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Monde UFO

Durch­schnitt­li­che Lese­dauer 2 Minu­ten

Das Duo Monde UFO aus Los Ange­les – bestehend aus Ray Monde und der Künst­le­rin Kris Chau – erschafft mit sei­ner Musik eine traum­ar­tige Klang­land­schaft zwi­schen Psy­che­de­lia, Space Rock, Free Jazz und Ambi­ent. Eine musi­ka­li­sche Vision, die selt­sam ent­rückt, medi­ta­tiv und doch ver­traut wirkt. Ent­stan­den ist das Pro­jekt in einem Lager­haus in Down­town L.A., wo Ray Monde auf einer alten Yamaha-Kir­chen­or­gel erste Demos auf­nahm. Hier ent­wi­ckelte er einen intro­spek­ti­ven Sound mit Ele­men­ten aus UFO-Mytho­lo­gie und Medi­ta­tion – zunächst allein, spä­ter gemein­sam mit Kris Chau, die kei­ner­lei musi­ka­li­sche Vor­er­fah­rung mit­brachte. Sie brachte statt­des­sen eine spie­le­ri­sche Nai­vi­tät ins Pro­jekt – statt tech­ni­scher Per­fek­tion stand der krea­tive Impuls im Vor­der­grund. So schuf das Duo eine eigene Klang­welt jen­seits gän­gi­ger Kate­go­rien – roh, emp­find­sam und gewürzt mit einer ordent­li­chen Prise DIY-Spirit.

Monde UFO, Flamingo Tower

Monde UFO

Flamingo Tower

Ver­öf­fent­licht: 07.03 2025
Label: Fire Records

They had everSlow reach, devil’s feet
Close your high slowly, sow and seed
Bad freak, low heave
Throw your sand soundly, lack of reach
Bad mistake

Text­aus­schnitt aus Devil Food Cake“

Fla­mingo Tower“, das erste Album der Band auf dem Label Fire Records, ist ein Spa­gat zwi­schen Medi­ta­tion und exzen­tri­scher Expe­ri­men­tier­freude. Über 37 Minu­ten flie­ßen Indie-Pop, Psy­che­de­lia, Free Jazz, Ambi­ent, Bossa Nova und Space-Rock wie zufäl­lig inein­an­der, ohne dabei bemüht oder retro zu klin­gen – es ist ein musi­ka­li­scher Gruß aus einem Paralleluniversum.

Space-Pop aus einem Paralleluniversum

Fla­mingo Tower“ ist eine Col­lage, ein mix­tape-arti­ges Gesamt­werk, das sich mal wie ein abge­fah­re­ner Pira­ten­sen­der anhört, mal wie der Sound­track zu einem Fie­ber­traum. Der Ope­ner Gam­bled House We’re Wiping Fire (Psalm 1)“ star­tet mit einer ver­husch­ten Vin­tage-Orgel, die schon bald von Ray Mon­des sono­rem Sprech­ge­sang ver­drängt wird. Zu einem schwe­ben­den Saxo­phon, unru­hi­gen Drums und einer hek­ti­schen Vio­line gesellt sich ein fer­ner Opern­so­pran – so ent­steht ein bedroh­li­cher Sound­track wie zu einem nächt­li­chen TV-Hor­ror­film. Rich­tig fröh­lich, mit viel Pop-Appeal, wird es dage­gen im fol­gen­den Sun­set Enter­tain­ment 3“. Ein war­mer Refrain wird beglei­tet von jau­len­den Gitar­ren, leich­ten Syn­thie­klän­gen und einem durch­gän­gi­gen, leicht trei­ben­den Beat. Samba 9“ führt in die Irre, denn die­ser melan­cho­li­sche Indie-Pop­song bezieht sich nicht auf einen latein­ame­ri­ka­ni­schen Musik­stil, son­dern auf einen Kult-Snea­ker von Adi­das – ver­träum­ter Dre­am­pop mit leicht schrä­gen Sound­schnip­seln. Tat­säch­lich tau­chen zarte Samba-Ele­mente spä­ter noch auf: im rhyth­misch ver­track­ten 119“. In Il Mor­ti­fi­canto“ tref­fen Indie-Pop und Sun Ras Space-Jazz auf­ein­an­der. Über­haupt: Jazz-Ele­mente sind stets prä­sent, wenn auch nie sound­be­stim­mend – sie schim­mern im Saxo­phon, im Impro-Ges­tus der Gitarre oder im Rhyth­mus des Drum­mings. Die ein­gangs erwähnte Orgel­me­lo­die des Ope­ners taucht auch in den Tracks Ave Tas­cam (Psalm 0)“ und Psalm 3“ wie­der auf. Sie fun­giert als musi­ka­li­sches Leit­sys­tem – zudem tra­gen diese drei Songs den Zusatz Psalm“.

Herrlich verspielt

Das trei­bende Devil Food Cake“ endet abrupt mit­ten im Refrain: Bad mistake, the sink is great /​Water drain, holy, read and weep /​Make cake…“ – und lässt einen rat­los zurück. Klingt anstren­gend? Mit­nich­ten. Monde UFO sind äußerst expe­ri­men­tell, mit viel Freude an der Impro­vi­sa­tion, behal­ten dabei jedoch eine spie­le­ri­sche Leich­tig­keit. Ihr Sound ist mal ambi­ent, mal noisy, mal ver­spielt, aber nie ver­kopft oder prä­ten­tiös. In ihrem musi­ka­li­schen Uni­ver­sum ist alles erlaubt: schief sin­gen, mit bil­li­gem Equip­ment arbei­ten, heu­lende Gitar­ren oder zucker­süße Orgel­me­lo­dien. Die Band erschafft ein Klang­uni­ver­sum, das nost­al­gisch wirkt, ohne je auf Nost­al­gie zu set­zen. Statt­des­sen spürt man beim Hören das alte Krib­beln der Ent­de­ckung – wie beim Durch­fors­ten längst ver­ges­se­ner, ver­staub­ter Plattenkisten.