Das Duo Monde UFO aus Los Angeles – bestehend aus Ray Monde und der Künstlerin Kris Chau – erschafft mit seiner Musik eine traumartige Klanglandschaft zwischen Psychedelia, Space Rock, Free Jazz und Ambient. Eine musikalische Vision, die seltsam entrückt, meditativ und doch vertraut wirkt. Entstanden ist das Projekt in einem Lagerhaus in Downtown L.A., wo Ray Monde auf einer alten Yamaha-Kirchenorgel erste Demos aufnahm. Hier entwickelte er einen introspektiven Sound mit Elementen aus UFO-Mythologie und Meditation – zunächst allein, später gemeinsam mit Kris Chau, die keinerlei musikalische Vorerfahrung mitbrachte. Sie brachte stattdessen eine spielerische Naivität ins Projekt – statt technischer Perfektion stand der kreative Impuls im Vordergrund. So schuf das Duo eine eigene Klangwelt jenseits gängiger Kategorien – roh, empfindsam und gewürzt mit einer ordentlichen Prise DIY-Spirit.
They had everSlow reach, devil’s feet
Textausschnitt aus „Devil Food Cake“
Close your high slowly, sow and seed
Bad freak, low heave
Throw your sand soundly, lack of reach
Bad mistake
„Flamingo Tower“, das erste Album der Band auf dem Label Fire Records, ist ein Spagat zwischen Meditation und exzentrischer Experimentierfreude. Über 37 Minuten fließen Indie-Pop, Psychedelia, Free Jazz, Ambient, Bossa Nova und Space-Rock wie zufällig ineinander, ohne dabei bemüht oder retro zu klingen – es ist ein musikalischer Gruß aus einem Paralleluniversum.
Space-Pop aus einem Paralleluniversum
„Flamingo Tower“ ist eine Collage, ein mixtape-artiges Gesamtwerk, das sich mal wie ein abgefahrener Piratensender anhört, mal wie der Soundtrack zu einem Fiebertraum. Der Opener „Gambled House We’re Wiping Fire (Psalm 1)“ startet mit einer verhuschten Vintage-Orgel, die schon bald von Ray Mondes sonorem Sprechgesang verdrängt wird. Zu einem schwebenden Saxophon, unruhigen Drums und einer hektischen Violine gesellt sich ein ferner Opernsopran – so entsteht ein bedrohlicher Soundtrack wie zu einem nächtlichen TV-Horrorfilm. Richtig fröhlich, mit viel Pop-Appeal, wird es dagegen im folgenden „Sunset Entertainment 3“. Ein warmer Refrain wird begleitet von jaulenden Gitarren, leichten Synthieklängen und einem durchgängigen, leicht treibenden Beat. „Samba 9“ führt in die Irre, denn dieser melancholische Indie-Popsong bezieht sich nicht auf einen lateinamerikanischen Musikstil, sondern auf einen Kult-Sneaker von Adidas – verträumter Dreampop mit leicht schrägen Soundschnipseln. Tatsächlich tauchen zarte Samba-Elemente später noch auf: im rhythmisch vertrackten „119“. In „Il Mortificanto“ treffen Indie-Pop und Sun Ras Space-Jazz aufeinander. Überhaupt: Jazz-Elemente sind stets präsent, wenn auch nie soundbestimmend – sie schimmern im Saxophon, im Impro-Gestus der Gitarre oder im Rhythmus des Drummings. Die eingangs erwähnte Orgelmelodie des Openers taucht auch in den Tracks „Ave Tascam (Psalm 0)“ und „Psalm 3“ wieder auf. Sie fungiert als musikalisches Leitsystem – zudem tragen diese drei Songs den Zusatz „Psalm“.
Herrlich verspielt
Das treibende „Devil Food Cake“ endet abrupt mitten im Refrain: „Bad mistake, the sink is great /Water drain, holy, read and weep /Make cake…“ – und lässt einen ratlos zurück. Klingt anstrengend? Mitnichten. Monde UFO sind äußerst experimentell, mit viel Freude an der Improvisation, behalten dabei jedoch eine spielerische Leichtigkeit. Ihr Sound ist mal ambient, mal noisy, mal verspielt, aber nie verkopft oder prätentiös. In ihrem musikalischen Universum ist alles erlaubt: schief singen, mit billigem Equipment arbeiten, heulende Gitarren oder zuckersüße Orgelmelodien. Die Band erschafft ein Klanguniversum, das nostalgisch wirkt, ohne je auf Nostalgie zu setzen. Stattdessen spürt man beim Hören das alte Kribbeln der Entdeckung – wie beim Durchforsten längst vergessener, verstaubter Plattenkisten.