Neuerscheinungen September 2026

ca. 8 Minu­ten

Neben mei­nen aus­führ­li­chen Reviews fin­den hier all jene Ver­öf­fent­li­chun­gen ihren Platz, die mir im Laufe des aktu­el­len Monats begeg­net und hän­gen­blie­ben sind. Beim Blick auf die Neu­erschei­nun­gen im Sep­tem­ber fie­len mir wie­der einige Ver­öf­fent­li­chun­gen beson­ders auf: Lärm, düs­te­rer Post-Punk, schräge Sounds und Musik, die sich nicht bemü­hen, einem das erste Hören leicht zu machen. Chat Pile und Gilla Band lie­fern ent­spre­chend ordent­lich Krach, wäh­rend Arab Strap, Pro­tom­ar­tyr und Emma Ruth Rundle die dunk­le­ren Ecken des Monats aus­leuch­ten. Dazwi­schen gibt es Ame­ri­cana von Mick Har­vey & Amanda Ace­vedo und This Is Lore­lei, den melan­cho­li­schen Beck, die eigen­wil­li­gen Songwel­ten von Bon­nie ​„Prince“ Billy und mit Klein sogar noch einen abge­fah­re­nen Über­ra­schungs­gast mit einer Mischung aus Ambi­ent, Noise, Art Pop und einer gewis­sen Unheimlichkeit. 


Culk
Smogstar

Culk haben den düs­te­ren Post-Punk ihrer frü­he­ren Plat­ten nicht ein­fach über Bord gewor­fen, son­dern ordent­lich durch den Wolf gedreht. Auf ​„Smog­star“ klingt das Wie­ner Quar­tett rauer, ner­vö­ser und deut­lich näher an Noise-Rock und Alter­na­tive der Neun­zi­ger. Was bleibt, ist Sophie Löws knur­ren­der Gesang, der dafür sorgt, dass das Ganze nicht zur Nost­al­gie­ver­an­stal­tung ver­kommt. Es geht um das Gefühl, gleich­zei­tig mit­ten­drin und völ­lig ver­lo­ren zu sein, um Groß­stadt, Anony­mi­tät und die Suche nach irgend­ei­nem Platz im Leben. Beson­ders schön: Culk klin­gen hier nicht wie eine Band, die sich noch ein­mal an ihrer eige­nen Ver­gan­gen­heit abar­bei­tet, son­dern wie eine, die gerade her­aus­fin­den will, was als Nächs­tes kommt. Die Band war gerade mit die­sem Album unter­wegs. Und sie waren auch im ZAKK in Düs­sel­dorf – ich natür­lich auch.
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Label: Siluh Records
Ver­öf­fent­licht: 4. Sep­tem­ber 2026
Genre: Post-Punk, Noise-Rock, Shoegaze

Adult DVD
Adult DVD

Adult DVD kom­men aus Leeds haben auf ihrem Debüt offen­bar beschlos­sen, dass man den Unter­gang der Zivi­li­sa­tion auch tan­zend beob­ach­ten kann. Ihr selbst­be­ti­tel­tes Debüt wirft Punk, Indie, Acid House, Elec­tro­clash und ziem­lich schwar­zen Humor in einen Topf, mixt alles kräf­tig durch und drückt auf Start. Das Ergeb­nis klingt nach einer Party, die bereits vor Mit­ter­nacht aus dem Ruder gelau­fen ist. Do As I Please, Coffin Dod­ger oder Rol­ling Face bewe­gen sich irgendwo zwi­schen Happy Mon­days, The Faint und einem über­mo­ti­vier­ten Rave-DJ, wäh­rend die Lyrics zuver­läs­sig Rich­tung Abgrund tex­ten. Das ist nicht unbe­dingt Musik für tief­schür­fende Kon­tem­pla­tion. Muss es aber auch nicht sein. Manch­mal braucht es ein­fach zwölf Songs, die einem sagen: Irgend­wie geht alles den Bach run­ter – aber jetzt tanz erst­mal, gern auch zu ​„Jesus Christ Super­star”.
Label: Hideous Men Records
Ver­öf­fent­licht: 4. Sep­tem­ber 2026
Genre: Post-Punk, Dance-Punk, Electro

Gurriers
Nobody’s Coming To Save You 

Gur­riers blei­ben laut, wütend und ziem­lich ange­pisst – sind auf ihrem zwei­ten Album aber hör­bar gewach­sen. ​„Nobody’s Coming To Save You“ ver­bin­det gewohnt Post-Punk und Noise mit gro­ßen Melo­dien, etwas Brit­pop und einer gehö­ri­gen Por­tion Post-Hard­core. Dan Hoffs Stimme pen­delt dabei zwi­schen Sprech­ge­sang, Gebrüll und über­ra­schend melo­di­schen Momen­ten. Inhalt­lich geht es um Über­for­de­rung, poli­ti­sche Frus­tra­tion, Arbeit und Bezie­hun­gen und die ziem­lich ernüch­ternde Erkennt­nis, dass man nur selbst etwas ver­än­dern kann. Inter­es­sant ist, dass die Band ihre Wut nicht mehr per­ma­nent auf Anschlag fährt. Zwi­schen den Kra­chern gibt es ruhi­gere Momente und sogar so etwas wie Ver­letz­lich­keit. Gur­riers sind noch immer laut, wütend und manch­mal ziem­lich chao­tisch. Das macht ihr zwei­tes Album nicht unbe­dingt zugäng­li­cher, aber deut­lich inter­es­san­ter.
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Label: Inter­na­tio­nal Death Cult
Ver­öf­fent­licht: 5. Sep­tem­ber 2026
Genre: Post-Punk, Noise-Rock, Post-Hardcore

Protomartyr
Hotel Usona

Auf ihrem sieb­ten Stu­dio­al­bum laden Pro­tom­ar­tyr ein: in ein her­un­ter­ge­kom­me­nes, abge­rock­tes Hotel. Jedes Zim­mer bekommt einen eige­nen Bewoh­ner, und beson­ders ange­nehme Gäste sind offen­bar nicht ein­ge­la­den. Joe Casey führt durch diese ziem­lich fins­tere Her­berge, wäh­rend Greg Ahee und der Rest der Band den Sound deut­lich wei­ter öff­nen als auf frü­he­ren Plat­ten. Strei­cher, Blä­ser, Piano und Dave Fri­d­manns Pro­duk­tion sor­gen dafür, dass ​„Hotel Usona“ weni­ger nach klas­si­schem Detroit-Post-Punk und mehr nach einem fieb­ri­gen, ziem­lich gro­ßen Rock­al­bum klingt. Inhalt­lich bleibt Casey bei dem, was Pro­tom­ar­tyr schon immer gut konn­ten: gesell­schaft­li­chen Ver­fall beob­ach­ten, ohne dabei den Humor voll­stän­dig zu ver­lie­ren. Ein Hotel, in dem man bes­ser nicht dau­er­haft ein­checkt. Ein Album aller­dings, das ich immer wie­der gerne höre.
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Label: Domino Recor­ding Co.
Ver­öf­fent­licht: 5. Sep­tem­ber 2026
Genre: Post-Punk, Indie Rock, Art Rock

Mick Harvey & Amanda Acevedo
Psychedelia In White

Mick Har­vey und Amanda Ace­vedo tau­chen erneut in ihren eige­nen psy­che­de­li­schen Ame­ri­cana-Kos­mos ab. ​„Psy­che­de­lia In White“ ist ihr bereits drit­tes gemein­sa­mes Album und ent­hält über­wie­gend Eigen­kom­po­si­tio­nen, wobei auch hier wie­der einige aus­ge­wählte, neu inter­pre­tierte Stü­cke ent­hal­ten sind – unter ande­rem das schöne ​„Slow-Motion-Movie-Star“, des­sen Text von PJ Har­vey stammt und das 2007 auf sei­nem Solo­al­bum ​„Two of Dia­monds“ erschien. ​„Psy­che­de­lia In White“ bewegt sich expe­ri­men­tell zwi­schen Mys­tik, Liebe und Ver­lust und ver­bin­det wuchernde Gitar­ren, düs­tere Ame­ri­cana, Psy­che­de­lic Rock und eine gehö­rige Por­tion Mytho­lo­gie. Das kann wun­der­schön ent­rückt klin­gen, rutscht aber auch das ein oder andere Mal in ver­kitschte Klang­tep­pi­che aus Syn­thies und Strei­cher­ar­ran­ge­ments. Ein Album, das man eigent­lich lie­ben möchte, das es einem aber nicht leicht macht.
Label: Siluh Records
Ver­öf­fent­licht: 4. Sep­tem­ber 2026
Genre: Post-Punk, Noise-Rock, Shoegaze

Arab Strap
Half-Told Tales

Arab Strap wer­den auch nicht jün­ger. Und statt diese Erkennt­nis mit einer gepfleg­ten Alters­bal­lade zu ver­drän­gen, machen Aidan Moffat und Mal­colm Midd­le­ton dar­aus ein ziem­lich bös­ar­ti­ges, ziem­lich komi­sches und manch­mal über­ra­schend zärt­li­ches Album. ​„Half-Told Tales“ han­delt von Zeit, Krank­heit, Ein­sam­keit, kör­per­li­chem Ver­fall und dem ziem­lich absur­den Ver­such, bei all dem trotz­dem noch Spaß zu haben. Also irgend­wie genau das, mit dem ich mich mitt­ler­weile auch beschäf­tige. Musi­ka­lisch wird gewohnt mun­ter gemischt: Elek­tro­nik, Post-Rock, Folk, Punk und sogar ein biss­chen Glam und Disco lie­gen unge­hemmt neben­ein­an­der. Moffat klingt wei­ter­hin schlecht gelaunt, will aber noch eine Geschichte mehr los­wer­den. Nur dass diese Geschich­ten mit zuneh­men­dem Alter immer weni­ger lus­tig und den­noch immer komi­scher wer­den. Jeden­falls hat die Band immer noch eini­ges zu erzäh­len. Ich höre ihr immer noch gerne zu.
Label: Rock Action Records
Ver­öf­fent­licht: 11. Sep­tem­ber 2026
Genre: Post-Punk, Indie Rock, Electronica

Bonnie ​„Prince“ Billy
Ghosts Of American Psychonauts

Will Old­ham braucht eigent­lich kein neues Album, um seine Songs wie­der neu zu erfin­den. Ein Live-Mikro­fon und ein paar gute Musi­ker rei­chen ihm offen­bar völ­lig. ​„Ghosts Of Ame­ri­can Psy­chon­auts“ wurde 2025 in Los Ange­les auf­ge­nom­men und ver­sam­melt acht Stü­cke aus Old­hams weit ver­zweig­tem Song­kos­mos. Beson­ders auf­fäl­lig ist die Blä­ser­sek­tion, die aus eini­gen ohne­hin schon melan­cho­li­schen Songs plötz­lich ziem­lich große, manch­mal bei­nahe apo­ka­lyp­ti­sche Momente macht. ​„Trees Of Hell“ klingt ent­spre­chend wie Ame­ri­cana kurz vor dem Welt­un­ter­gang, wäh­rend ​„I See A Dark­ness“ am Ende noch ein­mal alles auf die ganz große emo­tio­nale Ebene hebt. Kein klas­si­sches Live­al­bum, keine bloße Werk­schau, son­dern eher eine Neu­in­ter­pre­ta­tion des eige­nen Mate­ri­als. Acht Songs, eine gute halbe Stunde – ​„Ghosts Of Ame­ri­can Psy­chon­auts“ ist ein wei­te­res packen­des Zeug­nis die­ses selt­sam ver­schro­be­nen Bar­den.
Label: Drag City
Ver­öf­fent­licht: 11. Sep­tem­ber 2026
Genre: Ame­ri­cana, Folk, Alter­na­tive Country

This Is Lorelei
The Singer In My Band

Nate Amos, Lead­gi­tar­rist und Pro­du­zent der Indie-Pop-Band Water From Your Eyes, greift auf sei­nem neuen Solo­al­bum auf die Tra­di­tion des Great Ame­ri­can Song­book zurück und besinnt sich auf die Blue­grass-Ein­flüsse sei­nes Vaters Bob Amos. Ent­stan­den wäh­rend aus­ge­dehn­ter Tour­neen, taucht er tief in Ame­ri­cana, Coun­try und klas­si­schen Song­wri­ter-Pop ein. Banjo, Akus­tik­gi­tar­ren, Coun­try-Rhyth­mus und fami­liäre musi­ka­li­sche Unter­stüt­zung geben ​„The Sin­ger In My Band“ eine ange­nehm alt­mo­di­sche Wärme. Ganz ohne Macken kommt Amos natür­lich trotz­dem nicht aus. Unter der schein­ba­ren Ein­fach­heit lau­ern schräge Figu­ren, melan­cho­li­sche Geschich­ten und kleine Brü­che. Aus der Ferne lässt Ste­phin Mer­ritt von The Magne­tic Fields grü­ßen. Auch er ver­steht die Kunst, ein Lied so aus­se­hen zu las­sen, als hätte es schon immer exis­tiert – und dann doch irgendwo eine kleine Schraube locker zu las­sen.
Label: Rock Action Records
Ver­öf­fent­licht: 11. Sep­tem­ber 2026
Genre: Post-Punk, Indie Rock, Electronica

Gilla Band
Pugnello

Gilla Band waren schon immer eine Zumu­tung. ​„Pug­nello“ hebt diese Zumu­tung jetzt auf ein neues Niveau. Noise-Rock, Indus­trial, Techno, Post-Punk und Elek­tro­nik wer­den so lange gegen­ein­an­der gescho­ben, bis kaum noch erkenn­bar ist, wel­ches Instru­ment hier eigent­lich wel­chen Lärm ver­ur­sacht. Gitar­ren klin­gen wie Maschi­nen, das Schlag­zeug wie ein Angriff und Dara Kiely lie­fert dazu einen voka­len Bewusst­seins­strom zwi­schen Schrei, Spo­ken Word und kom­plet­tem Kon­troll­ver­lust. Gleich­zei­tig steckt in die­ser Platte erstaun­lich viel Struk­tur. Das Chaos ist kei­nes­wegs zufäl­lig, son­dern ziem­lich genau geplant. Zwi­schen all dem Krach tau­chen plötz­lich Groove, Humor und sogar so etwas wie Schön­heit auf. ​„Pug­nello“ ist kein Album, das man neben­bei lau­fen lässt. Es ist eher eines, das den Raum betritt und erst wie­der geht, wenn die Laut­spre­cher um Gnade bit­ten.
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Label: Rough Trade Records
Ver­öf­fent­licht: 12. Sep­tem­ber 2026
Genre: Noise-Rock, Indus­trial, Post-Punk

Chat Pile
Who Loves The Sun

Chat Pile waren noch nie beson­ders gut darin, schlechte Nach­rich­ten freund­lich zu ver­pa­cken. ​„Who Loves The Sun“ macht da keine Aus­nahme, erwei­tert den bis­he­ri­gen Sludge- und Noise-Rock-Kos­mos aber um deut­lich mehr Melo­die, auch wenn sie sich aus dem Lärm nicht klar her­aus­schält. Hier dür­fen Gitar­ren plötz­lich auch mal twan­gen, die Songs wer­den atmo­sphä­ri­scher und Shou­ter Ray­gun Busch muss nicht mehr per­ma­nent klin­gen, als würde ihm gerade jemand die Kehle zuschnü­ren. Das macht die Platte kei­nes­wegs harm­los. Im Gegen­teil: Hin­ter den ein­gän­gi­ge­ren Struk­tu­ren lau­ern wei­ter­hin soziale Ver­wahr­lo­sung, Abstump­fung, Gewalt und das Gefühl, in einer Welt zu leben, die lang­sam aus­ein­an­der­fällt. Das gefällt sicher nicht jedem, aber ab und zu braucht es ein radi­ka­les Gegen­mit­tel und einen unmit­tel­ba­ren Befrei­ungs­schlag gegen eine Welt, die oft zu leise weg­schaut und zu glatt lügt.
Label: The Flen­ser
Ver­öf­fent­licht: 18. Sep­tem­ber 2026
Genre: Noise-Rock, Sludge, Post-Punk

Beck
Ride Lonesome

Beck macht wie­der den trau­ri­gen Beck. Und zwar ziem­lich kon­se­quent. ​„Ride Lone­some“ knüpft deut­lich an ​„Sea Change“ und ​„Mor­ning Phase“ an, holt dafür die alte Mann­schaft zurück und lässt Nigel God­rich wie­der für den pas­sen­den Breit­wand-Sound sor­gen. Akus­ti­sche Gitar­ren, Strei­cher, Pedal Steel und leicht psy­che­de­li­sche Ame­ri­cana bil­den den Rah­men für Songs über Liebe, Ver­lust und die nicht ganz frei­wil­lige Erkennt­nis, dass die Zeit eben doch wei­ter­läuft. Über­ra­schun­gen sind dabei eher rar. Wer auf den Beck von ​„Ode­lay“ oder ​„Mid­nite Vul­tures“ gehofft hat, mag ent­täuscht sein. Ich hin­ge­gen mag die­sen melan­cho­li­schen Kam­mer-Folk mit per­fek­ter Pro­duk­tion – auch wenn er nicht wirk­lich neu ist.
Label: Capi­tol Records
Ver­öf­fent­licht: 18. Sep­tem­ber 2026
Genre: Ame­ri­cana, Folk Rock, Singer-Songwriter

Emma Ruth Rundle
These Killing Times

Emma Ruth Rundle hatte auf ​„Engine Of Hell“ noch reich­lich per­sön­li­chen Schmerz zu sor­tie­ren. Auf ​„These Kil­ling Times“ rich­tet sie den Blick stär­ker nach drau­ßen. Die Welt ist schließ­lich auch ohne pri­vate Tra­gö­dien schon ziem­lich kaputt. Musi­ka­lisch wird es dafür wie­der grö­ßer: Grunge, Alter­na­tive Rock, Doom, Folk und Post-Rock tref­fen auf­ein­an­der, wäh­rend Gäste wie Nick Rein­hart oder Gina Glea­son zusätz­li­che Farbe ins Spiel brin­gen. Beson­ders span­nend ist, wie Rundle zwi­schen zer­brech­li­chen Momen­ten und gro­ßen Gitar­ren­wän­den wech­selt. ​„God’s Pic­ture“ beginnt bei­nahe zärt­lich und wächst lang­sam zu einem ziem­lich gewal­ti­gen Stück Musik an. Die Platte ist düs­ter, aber nicht hoff­nungs­los. Eher wütend. Und manch­mal ist Wut bekannt­lich die bes­sere Ener­gie­quelle als Trau­rig­keit.
Hier eine aus­führ­li­che Review
Label: Sar­gent House
Ver­öf­fent­licht: 18. Sep­tem­ber 2026
Genre: Alter­na­tive Rock, Post-Rock, Doom

The Drin
I Lost My Way For Centuries

The Drin aus Cin­cin­nati klin­gen, als hätte jemand eine Kiste obsku­rer Post-Punk‑, Kraut- und Psych-Rock-Plat­ten auf dem Dach­bo­den gefun­den und dar­aus etwas Eige­nes gebaut. ​„I Lost My Way For Cen­tu­ries“ ist mit rund einer Stunde Spiel­zeit und als Dop­pel­al­bum nicht gerade schüch­tern dimen­sio­niert, bleibt dabei aber erstaun­lich zugäng­lich. Die Band aus Cin­cin­nati ver­blüfft mit einer psy­che­de­li­schen Sound­welt, die von Lo-Fi-Folk, Garage-Psych, Free Jazz, Drone, Kraut­rock bis zu Avant-Punk reicht. Und das Ganze mit einem reiz­über­flu­ten­den Ges­tus auf 23 Tracks, die knapp 75 Minu­ten fül­len. Zum drin Ver­sin­ken.
Hier eine aus­führ­li­che Review
Label: Feel It Records
Ver­öf­fent­licht: 18. Sep­tem­ber 2026
Genre: Post-Punk, Psy­che­de­lic Rock, Krautrock

Immersion
What Is Lost Will Return

Colin New­man von Wire und Malka Spigel von Mini­mal Com­pact machen als Immersion schon län­ger Musik, die sich irgendwo zwi­schen elek­tro­ni­schem Mini­ma­lis­mus, Kraut­rock, Post-Punk und hyp­no­ti­schem Groove bewegt. Mit ​„What Is Lost Will Return“ prä­sen­tiert das uner­müd­lich krea­tive Duo – das auch pri­vat und künst­le­risch ein Paar ist – fünf Songs und drei Instru­men­tal­stü­cke vol­ler modu­la­rer Klang­stim­mun­gen und redu­zier­ter elek­tro­ni­scher Psy­che­de­lia. Bass, Syn­the­si­zer, Gitar­ren und Per­cus­sion schie­ben sich umein­an­der, wie­der­ho­len sich, ver­än­dern sich und fin­den plötz­lich neue For­men. Das klingt weni­ger nach nost­al­gi­schem Rück­blick auf irgend­wel­che alten Post-Punk-Tage als nach einer Band, die ihr eige­nes musi­ka­li­sches Archiv noch ein­mal aus­ein­an­der­nimmt. Trotz aller elek­tro­ni­schen Kühle steckt erstaun­lich viel Wärme darin. Musik zum Ver­sin­ken – oder für eine nächt­li­che Auto­fahrt, bei der die Straße irgend­wann wich­ti­ger wird als das Ziel und man noch eine Runde dran­hängt.
Label: Swim
Ver­öf­fent­licht: 25. Sep­tem­ber 2026
Genre: Elec­tro­nica, Post-Punk, Krautrock

Klein
My Own Fairytale

Eine kleine Über­ra­schung zum Monats­ende: Klein hat ​„My Own Fairy­tale“ am 28. Sep­tem­ber prak­tisch aus dem Nichts ver­öf­fent­licht. Das Album wird als eine Art düs­te­rer Dis­ney-Sound­track beschrie­ben und klingt auch unge­fähr so, als hätte sich jemand einen beson­ders ver­stö­ren­den Mär­chen­film aus­ge­dacht und anschlie­ßend ver­ges­sen, ihn zu dre­hen. Spek­tra­ler Ambi­ent, dra­ma­ti­sche Strei­cher, klas­si­sche Arran­ge­ments und Noise-Gitarre ste­hen neben­ein­an­der, wäh­rend der Gesang erst spä­ter stär­ker ins Zen­trum rückt. Mit Sasha Scott und der Lon­don Sin­fo­ni­etta wird das Ganze stel­len­weise erstaun­lich groß. Gleich­zei­tig bleibt genug Absei­tig­keit übrig, damit es nicht nach klas­si­schem Orches­ter-Expe­ri­ment klingt. Ein Album für die dunkle Jah­res­zeit – und für Men­schen, die mit Dis­ney schon immer ein leich­tes Pro­blem hat­ten.
Label: Hyper­dub
Ver­öf­fent­licht: 28. Sep­tem­ber 2026
Genre: Expe­ri­men­tal, Ambi­ent, Art Pop