And Also The Trees

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And Also The Trees ist eine eng­li­sche Post‑Punk‑Band aus dem Dorf Inkber­row in Worces­ter­shire, gegrün­det 1979 von den Brü­dern Simon und Jus­tin Jones sowie Gra­ham und Nicho­las Havas. Früh mach­ten sie im Umfeld von The Cure auf sich auf­merk­sam, tour­ten mit ihnen und lie­ßen ihre ers­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen von Robert Smith und Lol Tol­hurst pro­du­zie­ren. Cha­rak­te­ris­tisch sind das man­do­li­nen­ar­tige Gitar­ren­spiel von Jus­tin Jones, der poe­ti­sche, oft sprech­ge­sangs­ar­tige Vor­trag von Sän­ger Simon Huw Jones und eine stark von länd­li­cher eng­li­scher Land­schaft geprägte, melan­cho­li­sche Atmo­sphäre. Sti­lis­tisch ent­wi­ckelte sich die Band von düs­ter-atmo­sphä­ri­schem Post‑Punk und Gothic Rock hin zu Ein­flüs­sen aus Jazz, Blues und Beat­mu­sik, blieb dabei mit ihrer eige­nen, fast zeit­lo­sen Klang­spra­che aber stets eigen­stän­dig und unab­hän­gig. Alben wie Virus Mea­dow“ (1986) oder Fare­well to the Shade“ (1989) eta­blier­ten ihren Ruf als Band jen­seits kla­rer Gen­re­gren­zen. Bis heute gel­ten And Also The Trees als eigen­wil­lige Kon­stante im unab­hän­gi­gen Musik­uni­ver­sum: nie laut im Main­stream, aber über Jahr­zehnte hin­weg künst­le­risch kom­pro­miss­los. Mit ihrer Mischung aus lite­ra­ri­scher Bild­kraft, ele­gi­scher Klang­ar­chi­tek­tur und bestän­di­ger Wei­ter­ent­wick­lung gehö­ren sie zu den lang­le­bigs­ten und zugleich unter­schätz­tes­ten For­ma­tio­nen des bri­ti­schen Post-Punk und ver­fü­gen vor allem in Kon­ti­nen­tal­eu­ropa über eine treue Kult‑Fangemeinschaft.

And Also The Trees, The Devil’s Door

And Also The Trees
The Devil’s Door

Ver­öf­fent­licht: 27. Februar 2026
Label: AATT

Mit The Devil’s Door“ prä­sen­tie­ren And Also The Trees (AATT) einen wei­te­ren fas­zi­nie­ren­den Mei­len­stein – ein poe­ti­sches, inten­si­ves Album mit einer unter­schwel­li­gen dunk­len Psy­che­de­lia. Es ver­voll­stän­digt die Tri­lo­gie der aktu­el­len Beset­zung: The Bone Car­ver“, Mother-of-Pearl Moon“ – und nun die­ses Werk, das wie eine Essenz aus bei­dem wirkt. Hier fin­den sich die cha­rak­te­ris­ti­schen poe­ti­schen Texte, die orches­tra­len Gitar­ren­land­schaf­ten und jene cine­as­ti­sche Dra­ma­tur­gie, die seit jeher zum Mar­ken­kern der Band gehö­ren. Doch The Devil’s Door“ öff­net den Klang­raum noch wei­ter. Gast­vio­li­nis­tin Cathe­rine Gra­ind­orge – auf deren Album Songs for the Dead“ wie­derum Simon Huw Jones mit­wirkte – erwei­tert das Spek­trum um kam­mer­mu­si­ka­li­sche und avant­gar­dis­ti­sche Nuan­cen. Elf Tracks, kein Alters­werk im klas­si­schen Sinne, kein nost­al­gi­scher Rück­blick. Viel­mehr ein wei­te­rer Schritt in jene schat­ti­gen Zwi­schen­rei­che, die das bri­ti­sche Brü­der­paar seit den frü­hen Acht­zi­gern kartografiert.

Der Schlüssel zum Album

Der Ope­ner The Sil­ver Key“ beginnt mit man­do­li­nen­ar­ti­gen Gitar­ren­fi­gu­ren, wäh­rend der Rhyth­mus in einem hyp­no­ti­schen Shuffle pul­siert. Dar­über legen sich die gereif­ten, war­men Bari­ton-Vocals von Simon Huw Jones, die Spra­che und Atmo­sphäre nahezu untrenn­bar ver­schmel­zen las­sen. Der Song steht exem­pla­risch für den aktu­el­len Sound der Band: eine sub­tile Fusion aus Post-Punk, Dark Jazz und psy­che­de­li­scher Tie­fen­schärfe. Kein Zufall, dass gerade die­ser Track das Tor öff­net – er funk­tio­niert wie eine Ein­la­dung, die Schwelle bewusst zu überschreiten.

Kino für die Ohren

Mit The Cross­hair“ und Roof­top“ ver­schiebt sich der Fokus ein wenig. Hier insze­nie­ren sich AATT als Kom­po­nis­ten ihres eige­nen ima­gi­nä­ren Films. Schroffe, jedoch nie bra­chiale Gitar­ren tref­fen auf orches­trale Arran­ge­ments, die zwi­schen aske­ti­schem Mini­ma­lis­mus und schwel­ge­ri­scher Dichte oszil­lie­ren. Kla­ri­net­ten und Oboen sor­gen für eine fast kam­mer­mu­si­ka­li­sche Tex­tur. Der Wech­sel zwi­schen dunk­lem Gesang und auf­blit­zen­den Blä­ser­mo­ti­ven erzeugt eine sub­tile Span­nung – nicht pla­ka­tiv, son­dern kon­trol­liert. Die Band baut keine Effekte, sie baut Atmo­sphä­ren. Und sie weiß genau, wann Stille mehr sagt als Pathos. Mit The Child In You“ folgt einer der berüh­rends­ten Momente des Albums. Fili­grane Melo­die­li­nien und poe­ti­sche Bil­der ver­lei­hen dem Stück eine fra­gile Offen­heit. Dem­ge­gen­über steht Return Of The Rea­pers“, des­sen düs­tere Rhyth­mik und knis­ternde Klang­land­schaft den fata­lis­ti­schen Unter­ton der Platte ver­dich­ten. Das fol­gende The Trick­ser“ kommt mit seich­ten Chan­son-Anlei­hen daher – und bei allem gibt Simon Jones den lar­moy­an­ten Croo­ner. Die­ses Wech­sel­spiel zwi­schen Ver­letz­lich­keit und laten­ter Bedro­hung, zwi­schen zart und unheil­voll macht The Devil’s Door“ zu einem fas­zi­nie­ren­den Erlebnis.

Sakrale Tiefe statt großer Geste

Im letz­ten Drit­tel gewinnt das Album eine bei­nahe sakrale Gra­vi­tät. As I Dive“ ent­fal­tet sich zu einem ver­träum­ten, aber nie­mals sanft­mü­ti­gen Song. Das instru­men­tale Begin­ning Of The End“ unter­streicht noch ein­mal die Vor­liebe der Band für cine­as­ti­sche Dra­ma­tur­gie. Keine klas­si­sche Song­struk­tur, son­dern Stim­mun­gen, die sich Schicht um Schicht auf­bauen. Zum Abschluss beschwört Shared Fate“ noch ein­mal die ver­traute dunkle Ästhe­tik: nar­ra­tive Tiefe, rhyth­mi­sche Prä­zi­sion, kon­trol­lierte Inten­si­tät. Große Refrains sucht man ver­ge­bens. Doch diese Reduk­tion ist kein Man­gel, son­dern Methode. The Devil’s Door“ ver­wei­gert bewusst das Spek­ta­kel – und gewinnt gerade dadurch an Wucht.

Vertraut, aber nicht bequem

The Devil’s Door“ ver­langt Auf­merk­sam­keit, Geduld und Hin­gabe. Wer sich die Zeit nimmt, ent­deckt ein Werk vol­ler fei­ner Details, Zwi­schen­töne und emo­tio­na­ler Tiefe. Es mag abge­nutzt klin­gen, aber die­ses Album ist wie ein alter, ver­trau­ter Freund, den man nach lan­ger Zeit wie­der sieht und bei dem sich sofort die alte Ver­bun­den­heit und Ver­traut­heit ein­stellt und man denkt, Mensch, wir soll­ten uns wie­der häu­fi­ger treffen“.