Blue morpho
Ende 2020, womöglich befeuert vom pandemischen Stillstand, rutschte Radiohead-Gitarrist Ed O’Brien in eine tiefe Depression. Auf seinem Anwesen in Wales stimmte er sämtliche Instrumente nicht auf die üblichen 440, sondern auf 432 Hertz – jene Frequenz, der eine beruhigende, fast meditative Wirkung nachgesagt wird, oft auch als „natürlicher Kammerton“ bezeichnet. Ich habe davon keine Ahnung, aber so steht es in den Linernotes. „Blue Morpho“ will dieses Konzept spürbar machen: Vogelgezwitscher und die Streicher des Tallinn Chamber Orchestra tauchen die Songs in sanfte Schwerelosigkeit. Gleichzeitig setzen Tracks wie das Trip-Hop- und Neo-Soul-inspirierte „Teachers“ groovige Akzente, während Shabaka Hutchings’ Flöte „Thin Places“ veredelt. Über allem liegt die melancholische Patina von Radiohead. Die Spiritualität, die viele Songs durchzieht, bleibt dabei zwar unaufdringlich, manches gerät jedoch arg kitschig und pathetisch – aber gerade für ein ausgedehntes Sonntagsfrühstück ist das Album ein wunderbar verträumter Soundtrack.
Label: Transgressive
Veröffentlicht: 22. Mai 2026
Genre: Gothic, Electronic, Folk









