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The Notwist

Durch­schnitt­li­che Lese­dauer 3 Minu­ten

Gegrün­det 1989 im ober­baye­ri­schen Weil­heim von den Brü­dern Mar­kus Acher und Micha Acher, ent­wi­ckel­ten sich The Notwist von einer rauen Indie-Rock-Band zu einem der ein­fluss­reichs­ten deut­schen Acts zwi­schen Indie, Elec­tro­nica und expe­ri­men­tel­lem Pop. Ihre frü­hen Alben – wie„Nook“ (1992) und 12“ (1995) – waren noch stark gitar­ren­ori­en­tiert. Mit Shrink“ (1998) öff­nete sich die Band zuneh­mend elek­tro­ni­schen Sounds – der inter­na­tio­nale Durch­bruch gelang schließ­lich mit Neon Gol­den“ (2002), des­sen Mischung aus fra­gi­ler Elek­tro­nik und melan­cho­li­schem Indiepop bis heute stil­prä­gend ist. Mit ihrer Mischung aus orga­ni­schen Instru­men­ten, elek­tro­ni­schen Tex­tu­ren und der mar­kan­ten Stimme von Mar­kus Acher gel­ten The Notwist als prä­gende Größe des deut­schen Indie und wer­den gern auch New Weird Bava­ria“ gela­belt. Neben ihren Stu­dio­al­ben ver­öf­fent­lichte die Band zudem Sound­track-Alben zu den Fil­men „ Abso­lute Gigan­ten“, Sturm“ und Crazy“. Auch ver­wei­gert sich die Weil­hei­mer Band­kon­se­quent kon­se­quent allen Regeln der Pop-Welt. So haben sie zum Bei­spiel vor Jah­ren ein 750 000-Euro-Ange­bot von Voda­fone aus­ge­schla­gen, weil sie nicht woll­ten, das ihre Musik nur wegen eines Handy-Wer­be­spots in Erin­ne­rung bleibt.

The Notwits, News from Planet Zombie

The Notwist
News from Planet Zombie

Ver­öf­fent­licht: 13. März 2026
Label: Morr­mu­sic

Seit Jahr­zehn­ten umkrei­sen The Notwist ein und den­sel­ben musi­ka­li­schen Pla­ne­ten – nur um fest­zu­stel­len, dass sich des­sen Land­schaft lang­sam, aber ste­tig ver­än­dert. Mit ihrem neuen Album News from Pla­net Zom­bie“ sen­den sie nun fri­sche Signale aus die­sem Kos­mos. Auf­ge­nom­men wurde die Platte im Münch­ner Kul­tur­raum Import /​Export“, einem gemein­nüt­zi­gen Ort für Kunst und Musik. Für ihr zehn­tes Stu­dio­al­bum ver­ab­schie­det sich die Band dabei bewusst von ihrer bis­he­ri­gen Arbeits­weise. Wäh­rend frü­here Ver­öf­fent­li­chun­gen oft in lang­wie­ri­gen, detail­ver­ses­se­nen Stu­dio­ses­si­ons ent­stan­den, wurde die­ses Album über­ra­schend schnell auf­ge­nom­men – inner­halb einer Woche.

Offenes Studio, erweitertes Kollektiv

Auch der Band­kon­text wurde deut­lich erwei­tert. Wäh­rend der Auf­nah­men kamen und gin­gen Freund*innen und Gastmusiker*innen. Mit dabei waren unter ande­rem die Foto­gra­fin und Sän­ge­rin Enid Valu, der Kla­ri­net­tist Tian­ping Chris­toph Xiao und der Jazz­po­sau­nist Mathias Götz. The­resa Loibl steu­ert Kla­ri­net­ten, Kla­vier und Har­mo­nium bei, Max Punk­te­zahl ergänzt Gitar­ren­parts. Karl Ivar Ref­s­eth sorgt mit Vibra­phon, Marimba und wei­te­rer Per­cus­sion für zusätz­li­che Klang­far­ben, wäh­rend Schlag­zeu­ger Andi Haberl die rhyth­mi­sche Basis legt. Die japa­ni­sche Musi­ke­rin Haruka Yoshi­zawa setzt mit dem Tais­hō­goto – einer japa­ni­schen Kas­ten­zi­ther – einen beson­de­ren Akzent. In die­ser erwei­ter­ten Beset­zung, di im Kern die Live-Beset­zung dar­stellt, ent­wi­ckel­ten, arran­gier­ten und prob­ten The Notwist die Songs gemein­sam, um sie schließ­lich live ein­zu­spie­len. Diese kol­lek­tive Arbeits­weise prägt den Klang von News from Pla­net Zom­bie“ deut­lich: Viele Stü­cke leben von der Dyna­mik zwi­schen den Betei­lig­ten, vom hör­ba­ren Zusam­men­spiel und spon­ta­nen Momenten.

Markus Achers leiser Mittelpunkt

Im Zen­trum steht wei­ter­hin die Stimme von Mar­kus Acher. Sein Gesang bleibt das emo­tio­nale Gra­vi­ta­ti­ons­zen­trum des Albums: zurück­hal­tend, leicht brü­chig und stets ein wenig so, als würde er die Songs eher den­ken als sin­gen – inklu­sive jenes unver­kenn­ba­ren deut­schen Akzents. Unspek­ta­ku­lär erzählt Acher von Beob­ach­tun­gen, All­tags­bil­dern und exis­ten­zi­el­len Zwei­feln. Wenn er über Ent­frem­dung, Tech­no­lo­gie oder das Gefühl per­ma­nen­ter Beschleu­ni­gung singt, wir­ken seine Texte weni­ger wie Kom­men­tare zur Gegen­wart als wie per­sön­li­che Tage­buch­ein­träge – keine Paro­len, son­dern Momentaufnahmen.

Zwischen Indie, Electronica und Kraut

Was News from Pla­net Zom­bie“ beson­ders macht, ist seine Wei­ge­rung, sich ein­deu­tig fest­zu­le­gen: zwi­schen Indie und Elec­tro­nica, zwi­schen Song und Sound­ex­pe­ri­ment, zwi­schen Nost­al­gie und Zukunft. Die Bay­ern blei­ben ihrer Hand­schrift treu und lie­fern mal ener­ge­ti­schen, mal melan­cho­li­schen Indiepop mit Kraut­rock- und Punk-Anklän­gen. So ste­hen Indie-Kra­cher wie X‑Ray“, bei dem laut Acher der rum­pe­lige Six­ties-Beat von The Monks Pate stand, neben bewe­gen­den Folk-Elec­tro­nica-Bal­la­den wie Who We Used To Be“. Neben neun neuen eige­nen Songs fin­den sich auf dem Album auch zwei Cover­ver­sio­nen: Red Sun“ von Neil Young (aus Sil­ver & Gold“) sowie How The Story Ends“ von der Folk­pop-Band Lovers.

Funkkontakt aus einer anderen Umlaufbahn

Wer auf ein gro­ßes, pro­gram­ma­ti­sches State­ment gehofft hat, könnte zunächst irri­tiert sein. News from Pla­net Zom­bie“ funk­tio­niert weni­ger als dra­ma­ti­scher Neu­be­ginn. Doch The Notwist klin­gen wei­ter­hin wie eine Band, die neu­gie­rig genug ist, ihr eige­nes Klang­uni­ver­sum zu erwei­tern. Pla­net Zom­bie“ wirkt wie ein Funk­kon­takt aus einer ande­ren Umlauf­bahn – leise, rät­sel­haft, aber erstaun­lich leben­dig. Zwi­schen ana­lo­gem Rau­schen, digi­ta­ler Melan­cho­lie und stil­ler Schön­heit zeigt die Band ein­mal mehr, dass Pop­mu­sik auch im Flüs­ter­ton rele­vant sein kann.