Oral Habit sind ein Trio aus Brighton bestehend aus Sänger und Gitarrist Charlie Hales, seinen Bruder Felix Hales am Schlagzeug und Bassistin Tippi Lewis. Ihr Sound verbindet Garage-Rock, Psychedelic, Punk und Freakbeat zu einer unberechenbaren Mischung, die die Band selbst als „ear rattling dream of choked up acid punks“ bezeichnet. Nach ersten Veröffentlichungen wie Cardiovascular Spectacular und der EP Garage Frock! erschien im Juni 2026 das Debütalbum „A Broken Chord“ bei Krautpop! Records. Darauf zeigt das Trio seine Vorliebe für übersteuerte Verstärker, abrupte Tempowechsel und fuzzgetränkten psychedelischen Sounds, die jederzeit aus der Spur zu geraten drohen – und gerade deshalb so lebendig wirken.
Textausschnitt aus „Faux Fidelity“Hit and run
The damage done
Fought the foe
We’re all just gonna burn
Auf ihrem Debüt „A Broken Chord“ lassen Oral Habit Garage, Psychedelic und Punk frontal aufeinanderprallen. Das Ergebnis ist ein nervöses, fuzziges Album, das keine Idee lange genug verfolgt, um langweilig zu werden.
„Wenn da ein Knopf ist, muss man ihn drücken“: Mit diesem Grundsatz beschreibt Frontmann und Gitarrist Charlie Hales die Arbeitsweise von Oral Habit in einem englischen Musikmagazin ziemlich treffend. Gemeinsam mit seinem Bruder Felix am Schlagzeug und Bassistin Tippi Lewis hat er ein Debüt aufgenommen, das permanent kurz vor dem Überdrehen steht: Gitarren kreischen, Drums rattern, Rhythmen kippen plötzlich weg und irgendwo darunter läuft ein treibender psychedelischer Groove.
Ein kaputter Akkord
Das Album beginnt mit einem kurzen, verspielt-absurden Intro: „Dear listener, a broken chord can represent that what there makes thee chord a chord, assembled resembles the following. Much like the alphabet beginning with A B C.“ Den eigentlichen Startschuss setzt anschließend „Surface Breaker“: Peitschende Snare-Schläge schneiden durch ein Surf-Riff, der Gesang taumelt darüber hinweg, die Gitarre schlägt psychedelische Funken und der Song wechselt immer wieder die Richtung.
Genau diese Unberechenbarkeit ist das eigentliche Prinzip von „A Broken Chord“. Das klingt schmutzig und zugleich erstaunlich präzise; Erinnerungen an The Osees liegen nahe. Oral Habit spielen mit dem Kontrollverlust, ohne ihn tatsächlich aus der Hand zu geben. Sie wissen, wann ein Song aus der Kurve fliegen darf – und wann er besser wieder auf die Straße zurückkehrt.
„Faux Fidelity“ ist dabei so etwas wie das Manifest des Albums. Zwischen Garage-Rock, kantigen Rhythmuswechseln und einer dicken Fuzz-Schicht erklärt die Band ihre Unabhängigkeit vom „ständig Langweiligen“. Es ist die Haltung, die sich durch das gesamte Album zieht: Nichts wird geglättet, Übergänge werden nicht entschärft. Stattdessen lebt die Musik von harten Schnitten, übersteuerten Verstärkern und einer bewusst ungeschliffenen Direktheit.
Live-Energie im Studio
„Faux Fidelity“ legt mit nervösen Gitarren, wechselnden Tempi und einem Rhythmus, der sich nie ganz festlegen will, noch einmal nach. „Chekov“ beginnt vergleichsweise kontrolliert, baut eine hypnotische Spannung auf und endet schließlich in einem fuzzigen Gitarrensturm.
Dabei entwickeln Oral Habit eine bemerkenswerte Live-Energie, die im Studio nicht glattgebügelt wurde. Man hört förmlich den kleinen, verschwitzten Club vor sich, die Verstärker am Anschlag und eine Band, die jederzeit beschließen könnte, ihren eigenen Song auseinanderzunehmen. Noise-Rock, industrieller Druck und Punk-Attitüde sorgen dafür, dass jeder Versuch einer eindeutigen Genrezuordnung scheitert. Gleichzeitig gönnt sich die Band überraschende Auswege. „Thin Trippin’“ besitzt eine deutlich sleazigere, langsamere Seite, „The Glove“ schielt Richtung Queens of the Stone Age, während „Do The Dog“ nach kaum anderthalb Minuten schon wieder verschwunden ist. Und dann kommt „Crooner & Moon“ und beendet das Album beinahe melancholisch.
Der Reiz der Reibung
„A Broken Chord“ ist ein furchtloses, detailreiches Debüt, das bei jedem Durchlauf neue Abzweigungen offenbart. Insofern ist der Albumtitel ziemlich gut gewählt: Ein gebrochener Akkord ist schließlich nicht einfach ein falscher Akkord. Er kann interessanter sein als der richtige. Oral Habit interessieren sich offensichtlich genau für diese Momente, in denen etwas nicht so klingt, wie es eigentlich sollte. Und das hört man gern – immer wieder.


