der Spur zu gera­ten dro­hen – und gerade des­halb so leben­dig wirken.

Oral Habit, A Broken Chord

Oral Habit

Broken Chord

Ver­öf­fent­licht: 12. Juni 2026 
Label: Kraut­pop! Records

Hit and run
The damage done
Fought the foe
We’re all just gonna burn

Text­aus­schnitt aus Faux Fidelity“

Auf ihrem Debüt A Bro­ken Chord“ las­sen Oral Habit Garage, Psy­che­de­lic und Punk fron­tal auf­ein­an­der­pral­len. Das Ergeb­nis ist ein ner­vö­ses, fuz­zi­ges Album, das keine Idee lange genug ver­folgt, um lang­wei­lig zu wer­den.
Wenn da ein Knopf ist, muss man ihn drü­cken“: Mit die­sem Grund­satz beschreibt Front­mann und Gitar­rist Char­lie Hales die Arbeits­weise von Oral Habit in einem eng­li­schen Musik­ma­ga­zin ziem­lich tref­fend. Gemein­sam mit sei­nem Bru­der Felix am Schlag­zeug und Bas­sis­tin Tippi Lewis hat er ein Debüt auf­ge­nom­men, das per­ma­nent kurz vor dem Über­dre­hen steht: Gitar­ren krei­schen, Drums rat­tern, Rhyth­men kip­pen plötz­lich weg und irgendwo dar­un­ter läuft ein trei­ben­der psy­che­de­li­scher Groove.

Ein kaputter Akkord

Das Album beginnt mit einem kur­zen, ver­spielt-absur­den Intro: Dear lis­te­ner, a bro­ken chord can repre­sent that what there makes thee chord a chord, assem­bled resem­bles the fol­lo­wing. Much like the alpha­bet begin­ning with A B C.“ Den eigent­li­chen Start­schuss setzt anschlie­ßend Sur­face Brea­ker“: Peit­schende Snare-Schläge schnei­den durch ein Surf-Riff, der Gesang tau­melt dar­über hin­weg, die Gitarre schlägt psy­che­de­li­sche Fun­ken und der Song wech­selt immer wie­der die Rich­tung.
Genau diese Unbe­re­chen­bar­keit ist das eigent­li­che Prin­zip von A Bro­ken Chord“. Das klingt schmut­zig und zugleich erstaun­lich prä­zise; Erin­ne­run­gen an The Osees lie­gen nahe. Oral Habit spie­len mit dem Kon­troll­ver­lust, ohne ihn tat­säch­lich aus der Hand zu geben. Sie wis­sen, wann ein Song aus der Kurve flie­gen darf – und wann er bes­ser wie­der auf die Straße zurück­kehrt.
Faux Fide­lity“ ist dabei so etwas wie das Mani­fest des Albums. Zwi­schen Garage-Rock, kan­ti­gen Rhyth­mus­wech­seln und einer dicken Fuzz-Schicht erklärt die Band ihre Unab­hän­gig­keit vom stän­dig Lang­wei­li­gen“. Es ist die Hal­tung, die sich durch das gesamte Album zieht: Nichts wird geglät­tet, Über­gänge wer­den nicht ent­schärft. Statt­des­sen lebt die Musik von har­ten Schnit­ten, über­steu­er­ten Ver­stär­kern und einer bewusst unge­schlif­fe­nen Direktheit.

Live-Energie im Studio

Faux Fide­lity“ legt mit ner­vö­sen Gitar­ren, wech­seln­den Tempi und einem Rhyth­mus, der sich nie ganz fest­le­gen will, noch ein­mal nach. Che­kov“ beginnt ver­gleichs­weise kon­trol­liert, baut eine hyp­no­ti­sche Span­nung auf und endet schließ­lich in einem fuz­zi­gen Gitar­ren­sturm.
Dabei ent­wi­ckeln Oral Habit eine bemer­kens­werte Live-Ener­gie, die im Stu­dio nicht glatt­ge­bü­gelt wurde. Man hört förm­lich den klei­nen, ver­schwitz­ten Club vor sich, die Ver­stär­ker am Anschlag und eine Band, die jeder­zeit beschlie­ßen könnte, ihren eige­nen Song aus­ein­an­der­zu­neh­men. Noise-Rock, indus­tri­el­ler Druck und Punk-Atti­tüde sor­gen dafür, dass jeder Ver­such einer ein­deu­ti­gen Gen­re­zu­ord­nung schei­tert. Gleich­zei­tig gönnt sich die Band über­ra­schende Aus­wege. Thin Trip­pin’“ besitzt eine deut­lich slea­zi­gere, lang­sa­mere Seite, The Glove“ schielt Rich­tung Queens of the Stone Age, wäh­rend Do The Dog“ nach kaum andert­halb Minu­ten schon wie­der ver­schwun­den ist. Und dann kommt Croo­ner & Moon“ und been­det das Album bei­nahe melancholisch.

Der Reiz der Reibung

A Bro­ken Chord“ ist ein furcht­lo­ses, detail­rei­ches Debüt, das bei jedem Durch­lauf neue Abzwei­gun­gen offen­bart. Inso­fern ist der Album­ti­tel ziem­lich gut gewählt: Ein gebro­che­ner Akkord ist schließ­lich nicht ein­fach ein fal­scher Akkord. Er kann inter­es­san­ter sein als der rich­tige. Oral Habit inter­es­sie­ren sich offen­sicht­lich genau für diese Momente, in denen etwas nicht so klingt, wie es eigent­lich sollte. Und das hört man gern – immer wieder.