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King Hannah

King Han­nah ist ein Duo aus Liver­pool, beson­ders bri­tisch klin­gen sie dabei nicht. Zwar tau­chen immer wie­der Brit-Pop-Bezüge auf, aber die eigent­li­chen Wur­zeln ihrer Musik lie­gen mehr in der ame­ri­ka­ni­sche Roots­mu­sik, ver­wei­sen auf erdi­gen Blues, schrul­li­gen Coun­try oder rauen Folk. Die bei­den ler­nen sich einer Liver­poo­ler Bar ken­nen, wo Han­nah Mer­rick den neuen Kol­le­gen Craig Whittle für einen neuen Job ein­ar­bei­tet. Whittle besuchte bereits zwei Jahre vor­her einen Solo-Gig von Mer­rick und war von ihrer melan­cho­li­schen Lana Del Rey-Stimme tief beein­druckt. Der Gitar­rist über­re­det die Sän­ge­rin, gemein­sam Musik zu machen, auch ein Name ist schnell gefun­den: King Han­nah. Ihre Debüt-Sin­gle „Crème Brûlée“ erscheint im Sep­tem­ber 2020, kurz dar­auf folgt ihre Debüt-EP „Tell Me Your Mind And I’ll Tell You Mine“. Ihr ers­tes Album „I’m Not Sorry, I Was Just Being Me“ erscheint im Februar 2022. King Han­nah ver­öf­fent­li­chen außer­dem regel­mä­ßig Cover-Songs, bei­spiels­weise 2021 eine Ver­sion von Bruce Springsteens „State Tro­o­per“ und 2023 ihre Vari­ante von Madon­nas Hit „Like A Prayer“.

King Hannah, Big Swimmer

King Hannah

Big Swimmer

Ver­öf­fent­licht: 31. Mai 2024
Label: City Slang/Rough Trade


He said, „So tell me something about you„
I said, „Well, I’m a singer, musician too„
He said, „Oh no, not another one„
Rolled his eyes and moved on

Text­aus­schnitt aus „New York, Let’s Do Not­hing

Wenn einem beim Hören des Albums „Big Swim­mer“ zahl­rei­che andere Musiker*innen in den Sinn kom­men, ist nichts daran ver­kehrt. Zu offen­sicht­lich sind die Ein­flüsse und Inspi­ra­tio­nen. Sän­ge­rin Han­nah Mer­rick selbst nennt sie beim Namen: So heißt es im Track „Sud­denly, Your Hand“: „I like lis­tening to Bill Cal­la­han, He makes my heart feel warm.“ Auch die lako­ni­sche Erzähl­weise und der tro­ckene Humor kann man durch­aus als Cal­la­han-inspi­riert anse­hen. Einem wei­te­ren ame­ri­ka­ni­schen Sin­ger-Song­wri­ter wid­met sie mit dem coun­try­es­ken „John Prine on the Radio“ gar einen eige­nen Song. Im Ope­ner „I’m a big swim­mer. I’ll swim at any­thing“, einer Durch­halte- und Empower­ment-Hymne, die sowohl als Folk- wie auch als Rock-Ver­sion inter­pre­tiert wird, unter­stützt die ame­ri­ka­ni­sche Musi­ke­rin Sharon Van Etten das Duo – und spä­ter noch mal auf dem Track „This Wasn‘t Inten­tio­nal“. Das fol­gende „New York Let’s Do Not­hing“ ist rau und leicht spröde, der Sprech­ge­sang hier, wie bei einer Reihe ande­rer Tracks, erin­nert stark an Flo­rence Shaw von Dry Clea­ning. In ande­ren Songs wer­den Erin­ne­run­gen an Hope San­d­oval von Mazzy Star wach. „I feel like I am on the front cover of that ‚Slint‘ album“, heißt es im trei­ben­den Grunge-Song „Lily Pad“ und er zieht damit eine Linie von „Big Swim­mer“ zu dem Album „Spi­der­land” der ame­ri­ka­ni­schen Post-Rocker Slint, des­sen Cover vom eben­falls aus Louis­ville stam­men­den Sin­ger-Song­wri­ter Will Old­ham stammt – eine Schwarz-Weiß-Foto­gra­fie der in einem See baden­den Band.

Jede Menge filmischer Zitate

Neben den musi­ka­li­schen Inspi­ra­tio­nen fin­det man auch zahl­rei­che fil­mi­sche Anspie­lun­gen: Das getra­gene, schlep­pende Instru­men­tal „Scully“ bezieht sich offen­sicht­lich auf Agent Scully aus der X‑Files-Serie. Der Song „This Was­n’t Inten­tio­nal“ ori­en­tiert sich an der Geschichte des Oscar-nomi­nier­ten Art­house-Films „After­sun“. Oder im Song „Milk Boy (I Love You)“, einer düs­te­ren Miss­brauchs­ge­schichte mit der Zeile „They remin­ded me of McCo­n­aug­hey, in that film about aids that didn’t win enough“, der auf den Film „Dal­las Buy­ers Club“ anspielt. Das Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Der Spie­gel“ ver­gleicht „Big Swim­mer“ mit einem lako­ni­schen, kunst­voll foto­gra­fier­ten Indie-Film, in dem gar nicht so viel pas­siert, von dem man aber den­noch keine Sekunde ver­pas­sen will.

Die Suche nach Ausgewogenheit

„Big Swim­mer“ ist ein inten­si­ves, abwechs­lungs­rei­ches Album mit vie­len pophis­to­ri­schen Ver­wei­sen, das zwi­schen blue­si­ger Erdig­keit und post-rocki­ger Weite mäan­dert, das die Balance sucht zwi­schen Licht und Dun­kel­heit, lau­ten und stil­len Momen­ten, Ernst­haf­tig­keit und Humor. Im Pres­se­text zu „Big Swim­mer“ heißt es, Han­nah sei für die zor­ni­gen Texte und Craig für die roman­ti­schen zustän­dig. Und? „Ja, das ist rich­tig“, sagt Craig. „Uns war wich­tig, für die­ses Album eine Balance zu finden.”