Inferno
Nach all den Jahren wieder ein neues Album von Boards of Canada zu hören, fühlt sich beinahe unwirklich an. Auch das fünfte Werk der Schotten bewahrt jene unverwechselbaren Melodien und Atmosphären, die ihr Schaffen seit jeher prägen. „Inferno“ klingt wie verstaubte Kindheitserinnerungen auf VHS – warm, verstörend und zugleich von einer eigentümlichen Verträumtheit durchzogen. Die Beats bleiben meist im Hintergrund; wichtiger sind die Klangtexturen und dieses permanente Gefühl unterschwelliger Nostalgie. „Naraka“ ist dafür ein Paradebeispiel. Der Track strahlt große Souveränität und eine fast beiläufige Lässigkeit aus: ein treibender Synth-Bass, perlende Keyboardlinien und ein mantrahafter, nahezu abstrakter Gesang verschmelzen zu einem faszinierenden Ganzen. In der Einheit liegt die Kraft. Dabei bedeutet Naraka (Sanskrit: नरक) wörtlich „Hölle“ oder „Unterwelt“ – ein Begriff aus den indischen Religionen wie Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus. Selten habe ich elektronische Musik gehört, die die düsteren Geister so eindrucksvoll vertreibt.
Label: Wrap
Veröffentlicht: 28. Mai 2026
Genre: Electronic, Ambient








