Lost in Kyiv
We’re All Going To Be Fine
Mit „We’re All Going To Be Fine“ markiert die französische Post-Rock-Band Lost In Kyiv einen spürbaren Einschnitt in der eigenen Bandgeschichte. Die Schreibweise verweist nun aus Respekt vor der unter Beschuss stehenden Ukraine auf die ukrainische Schreibweise von Kiew und auch musikalisch wirkt das fünfte Album wie ein konzentrierter Neustart: tiefer gestimmte Gitarren, ein neuer Schlagzeuger und mehr physische Wucht verdichten den bekannten Post-Rock-/Metal-Sound der Band. Ihr Sound hat schon immer von der Spannung zwischen dem Organischen und dem Synthetischen gelebt. Auf „We’re All Going To Be Fine“ erreicht diese Verschmelzung ein neues Maß: weite Klangräume, geduldig aufgebaute Spannungsbögen und filmische Atmosphäre, Jérémie Legrands prägnantes Drumming gibt den Songs mehr Bodenhaftung. Ebenfalls wichtiger Bestandteil: die Elektronik. Synths, Loops und elektronische Texturen greifen tief in die Songarchitektur ein. Von „Burst“ über „Mantra“ bis zum ausgedehnten „Euphoria“ zeigt das Album eine klare Dramaturgie zwischen Schwere, Bewegung und Nachhall. In „Becoming“ setzt Rebecca Need-Menears Stimme auf diesem Instrumental-Album einen wirkungsvollen Akzent. Mit „We’re All Going To Be Fine“ klingen Lost In Kyiv schwerer, kompakter und unmittelbarer als auf früheren Aufnahmen. Über 41 Minuten tastet sich das vor Weltschmerz vibrierende Album an die Spannung zwischen Hoffnung und Erschöpfung, Härte und Verletzlichkeit, synthetischer Kühle und menschlicher Unruhe heran – und folgerichtig steht gegen Ende ein Sample von Carl Gustav Jung. So entsteht kein überwältigendes, sondern ein tragendes Album – intensiv und überzeugend.
Label: Pelagic Records
Veröffentlicht: 19. Juni 2026
Genre: Post-Rock, Post-Meta











